Produktion bei Boeing: Mängel bei der Sicherheitskultur festgestellt.

ExpertenberichtBoeings Sicherheitskultur komplex und ständig ändernd - Personal verwirrt

Der US-Kongress hatte eine Expertengruppe damit beauftragt, die Sicherheitskultur beim Flugzeugbauer genau zu überprüfen. Sie kommt zum Schluss, dass einiges im Argen liegt.

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Im März 2023 nahm die vom US-Kongress beauftragte Expertengruppe ihre Arbeit auf. Der Auftrag: Die Sicherheit bei Boeing genau unter die Lupe zu nehmen. Nach zwei tödlichen Zwischenfällen mit Boeing 737 Max und immer neuen Problemen bei der Produktion stand die in der Kritik. Der jetzt erschienene Abschlussbericht entlastet den Konzern nicht etwa. Er bestätigt viele der Sorgen und Vorwürfe der letzten Jahre.

Ein großes Problem besteht offenbar beim Thema «Just Culture». Diese ist in der Luftfahrt enorm wichtig. Der Begriff beschreibt, dass man Fehler melden kann, ohne zu befürchten, dafür bestraft zu werden. So verbessert sich die Sicherheit in der Branche seit Jahrzehnten. Doch genau das sei bei Boeing nicht immer gewährleistet, heißt es.

«Inadäquat» und «verwirrend»

Die von den externen Prüfern Befragten bezweifelten offen, dass die Sicherheitsmeldesysteme von Boeing so funktionieren, dass eine offene Kommunikation und der Verzicht auf Vergeltungsmaßnahmen gewährleistet sind. Insgesamt sei Boeings Herangehensweise an die Sicherheitskultur in vielen Fällen «inadäquat» und «verwirrend».

Die Verfahren und Schulungen seien komplex und würden außerdem einem ständigen Wandel unterliegen. Dieser Mangel an Stabilität stifte bei den Mitarbeitern Verwirrung. Das Expertengremium stellte auch ein mangelndes Bewusstsein für sicherheitsrelevante Maßstäbe auf allen Ebenen des Unternehmens fest.

Kritik an der Aufsicht

Untersucht wurde insbesondere auch die sogenannte «Organization Designation Authorization». Diese Gruppe setzt sich aus Boeing-Mitarbeitenden zusammen, welche interne Überprüfungen durchführen und diese Ergebnisse an die Luftfahrtorganisation FAA melden. Boeing hat also einige der Aufsichtsfunktionen um Grunde selbst ausgeführt.

Diese Praxis wurde vor allem im Nachgang der Unfälle mit der Boeing 737 Max kritisiert. So hat Boeing etwa im Jahr 2018 ganze 96 Prozent seiner eigenen Arbeit selbst zertifiziert. Mitarbeiter seien schockiert gewesen, als sie mehr über die Details des MCAS erfahren haben, heißt es. Dieses System war zu einem großen Teil mitverantwortlich für die Abstürze der Flugzeuge.

Immer noch Angst vor Konsequenzen

Boeing hat mittlerweile die Organization Designation Authorization neu aufgestellt. Doch immer noch bestünden Gründe zur Sorge, dass die dort Beschäftigten nicht frei entscheiden können - ohne Angst vor Konsequenzen, falls sie Boeing durch ihre Schlüsse in ein negatives Licht rücken, heißt es in dem Bericht.

Boeing erklärte, man unterstütze die Arbeit des Gremiums. Man habe zwar «wichtige Schritte» zur Verbesserung der Sicherheitskultur unternommen, «aber es gibt noch mehr zu tun». Die FAA will «sofort mit einer gründlichen Überprüfung des Berichts beginnen» und gegebenenfalls Maßnahmen zur Umsetzung der Empfehlungen ergreifen.

Kein Hochfahren der Produktion

«Wir werden Boeing weiterhin an den höchsten Sicherheitsstandard halten und darauf hinwirken, dass das Unternehmen diese Empfehlungen umfassend umsetzt», so die Behörde. Die FAA hat bei Boeing erst kürzlich interveniert: Nachdem ein Paneel des Rumpfes einer 737 Max von Alaska Airlines sich im Flug gelöst hatte, hatte man beim Flugzeugbauer kurzzeitig auch die Produktion gestoppt. Jetzt ist diese wieder angelaufen, aber ein Hochfahren der Produktion hat die Behörde dem Konzern untersagt.

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