Carsten Spohrs neue Strategie: Mit Billigtöchtern soll die Lufthansa auf dem umkämpften Markt mithalten können.

Gemeinsam mit Turkish Airlines?Lufthansa plant Interkontinental-Billiglinie

Die Lufthansa will «preissensible Private» für sich gewinnen und erweitert ihr Billigangebot: Ab 2015 soll eine Billigtochter auch Langstreckenflüge anbieten.

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Der neue Lufthansa-Chef Carsten Spohr hat vor zwei Monaten sein Amt angetreten. Nun ließ er sich in die Karten schauen, was er bei der Kranich-Airline so vor hat - nämlich viel Neues: Die WINGS-Töchter, darunter auch Germanwings, sollen zusammengeführt werden und die Billigtochter Eurowings soll ausgebaut werden, verkündete Spohr auf einer Pressekonferenz bei Frankfurt. Für den innereuropäischen Verkehr muss dafür die Flotte komplett umgerüstet werden: Die CRJ-Jets werden durch Airbus A320 ersetzt, geplant ist eine Kapazität von bis zu 23 Maschinen. Der Launch ist für das kommende Frühjahr geplant.

Das Angebot außerhalb Deutschlands wird als erstes auf Basel erweitert. Hier sollen zwei bis vier zusätzliche Airbus A320 stationiert werden. Der Start ist auch hier für Anfang 2015 geplant. Eurowings verdrängt dabei die Swiss vom Standort Basel: Die Lufthansa-Tochter wird sich von dort zurückziehen. «Darauf haben wir uns gemeinsam mit der Swiss geeinigt», erklärte Spohr. Genf und Zürich bleiben dabei Swiss-Standorte. Eurowings wird in Basel in direkte Konkurrenz mit dem Billigflieger Easyjet treten.

Kooperation mit Turkish Airlines?

Auch interkontinental will die Lufthansa «preissensible Privatreisende» für sich gewinnen. Unter dem WINGS-Dach soll eine «wettbewerbsfähige Plattform» entstehen. Dabei könnte die Lufthansa einen Partner mit an Bord holen: Die Gespräche mit Turkish Airlines seien bereits fortgeschritten, erklärte die deutsche Airline. Das neue Projekt soll bereits im Winter 2015 schrittweise mit bis zu sieben Flugzeugen starten. Noch ist nicht klar, ob es Boeing 767 oder doch A330 sein werden. Erst im vergangenen Jahr waren Gespräche zwischen der Lufthansa und Turkish Airlines gescheitert. Man munkelte nach dem Chefwechsel bei den Deutschen, dass eine Partnerschaft nun wieder möglich sein könnte.

Gleichzeitig wird bis zum Frühjahr 2015 die Übernahme dezentraler Lufthansa-Strecken durch Germanwings abgeschlossen sein. Deren Flotte wird dafür auf bis zu 60 Flugzeuge ausgebaut - weniger als ursprünglich geplant. Zugleich prüft der Konzern, inwieweit bis zu neun A340 zu deutlich niedrigeren Stückkosten auf neuen Strecken oder auf von Streichung bedrohten Strecken eingesetzt werden können. Wie genau die neuen Plattformen und Formate auf längere Sicht ausgebaut werden, hänge letztlich von deren Markterfolg beziehungsweise von deren Profitabilität ab, so die Lufthansa.

Lufthansa will Vorreiter auf dem Markt werden

«Mit Nachdruck» arbeite die Lufthansa an der Vertiefung bilateraler Partnerschaften mit anderen Airlines, erklärte Spohr weiter. Die kürzlich beschlossene Zusammenarbeit mit Air China im Bereich Technik und Passagiergeschäft soll noch enger werden. Erklärtes Ziel sei ein Joint Venture.

Ob der neue Billig-Kurs der Lufthansa Erfolg haben wird, bleibt abzuwarten. Airline-Chef Spohr sieht sich selbst als Innovator: «Wir wollen nicht zu den Getriebenen, sondern zu den Treibern der Veränderungen in der Luftfahrtbranche gehören. Das erfordert mutige Schritte nach vorne - der Markt erlaubt keine Halbherzigkeiten.»

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