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Interview mit Arno Schuster von Adria Airways

«Führen Gespräche über Erweiterung der Flotte»

Adria Airways ist neue Besitzerin der Regionalairline Darwin. Im Interview erklärt Chef Arno Schuster, was er mit ihr vorhat, wie er mehr Passagiere gewinnen will und weshalb er die Flotte erweitert.

Adria Airways

Arno Schuster: «Erste Priorität hat nun für uns, diese neue, erweiterte Gruppe erfolgreich aufzustellen».

Adria Airways setzt künftig vermehrt auf Barzahlung, indem Kunden Tickets bei Einzelhändlern an der Kasse bezahlen können. Warum?
Arno Schuster*: Wir schauen uns immer nach neuen Möglichkeiten um, unseren Vertrieb zu stärken. Wir sind da schon gut aufgestellt. Wir sehen aber auch einen Trend, dass immer mehr verschiedene Zahlungsmöglichkeiten gefordert werden. Je nach Land bestehen da unterschiedliche Bedürfnisse. Mit dem neuen Angebot können wir in gewissen traditionelleren Märkten unseren Kunden noch besser entgegenkommen.

Solche Innovationen sind eine Möglichkeit, sich zu differenzieren. Doch wie will sich Adria Airways sonst von den anderen Fluglinien in Ex-Jugoslawien und Südeuropa abheben?
Adria Airways gibt es seit 56 Jahren. So konnten wir bei unseren Kunden ein Vertrauensverhältnis aufbauen. Die Slowenen betrachten uns als ihre Fluggesellschaft. Sie fühlen sich mit uns verbunden.

Das betrifft aber nur die Slowenen…
Wir unterscheiden uns durch Komfort – und können so weit über die Landesgrenzen hinweg punkten. Da sind einmal unsere bequemen Jets mit 2-2-Bestuhlung sowie die gut abgestimmten Abflugszeiten, die uns attraktiv machen. Wir arbeiten seit einiger Zeit auch daran, die Umsteigezeiten an unserem Drehkreuz Ljubljana zu verkürzen. Wir haben sie bereits von 120 auf rund 48 Minuten heruntergedrückt. Das kommt vor allem bei Businessreisenden gut an. Wir haben mit dem Flughafen Ljubljana ganz allgemein einen großen Vorteil. Er ist klein und übersichtlich. Hier kann man gleich vor dem Terminal parken und in 15 Minuten ist man normalerweise am Gate. Das ist ein riesiger Vorteil.

Inwiefern?
Wir merken, dass unser Einzugsgebiet dank der Verbesserungen wächst. Es reicht etwa zwei Stunden Autofahrt in alle Richtungen, also nach Kroatien, Italien und Österreich. Weil man am Flughafen Ljubljana so schnell ist, lohnt sich eine längere Autofahrt – man holt sie am Flughafen mehr als wieder auf.

Der Flughafen Ljubljana hat ganz allgemein einen großen Vorteil. Er ist klein und übersichtlich.

Wer sind denn ihre wichtigsten Kunden?
Wir bedienen ein breites Segment. Da sind einmal die vielen sehr treue Businesskunden aus der Region. Hinzu kommen die klassischen Urlaubsreisenden, die nach Europa reisen oder zu uns nach Slowenien. Das klassische Liniengeschäft ist aber nur ein Standbein. Daneben führen wir im Sommer Charterflüge für nationale Reiseveranstalter durch, etwa nach Griechenland. Und zudem bauen wir als dritten Pfeiler das Wet-Lease-Geschäft aus.

Sie haben zwar ihre Ergebnisse letztes Jahr verbessert. Trotzdem schreibt Adria Airways betrieblich immer noch Verlust.
Im ersten Jahr nach dem Besitzerwechsel haben wir die Kosten gesenkt und die Einnahmen erhöht. Dadurch haben wir die Stabilität von Adria Airways erhöht. Wir glauben, dass wir nun eine gute und sichere Basis haben, um die Resultate weiter zu verbessern. Eine Möglichkeit dazu ist der Ausbau des Streckennetzes. Wir merken, dass sich unsere Kunden eine größere Auswahl wünschen. Eben haben wir beispielsweise Kiev neu in den Flugplan aufgenommen. Weitere neue Ziele werden kommendes Jahr hinzukommen. Wir haben hier auch einen großen Vorteil. Slowenien liegt in Europa sehr zentral. Unsere Flüge dauern alle zwischen einer und eineinhalb Stunden. Das mach Umsteigen In Ljubljana für viele Kunden attraktiv.

