Die Kamera untersucht die Temperatur im Gesichtsbereich.

Mit der Wärmekamera entlarvt

Eine neue Technik soll Lügner bei der Grenzkontrolle jetzt auffliegen lassen - indem sie ihre Temperatur analysiert.

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Ein peinliches Erlebnis, eine unangenehme Wahrheit - oder eben auf frischer Tat beim Lügen ertappt werden. Wem das schon einmal passiert ist - und das wird wohl die Mehrheit sein - der kennt auch das Gefühl, wenn plötzlich alles Blut ins Gesicht zu schießen scheint, es wird einem warm. Wer Pech hat und dazu neigt wird im schlimmsten Fall knallrot. Diese Reaktion des Körpers könnten Sicherheitskräfte an britischen Flughäfen bald nutzen, um bei Befragungen zu erkennen, ob das Gegenüber lügt.

An der University of Bradford haben Forscher einen Lügendetektor entwickelt, der durch eine Thermalanalyse erkennt, ob eine Person die Wahrheit sagt. Vor allem, wenn Personen in einer Verhör-Situation spontan eine Lüge erfinden, steigt die Gehirnaktivität. Das sorgt dafür, dass eine Spezial-Wärmekamera erkennen kann, wenn sich in der Folge etwas an der Körpertemperatur ändert. Vor allem in der kleinen Umgebung um die Augen seien solche Temperaturunterschiede deutlich erkennbar. Das stellt laut den Forschern eine revolutionäre Änderung gegenüber bisherigen Polygrafen-Tests dar, bei denen die Befragten erst einmal komplett verkabelt werden müssen. Rein theoretisch könnte man die Kamera-Methode auch anwenden, ohne dass der Befragte es überhaupt merkt.

Auch der Gesichtsausdruck unter der Lupe

Einen Haken hat die Wärmebasierte Methode aber: Viele Menschen werden in einer Verhörsituation so nervös, dass sich allein davon die Temperatur schon ändert. Aus diesem Grund kommt bei der neuen Methode noch eine zweite normale Kamera zum Einsatz. Diese nimmt das Gesicht des Verhörten auf. Ein Computerprogramm analysiert dann die Gesichtsausdrücke während des Verhörs basierend auf einer Methode der amerikanischen Psychologen Paul Ekman und Walter V. Friesen.

Ein speziell für die Befragungssituation kreierter Algorithmus errechnet dann aus allen gesammelten Informationen die Wahrscheinlichkeit, dass das Gegenüber die Wahrheit sagt. Bisherige Tests haben gemäß den Forschern eine Trefferquote von zwei Dritteln erreicht. Man rechnet aber damit, sie auf 90 Prozent zu erhöhen. Da aber kein Lügendetektor hundertprozentig akkurat sein kann, wird auch diese Methode nicht dazu da sein, Verdächtige allein wegen des Ergebnisses zu verurteilen. Am besten funktioniert sie, wenn man die Daten eines Reisenden hat, wenn er vollkommen entspannt ist. Hassan Ugail, Professor am Center for Visual Computing an der Universität in Bradford, nennt als Beispiel die Situation, in der ein Passagier, der in die USA reist, vor dem Flug Routinefragen gestellt bekommt, die keinen Anlass zur Nervosität bieten. Die Ergebnisse könnten dann bei der Befragung nach Ankunft als Basis verwendet werden.

Die britischen Behörden wollen die neue Technik nun an einem Flughafen testen. Wann, wo und wie genau das stattfinden soll ist aber noch nicht bekannt. Man hofft, damit die bestehenden Profiling-Methoden, die bei der Grenzkontrolle eingesetzt werden, zu ergänzen.

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