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Die Klassen der Zukunft

Premium Economy ist nicht genug. Künftig müssen Airlines viel mehr bieten als nur vier Klassen, glauben Experten.

Weiße Decke und Silberbesteck? In Zukunft braucht es mehr, um Tickets für höhere Preise zu verkaufen.

Immerhin. Mit der Premium Economy haben Lufthansa, Air France und Co. nach Jahren ohne Innovationen in diesem Bereich eine neue Klasse eingeführt. Sie soll eine neue Passagiergruppe bedienen, die komfortliebend aber trotzdem sparsam ist. Und genau solche Innovationen werden für die Fluggesellschaften in Zukunft wichtiger, wenn sie sichere Gewinne einfahren wollen. Das prognostiziert Devin Liddell, Marketingspezialist des Beratungsunternehmens Teague.

Premium Economy ist dabei noch lange nicht genug. Laut Liddell erwarten die Passagiere im Flugzeug der Zukunft viel mehr. «Wir müssen die Klassen komplett überdenken», erklärte er anlässlich der Passenger Experience Conference in Hamburg. «Und zwar auch unabhängig von Sitzbreite und Beinfreiheit».

«Es gibt eine Have-not-Klasse»

Das Problem, so Liddell, sei eigentlich simpel. Momentan sei die Economy so etwas wie eine Have-not-Klasse. Der Name sei im Grunde mehr als unglücklich gewählt. Stattdessen könne man mehrere Have-Klassen entwerfen. Ein Beispiel sei die Innovation Class der amerikanischen Fluggesellschaft Delta. Hier zahlt man etwas mehr, dafür wird der Flug zum Networking-Anlass. Passende Menschen werden nebeneinander gesetzt, zusammengebracht durch ihre Linkedin-Profile. Einen ähnlichen Ansatz wählte KLM mit ihrem Social-Seating-Angebot, bei dem man sich via Facebook mit potenziellen Sitznachbarn vernetzen kann. Die Amerikaner gingen nun einen Schritt weiter.

«Wichtig wird auch die Erreichbarkeit», so Loddell weiter. «Warum also nicht eine Internet-Klasse einführen, in der der Gebrauch aller Geräte erlaubt ist und es W-Lan für alle gibt?» Weiter schlägt er eine Kino-Klasse für Filmliebhaber vor – mit allen aktuellen Kassenschlagern. Sogar eine Platz-im-Gepäckfach-Klasse oder eine Alkohol-Klasse seien vorstellbar.

Airlines tüfteln

Airlines zeigen sich an Liddells Vorschlag interessiert. «Wir tüfteln schon lange daran, wie man so ein Konzept umsetzen kann» erklärt ein Manager einer großen europäischen Airline gegenüber aeroTELEGRAPH. Herausforderungen seien die Lösung was die Platzverteilung angeht und wie man etwa lautere Klassen von ruhigeren trennen könne.

Cathay Produktmanager Toby Smith sieht gerade was Internet-Angebote betrifft noch Probleme – allerdings nicht seitens der Branche. «Problematisch ist immer, dass die Behörden dem ganzen noch zustimmen müssen. Gerade bei Bordelektronik kann sich das Hinziehen.» Cathay sitzt in Hong Kong. Anders als EU- oder US-Behörden ist dort die Nutzung von Mobiltelefonen an Bord noch nicht immer erlaubt.



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