Cockpit einer 737 Max: Bald mehr Redundanzen.

Funktion des MCASInterner Chat über 737 Max bringt Boeing in Bedrängnis

Mitarbeiter schrieben sich bereits 2016 Nachrichten über Fehlfunktionen des umstrittenen Systems MCAS, das einen Sturzflug der Boeing 737 Max einleiten kann. Das bringt den Flugzeugbauer in Erklärungsnot.

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Es ist eine kurze Konversation unter guten Arbeitskollegen. Und sie ereignete sich bereits im Jahr 2016. Doch als sie am Freitag (18. Oktober) publik wurde, sandte sie den Aktienkurs von  Boeing in den Sinkflug und brachte den Flugzeugbauer in einer weiteren Angelegenheit in Erklärungsnot.

Die Flugsicherheitsbehörde Federal Aviation Administration FAA nennt den Chat «besorgniserregend». Sie verlangt eine «sofortige Erklärung» von Boeing – über den Inhalt, und darüber,  dass der Konzern die Dokumente offenbar erst mit einigen Monaten Verspätung zur Verfügung stellte. Konkret handelt es sich um eine Unterhaltung, die der damalige technische Chefpilot von Boeing mit einem weiteren Piloten nach einem harten Arbeitstag per Chat führte.

MCAS spielte im Simulator verrückt

Der Chefpilot erklärte in dem Chat, den die Nachrichtenagentur Reuters veröffentlichte, dass er gerade einen «eiskalten Grey Goose» - also einen Wodka - trinke. Danach werde er ein paar böse Emails verfassen. Der Feierabenddrink ist aber nicht das Kompromittierende. Der Pilot beginnt dann, etwas zu thematisieren, was in den aktuellen Ermittlungen um die beiden Abstürze von Boeing 737 Max im Zentrum steht: Das Maneuvering Characteristics Augmentation System, kurz MCAS.

Eigentlich war das MCAS als Sicherheitsfunktion in den neuen Flieger integriert worden, um einen Strömungsabriss zu verhindern. Doch wird das System mit fehlerhaften Daten gefüttert, kann es die Nase des Fliegers nach unten drücken und einen Sturzflug einleiten – so geschehen bei den Abstürzen von Lion Air und Ethiopian. Die Piloten hatten nur wenige Sekunden Zeit, die Katastrophe zu verhindern.

Nichts gewusst

Und offenbar war das Problem nicht unbekannt, wie nun aus dem Chat klar wird. Das MCAS habe im Simulator verrückt gespielt, so der technische Chefpilot zu seinem Kollegen. Auf 4000 Fuß habe das Flugzeug plötzlich angefangen, wir verrückt zu korrigieren. Selbst wenn er ein schlechter Pilot gewesen wäre, wäre das «ungeheuerlich» gewesen, erklärt er weiter.

Was er damit wohl meint: Ein schlechter Pilot wäre verloren in so einer Situation. Sein Arbeitskollege erklärt, dass er Ähnliches erlebt habe, und fügt an: «Ich glaube, das ist nicht richtig so.» Der technische Chefpilot ist sichtlich empört, dass er über die mögliche Fehlfunktion nichts wusste. Die anderen Testpiloten hätten ihn und sein Team außen vorgelassen.

«Ich habe praktisch die Behörden belogen»

«Sie sind alle so beschäftigt, weil sie so unter Druck seitens des Programms stehen», erklärt sein Kollege. Es ist aber vor allem ein Satz, der Boeing ziemlich schaden könnte. Er fällt, als es darum geht, dass Anpassungen am System nötig sein könnten.  «Ich habe praktisch die Aufsichtsbehörden angelogen (unwissend)», schreibt der technische Chefpilot.

Sein Kollege beruhigt ihn. Es sei keine Lüge, schließlich habe ihn niemand aufgeklärt, dass das System so verrückt spiele. Worüber genau gelogen wurde, wird allerdings nicht spezifiziert. Diese Nachrichten sind der erste öffentlich zugängliche Beweis, dass sich das System fehlerhaft verhielt, bevor der Flieger an Kunden ausgeliefert wurde.

Boeing: Kooperieren bei Aufklärung

Boeing bestätigte, dass man Nachrichten von Ex-Mitarbeitern an die Behörden weitergeleitet habe. Man kooperiere weiterhin bei der Aufklärung, so der Flugzeugbauer laut dem Nachrichtensender CNN. Für Konzernchef Dennis Muilenburg wird die anstehende Anhörung vor dem Kongress dadurch nicht angenehmer.

Ende Oktober wird er sich den Fragen der Abgeordneten stellen müssen. Bei Boeing wurde Muilenburg kürzlich bereits degradiert. Ihm wurde das Amt als Aufsichtsratspräsident entzogen.

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