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Polen will Lot loswerden

Lot verliert viel Geld. Die Regierung in Warschau legte eine Gesetzesvorlage vor, die einen Komplettverkauf der Nationalairline möglich macht.

Lot

Dreamliner von Lot: Das Flugzeug macht der Airline Sorgen.

Donald Tusk ärgert sich über die Nationalairline. «Wenn wir nicht immer mehr Geld in dieses Fass ohne Boden schaufeln wollen, dann bleibt die Privatisierung die einzige realistische Option», sagte Polens Premierminister vergangenene Woche laut der Nachrichtenagentur AFP. Ende des Jahres musste er der Fluggesellschaft mit einer weiteren Finanzspritze von rund 240 Millionen Euro aushelfen. Die Europäische Union untersucht inzwischen, ob die Hilfen im Rahmen des Gesetzes überhaupt erlaubt waren. Ärger über Ärger. Nun hat die Regierung unter Tusk genug davon und will Lot verkaufen – und zwar ganz.

Im vergangenen Jahr schrieb die polnische Fluglinie 28 Millionen Euro Verlust. Und das, nachdem Lot eigentlich einen Gewinn von rund 12 Millionen erwartet hatte. Sie steht vor einem drastischen Restrukturierungsprogramm, doch auch das läuft nicht nach Plan. Die polnische Airline setzt für ihre Langstreckenflotte auf Boeings Dreamliner. Doch die gesamte Flotte des effizienten Jets bleibt seit Januar am Boden. Auch wenn er bald wieder abhebt, Lot verliert durch das Grounding 55’000 Dollar am Tag. Acht Stück hatte Lot bestellt, um die Flotte von 35 Fliegern aufzuwerten.

Neue Gesetzgebung

Polens Regierung hat nun genug und verabschiedete letzte Woche ein Gesetz, wonach ein Verkauf der Mehrheitsbeteiligung möglich ist. Momentan hält die Regierung rund 68 Prozent. Bisher musste sie immer mindestens 51 Prozent halten, nun kann Lot aber auch vollständig in private Hände gehen. Den Komplettverkauf knüpft Polen an konkrete Bedingungen. So muss die Nationalairline etwa ihren Namen behalten.

Auch das Drehkreuz Warschau müsse ein potenzieller neuer Eigentümer erhalten. Am Frederyk Chopin Airport macht Lot 45 Prozent des gesamten Flugverkehrs aus. Das Unternehmen beschäftigte Ende 2012 2063 Angestellte. Nach EU-Gesetz muss der neue Eigner selbst aus der EU stammen. Doch diese Rechtssprechung können Firmen umgehen, indem sie eine Tochterfirma in der Union ansiedeln.

Schlechte Erfahrungen

Bleibt zu hoffen, dass die Privatisierung dieses Mal besser läuft als 1999. Damals akquirierte die Swissair 37,6 Prozent an Lot und sicherte sich eine Optionen auf die Mehrheit. Doch als die Schweizer Nationalairline pleite ging, war Polens Regierung gezwungen, sich die Anteile zurück zu kaufen.



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