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«Ryanair ging zu weit»

Die irische Billigairline stoße an Grenzen und müsse sich darum ändern, sagt Experte Philip Nolan im Interview. Ryanair werde dadurch immer normaler.

Philip Nolan/Ryanair

Philip Nolan: «Ryanair ….»

strong>Zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten gab Ryanair nun bekannt, die Ziele zu verfehlen. Das ist völlig neu. Was ist bloß los mit der einst so erfolgsverwöhnten Fluggesellschaft?
Philip Nolan*: Ja, das ist wirklich neu für ein Unternehmen, das bisher kontinuierliches Wachstum kannte. Ich bin kein Branchenanalyst, doch hier sind sicherlich gleichere mehrere negative Faktoren am Wirken. Das schwache Pfund, die steigenden Treibstoffkosten und sinkende durchschnittliche Ticketpreise – das ist ein gefährlicher Mix.

Es ist nicht das erste Zeichen, dass sich etwas ändert. Im September kündigte Ryanair einen stärkeren Fokus auf die Kunden an. Die Airline will plötzlich nett sein.
Die Konkurrenz von Aer Lingus und Easyjet spielt sicher eine Rolle. Die Verbraucher haben einfach genug von minimalem Service wie etwa der freien Sitzwahl. Sie wollen die Möglichkeit haben, ihren Sitz im Voraus zu reservieren. Deshalb führte das Ryanair nun auch ein. Hinzu kommt, dass es zum ersten Mal Druck von Aktionären bezüglich des schlechten Images gibt.

Ging Ryanair mit dem Konzept der Billigairline zu weit?
Ja. Vieles wurde zwar schon verbessert, etwa eine transparentere Preisgestaltung. Doch wenn eine Familie in den Sommerurlaub fliegt und alleine für das Gepäck 400 Pfund zahlen muss, dann ist das nicht mehr gut. Die Kunden beginnen zu sehen, dass Billigtickets nicht wirklich billig sind.

Aber warum ging denn die Strategie mit den ultratiefen Preisen so lange auf?
Sie war ganz einfach neu. Die europäischen Fluggesellschaften hielten die Preise als Kartell jahrzehntelang hoch. Da kam Ryanair genau richtig. Die Menschen haben ein Interesse an Orte zu fliegen, die sie noch nie gesehen haben. Und Ryanair machte ihnen dies plötzlich möglich. Die Migration half auch. Für Einwanderer wurde es plötzlich möglich, billig nach Hause zu fliegen. Auch Menschen im Norden, die sich Häuser im Süden kauften, konnten so billig hin- und herpendeln. Doch diese Trends schwächen sich alle langsam ab, auch wegen der Eurokrise.

Ryanair, das ist auch Michael O’Leary. Seine Blödel-Interviews sind legendär. Ging auch er zu weit – braucht Ryanair einen neuen Chef?
O’Leary hat so viele Feinde wie Bewunderer. Viele bewundern ihn, weil er die Monopole knackte. Doch wie immer in solchen Fällen muss man aufpassen, nicht so zu werden, wie die, die man früher bekämpfte. Das ist nun O’Learys Herausforderung. Ich glaube aber nicht, dass Ryanair einen neuen Chef braucht. Aber Ryanair braucht einen weniger sichtbaren Chef.

Immer wieder sprach Ryanair davon, auch Langstrecken anzubieten. Sind diese Pläne noch realistisch, jetzt wo es der Airline nicht mehr so rund läuft?
Ich glaube nicht, dass Ryanair je Interkontinentalrouten anbieten wird. Der Nordatlantikmarkt ist hochkompetitiv.

In welche Richtung wird sich Ryanair nun entwickeln? Easyjet etwa wird zunehmend zur «normalen» Fluglinie. Folgt nun Ryanair?
Dieser Richtungswechsel ist bereits in Gange. Zuerst war da die Möglichkeit der Sitzplatzreservation, dann kamen die gratis Umbuchung innerhalb von 24 Stunden, eine verbesserte Webseite und ruhige Morgen- und Abendflüge hinzu. Ryanair ändert sich.

* Philip Nolan ist Reisejournalist und verfolgt Ryanair seit Jahrzehnten. Er ist Autor des Bestsellers «Ryanland, A No-frills Odyssey Across the New Europe».



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