Letzte Aktualisierung: um 20:24 Uhr

Pink Sparrow

Wenn Verspätungen lebensgefährlich sein können

Privatjets werden im Normalfall von Firmen und Reichen gemietet. Bei den Kunden des österreichischen Businessjetanbieters Pink Sparrow geht es meistens um Leben und Tod. Chef Josef Mörtl erzählt.

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Emmanuell Schawaller/Instagram: @aeromanu

Cessna Citation von Pink Sparrow: An Bord sind meistens Pharmazeutika oder Organe.

Für den oberösterreichischen Unternehmer und Piloten Josef Mörtl war von Beginn an klar, dass er nicht tun wollte, was schon so viele taten. Er wollte mit seiner Businessfluglinie Pink Sparrow nicht einfach ein weiterer Charteranbieter  werden, sondern auf eine Nische setzen. Die fand er in der Medizin.

Ein Vertrag mit dem österreichischen Pharma- und Laborproduktehersteller Iason belohnte Mörtl erstmals so richtig. Mit einem Turbopropflugzeug der Marke Piper Meridian flog er für ihn radioaktiv bestrahlte Medizinprodukte zum Einsatz in der Krebsdiagnostik quer durch Europa. Das Geschäft mit den Produkten, die über eine Halbwertszeit von nur fünf Stunden verfügen, entwickelte sich so gut, dass er bereits nach einem Jahr den ersten Jet in die Flotte integrieren konnte, eine Cessna Citation 525.

Organ- und Pharmaflüge in der Mehrheit

Im Jahr 2014 gelang ihm der Durchbruch nach dem Gewinn einer internationalen Ausschreibung für Transplantateflüge für das Wiener Allgemeine Krankenhaus. Es ist die drittgrößte Transplantationsstation der Welt. Dadurch stieg der Bedarf an Flügen und die Flotte des Unternehmens wurde auf vier Cessna Citation 525 und eine Cessna 560 XLS aufgestockt.

Die Vision von Gründer Mörtl wurde wahr, seine Fluglinie wurde zu einem europaweit bekannten Luftfahrtunternehmen für Spezialcharter. Gerade einmal vierzig Prozent des Pink-Sparrow-Geschäftes entfallen heute auf die Beförderung von Passagieren, während der Transport von Radiopharmaka und Organen mit jeweils 30 Prozent zu Buche schlagen.

aeroTELEGRAPH unterhielt sich mit Josef Mörtl, der in seiner 27-jährigen Pilotenkarriere mehr als 8000 Flugstunden auf verschiedensten Flugzeugmodellen sammeln konnte und im Jahr 2006 einen Flugzeugabsturz in Estland nur knapp überlebte, über die Branche und sein Unternehmen.

Wie sind Sie im Jahr 2011 auf die Idee gekommen, eine Fluglinie zu gründen?
Josef Mörtl: Der Traum vom Fliegen war immer schon da. Als junger Mann wollte ich Pilot werden, zwischen meiner schriftlichen und mündlichen Matura ist für mich aber eine Welt zusammengebrochen, als ich eine Absage von Austrian Airlines für eine Pilotenausbildung erhielt, weshalb ich mich neu orientieren musste.

Bei der Gründung im Jahr 2011 hieß ihr Unternehmen noch White Sparrow, wie kamen Sie auf diesen ausgefallenen Namen?
Alle anderen Fluglinien nehmen für die Namensgebung große Vögel wie Adler, ich dachte mir aber, wir sind ein kleines schlagkräftiges Unternehmen, und da fand ich den Namen White Sparrow bezeichnender. Ein bisschen Understatement sollte schon sein.

Später wurde ihr Unternehmen auf Pink Sparrow umbenannt, warum?
Vor drei Jahren hat sich unser Chefpilot Patrick Strasser für das Red Bull Air Race qualifiziert. Wir haben gemeinsam ein Team aufgestellt und als Sponsor die Firma BWT – Best Water Technology mit der Firmenfarbe Pink gewonnen. Ich habe dann mit dem Besitzer von BWT beschlossen, dass, wenn wir schon weltweit für BWT fliegen, wir doch den gemeinsamen Marketingwert durch eine Umbenennung der Fluglinie von White auf Pink Sparrow nutzen sollten. BWT hat die Kosten für das Umlackieren der Flugzeuge übernommen und inzwischen fallen unsere pinken Flugzeuge in ganz Europa auf.

Hat die Covid-19-Pandemie negative Auswirkungen auf ihr Geschäft?
Im Gegenteil, wir sind gerade am Expandieren. Derzeit suchen wir wieder Piloten, weil wir in den nächsten Monaten zwei weitere Cessna Citation XLS übernehmen wollen. Wir werden noch abwarten, was der Lockdown mit uns macht, aber ich habe keine Bedenken. Ein Problem könnte jedoch die Infrastruktur werden, denn die Flughäfen werden vermutlich ihre Betriebszeiten einschränken. Der Bedarf in der Businessfliegerei wird aber enorm steigen, weil Angebot fehlt und der Businessjet einfach mehr Möglichkeiten bietet.

Für welche Aufgaben benötigen Sie die beiden zusätzlichen Flugzeuge?
Für neue Nischenprodukte, die ich aber noch nicht bekannt geben möchte. Es wird wieder etwas ganz Neues sein, das eher ungewöhnlich ist.

Hat das Geschäft mit den Transplantationsflügen zuletzt zugenommen?
Nein hat es nicht, denn die Transplantationsflüge benötigen Intensivbetten und diese Intensivbetten wurden durch die Pandemie europaweit zurückgefahren, weshalb man nur wenige, unvermeidbare Transplantationen durchgeführt hat. Wir sind während des gesamten Lockdowns Organe geflogen, aber im geringeren Umfang als früher.

Wie darf läuft so ein Transplantationsflug ab?
Wir haben einen 24 Stunden Rufbereitschaft. Im Einsatzfall rufen die Ärzte aus Ljubljana, Budapest, Zagreb, Innsbruck oder Wien bei uns an, werden mit dem Flugzeug von ihrem Standort abgeholt und zum Abholungsort des Organes, das durch das Vermittlungsbüro von Eurotransplant zur Verfügung gestellt wird, geflogen. Die Ärzte entnehmen das Organ selbst und fliegen es in einer Kühlbox mit unseren Jets zu ihrem Patienten in ihr Heimatland.

Und wie viel Vorlaufzeit haben Sie für einen solchen Flug?
Normalerweise zwei bis drei Stunden, bei solchen Aufträgen zählt jede Minute.

Und wie sieht es mit dem Transport von Radiopharmaka derzeit aus?
Diese gehen weiter, sind derzeit aber auch reduziert, weil diese Flüge ein Gesundheitssystem mit entsprechend hohen finanziellen Mitteln belasten. Die Länder, in die wir geflogen sind, wie etwa Italien oder Frankreich, haben unter der Corona-Krise extrem gelitten. Die Frage ist deshalb, wie lange sie sich diese kostenintensive Krebsbehandlung noch leisten werden könne. Wir sind die Einzigen in Europa, die offiziell radioaktive Krebsdiagnostik fliegen dürfen.

Ihre Arbeit ist sicher ganz anders, als mit der High Society nach Ibiza zu fliegen…
Das war grundsätzlich immer mein Albtraum, ich wollte mich nie für Menschen einzusetzen, die meine Arbeit nicht wertschätzen und vielleicht sich auch noch über das Catering beschweren.


Josef Mörtl.           Bild: Martin Dichler



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