Ihre Flugzeuge sind aber noch immer nicht gut gefüllt. Letztes Jahr waren sie nur zu 66 Prozent voll.
Wir beobachten jeden Monat eine steigende Auslastung. Wir sind darum sehr zuversichtlich. Sie müssen auch sehen, dass Adria Airways auf vielen bestehenden Strecken die Frequenzen erhöht hat – etwa nach Amsterdam, Moskau, Wien oder Zürich. Das drückt die Auslastung natürlich zuerst nach unten. Aber es macht uns bei Geschäftskunden attraktiver. Wenn wir die Buchungen für Oktober anschauen sind wir sehr zufrieden. Der Trend zeigt weiter nach oben.

Vergangenes Jahr hat Adria Airways zwei Flugzeuge verkauft. Wäre es möglich, dass die Flotte weiter reduziert wird?
Zunächst war es keine Reduktion, da wir die kleineren Flieger durch größere Bombardier CRJ 700 ersetzt haben. Wir glauben, dass unsere Flotte jetzt eine gute Größe hat. Unsere CRJ700 und CRJ 900 sowie die Airbus A319 sind zudem ideal, um sowohl Linien- als auch Charterflüge durchführen zu können. Eine Reduktion ist also kein Thema. Wenn schon wird es in die andere Richtung gehen. Wir führen bereits Gespräche über eine Erweiterung der Flotte.

Was wollen Sie mit den zusätzlichen Flugzeugen tun?
Zum einen geht es darum Frequenzen zu erhöhen und wie erwähnt das Streckennetz zu erweitern. Zum anderen sehen wir gerade eine starke Nachfrage nach unseren Wet-Lease-Diensten. Zuletzt haben wir da einen Auftrag von Austrian Airlines gewinnen können. Die Airlines schätzen unsere Flexibilität und Zuverlässigkeit und wissen, dass wir einen guten Service bieten, der dem ihren entspricht. Wir sind nicht einfach eine unbekannte Fluglinie, sondern eine anerkannte Airline in der Star Alliance. Uns hilft das Wet-Lease-Geschäft, die Flotte übers ganze Jahr gesehen besser auszulasten. Hier werden wir in den kommenden Monaten und Jahren sicherlich stark wachsen.

Wir sehen gerade eine starke Nachfrage nach unseren Wet-Lease-Diensten.

Denken Sie da primär an andere Fluggesellschaften aus der Star Alliance?
Wir bekommen von überall Anfragen. Die Lufthansa-Gruppe ist für uns aber sicherlich ein spezieller Partner. Wir kennen uns schon lange. Es gibt ein Vertrauensverhältnis.

Ihr Eigentümer 4 K Invest kaufte kürzlich die Schweizer Regionalairline Darwin Airline, die früher als Etihad Regional flog, und legt sie mit Adria Airways zusammen. Was bringt das Ihnen?
Wir sehen in Darwin eine perfekte Ergänzung für uns. Die Flotte reicht dann von den 140-plätzigen A319 bis zu den 50-plätzigen Saab 2000. Wir sind damit im Liniengeschäft viel flexibler. Wir haben nun für jede Nachfragesituation das richtige Flugzeug. Genauso können wir im Wet-Lease-Markt besser auftreten, weil wir jetzt für jeden Bedarf ein passendes Flugzeug haben.

Ist das auch der Grund, weshalb Darwin nun als Adria Airways Switzerland auftritt?
Adria Airways ist eine starke, traditionsreiche Marke. Zudem ist es sicher ein Vorteil, einheitlich auftreten zu können – nicht nur wenn wir Flieger untereinander austauschen, sondern auch im Marketing.

Sonst gibt es aber noch keine Berührungspunkte. Denken Sie daran, die Darwin-Basen Lugano und Genf mit Adria Airways anzufliegen, um die beiden Streckennetze zu verbinden?
Das ist etwas, was wir uns gerade anschauen. Wenn es unser gesamtes Streckennetz stärkt, dann werden wir es tun.

Sie haben mit 4K Invest eine Finanzfirma als Eigentümer. Viele Regionalfluggesellschaften suchen nach einem strategischen Partner aus der Branche. Wäre eine Integration in eine größere Airline-Gruppe für Sie ein möglicher nächster Schritt?
Derzeit steht für uns primär das Wachstum von Adria Airways im Vordergrund. Wir haben schwierige Zeiten hinter uns. Jetzt ist die Entwicklung sehr positiv, das Unternehmen ist auf einem sehr stabilem Weg. Zusammen mit Darwin bieten sich uns nun noch mehr Chancen. Erste Priorität hat nun für uns, diese neue, erweiterte Gruppe erfolgreich aufzustellen und auf einen Wachstumspfad zu führen.

* Arno Schuster ist seit der Übernahme von Adria Airways durch das deutsche Finanzunternehmen 4K Invest im Januar 2016 Chef der slowenischen Nationalairline. Zuvor hatte er für 4K gearbeitet und dabei viele Restrukturierungen in diversen Branchen begleitet. Schuster studierte an der Universität Wien und machte dort auch seinen Doktortitel in Sozial- und Wirtschaftswissenschaften.



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