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Verspätete Erstattungen

Lufthansa muss in den USA Millionen-Strafe zahlen

Das amerikanische Verkehrsministerium hat Lufthansa zu mehr als einer Million Dollar Strafe verdonnert. Der Grund: «extreme Verzögerungen» bei Erstattungen an Fluggäste.

Schon im November 2022 griff das amerikanische Verkehrsministerium gegen sechs Fluggesellschaften durch. Weil sie sich bei Erstattungen für annullierte oder erheblich geänderte Flüge zu viel Zeit ließen, mussten Frontier Airlines, Air India, Tap, Aeromexico, El Al und Avianca nicht nur die Erstattungen leisten, sondern auch Strafen zahlen.

Jetzt trifft es unter anderem auch die größte deutsche Fluggesellschaft. «Heute hat das US-Verkehrsministerium (DOT) Durchsetzungsmaßnahmen gegen Lufthansa, South African Airways und KLM Royal Dutch Airways wegen extremer Verzögerungen bei der Auszahlung von über 900 Millionen US-Dollar an Rückerstattungen an Fluggäste angekündigt aufgrund von Flügen, die als Reaktion auf die Auswirkungen der Covid-19-Pandemie annulliert oder erheblich geändert wurden», teilt das Ministerium am Montag (3. Juni) mit.

Lufthansa mit meisten Rückerstattungen

«Wenn ein Flug annulliert oder erheblich geändert wird, sollten Sie nicht mit der Fluggesellschaft um Ihr Geld kämpfen müssen», sagte Verkehrsminister Pete Buttigieg. «Und wir ziehen Fluggesellschaften zur Verantwortung, wenn sie Passagieren nicht die ihnen zustehenden Rückerstattungen gewähren». Lufthansa, KLM und South African Airways müssen nun insgesamt 2,5 Millionen Dollar zivilrechtliche Strafen zahlen aufgrund der «extremen Verzögerungen» bei der Rückerstattung an die Fluggäste.

Auf Lufthansa entfallen 775 Millionen Dollar an erforderlichen Rückerstattungen und eine Strafe von 1,1 Millionen Dollar. Bei KLM stehen 113,3 Millionen Dollar an Rückerstattungen zu Buche sowie eine Strafe in Höhe von ebenfalls 1,1 Millionen Dollar. Bei South African sind es 15,2 Millionen Dollar Rückerstattungen und 300.000 Dollar Strafe.

Erstattungen schon gezahlt, Strafe zur Hälfte

«Ein Großteil der verhängten Geldbußen wird in Form von Zahlungen an das US-Finanzministerium eingezogen, der Rest wird auf der Grundlage von Zahlungen an Passagiere gutgeschrieben, die über die gesetzliche Verpflichtung hinausgehen», erklärt das Verkehrsministerium und betont: «Die Bestimmungen der endgültigen Regelung zur Rückerstattung von Flugtickets wurden durch den FAA Reauthorization Act von 2024 (Public Law 118-63) gestärkt, den Präsident Biden am 16. Mai 2024 unterzeichnete.»

Lufthansa erklärt gegenüber aeroTELEGRAPH, man habe die 775 Millionen Dollar an Erstattungen bereits vollständig bezahlt. «Lufthansa hat alle Erstattungen vorgenommen, zu denen wir verpflichtet waren», so einer Sprecherin der Fluggesellschaft. «Die vom DOT sanktionierte zeitliche Auszahlungsverzögerung ist allein auf das historisch einmalige Ausmaß an Erstattungen während der Covid-Pandemie zurückzuführen.»

Regierung hat Zügel für Airlines angezogen

Die Strafe hat Lufthansa bisher zur Hälfte getilgt, die zweite Hälfte muss in den kommenden 30 Tagen folgen. «Die Buße weicht im Vergleich mit anderen Airlines in den USA nicht vom Maßstab des DOT ab», betont die Sprecherin der deutschen Fluglinie.

2022 hatte das DOT das Portal Flightrights.gov geschaffen, um Fluggästen zu erklären, was ihnen zusteht, wenn eine Verspätung oder Annullierung innerhalb der Kontrolle der Fluggesellschaften liegt, und um Standards zu schaffen, die das Ministerium durchsetzen kann. Im April 2024 hat es außerdem eine Partnerschaft mit Generalstaatsanwälten geschlossen, um die Überprüfung von Verbraucherbeschwerden zu beschleunigen.