Privilege Club: Schlechte Kunde für Kunden.

MeilenkönigQatar Airways wertet Vielfliegerprogram ab

50 bis 70 Prozent mehr Meileneinsatz auf vielen Strecken plus zusätzliche Gebühren. Trotz herausragendem Flugprodukt sind die Anpassungen beim Programm von Qatar Airways eine bittere Pille für die Kunden.

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Am letzten Sonntag (27. Mai) hat Qatar Airways für sein Vielfliegerprogramm Privilege Club teilweise dramatische Verschlechterungen umgesetzt - ohne Vorwarnung. Hintergrund ist der, dass die Airline aufgrund des von Saudi-Arabien gestarteten Boykotts massive Einbußen erlitten hat. So spricht Qatar-Airways-Chef Akbar Al Baker von «substanziellen Verlusten» für das abgelaufene Geschäftsjahr. Über Anpassungen beim Vielfliegerprogramm Privilege Club hofft man jetzt anscheinend, Einsparungen erzielen zu können.

Zunächst einmal werden Buchungsgebühren für Oneway Flüge eingeführt, 25 Dollar in Economy, 50 Dollar in Business und 75 Dollar in First Class. Bei einem Return-Flug fällt der doppelte Preis an. Hier muss man Qatar Airways zu Gute halten, dass bisher die Steuern und Gebühren im Vergleich zu anderen Airlines immer relativ niedrig waren. Trotzdem sehr ungewöhnlich. Im März 2018 hatte man vorher bereits den telefonischen Support für Prämienbuchungen abgestellt. Man kann nur noch online buchen oder Anfragen stellen und eine Bestätigung bekommt man erst bis zu 96 Stunden später. Bei Prämientickets und Upgrades mit minütlich sich ändernden Verfügbarkeiten alles andere als sinnvoll.

Massiv teurer

Die größte Veränderung ergibt sich jedoch bei den Meilenpreisen für Prämientickets. Denn viele Tickets sind 50 bis 70 Prozent teurer geworden. Unverändert geblieben sind die Meilenpreise für die Einlösung bei Partnerairlines. Damit ist es in den meisten Fällen günstiger, seine Meilen bei einem Oneworld-Partner einzulösen als bei Qatar Airways. Wenn zukünftig viele ihre Meilen bei Partnern einlösen, ist das vermutlich auch nicht der gewünschte Effekt.

Ein generelles Problem ist zudem, dass trotz höherer Meilenpreise oft nur Flexi-Prämientickets verfügbar sind. Ein Test für einen Flug in der Business Class von Frankfurt nach Bangkok zeigt: Es waren nur Flexi Awards verfügbar und der Meilenpreis Return: 476.900 Meilen plus 293,73 Euro in Steuern und Gebühren. Das ist absolut rekordverdächtig. Zum Vergleich: Bei Lufthansa Miles & More kostet ein Business Class Flug nach Bangkok 135.000 Meilen und als Senator kann man für das 1,5-fache im Rahmen der Senator Premium Awards sogar fast immer ein Ticket mit Meilen buchen, wenn es eines zu kaufen gibt.

Eigentlich beste Voraussetzungen

Dabei hat Qatar Airways eigentlich die besten Voraussetzungen, auch eine finanziell missliche Situation auszusitzen. Die Airline gehört Qatar, einem der reichsten Länder weltweit. Sie ist das Aushängeschild des Landes und einer der wichtigsten Pfeiler für den Tourismus in dem Land, das 2022 die nächste Fußball WM austragen wird. Weiterhin ist Qatar Airways laut Skytrax die weltbeste Airline 2018 mit der weltbesten Business Class. Letztes Jahr hat man im Sommer die Q Suite auf den Markt gebracht. Für viele das aktuell beste Business Class Produkt weltweit.

Kurzum: Man merkt, dass Qatar Airways sparen muss. Doch aus meiner Sicht, spart man am falschen Ende. Durch eine Abschaffung des Call Centers für den Privilege Club verprellt man insbesondere die zahlungskräftige ältere vielreisende Klientel, die wenig technikaffin ist. Durch zusätzliche Gebühren bei der QSuite, aber auch bei Prämienbuchungen macht man diese weniger attraktiv. Und durch die erheblichen Entwertungen der Meilen, erschwert man nicht nur den Einstieg in das Privilege Programm für neue Kunden, sondern verärgert auch bestehende, loyale Kunden. Hoffen wir, dass das herausragende Bordprodukt gut genug ist, um die neuen Nachteile zu kompensieren.

Alexander Koenig ist freier Kolumnist von aeroTELEGRAPH. Er ist Gründer der Vielfliegerberatung First Class & More. Seit vielen Jahren berät er seine Kunden insbesondere zum Thema optimale Ausnutzung von Meilenprogrammen, um damit den gewünschten Vielfliegerstatus und Freiflüge in Business und First Class zu erhalten. Im First Class & More Blog und auf der zugehörigen Facebook-Seite werden exklusive Flug-, Hotel- und Meilen-Deals präsentiert. Die Meinung der freien Kolumnisten muss nicht mit der der Redaktion übereinstimmen.

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