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Weniger Flieger, weniger Personal

Helvetic reduziert Flotte und Sitzplätze pro Flugzeug

Die Wet-Lease-Anbieterin spürt die sinkende Nachfrage der Hauptkundin Swiss. Doch in einem Bereich verspürt Helvetic Airways sogar eine steigende Nachfrage.

aeroTELEGRAPH

E190 von Helvetic Airways: Die Flotte wird verkleinert.

Selbst große Fluggesellschaften haben wegen der Buchungsrückgänge durch die Angst vor dem Coronavirus und zunehmende Einreisebeschränkungen zu kämpfen. Die Lufthansa-Gruppe streicht das Angebot um 70 Prozent zusammen und muss sparen. Das spürt auch eine kleine Schweizer Regionalairline: Helvetic Airways. Sie erwirtschaftet einen großen Teil ihres Umsatzes mit Wet-Lease-Aufträgen – also  der Vermietung von Flugzeugen und Besatzungen an andere Fluglinien.

Die größte Kundin: Lufthansa-Tochter Swiss. Ein Großteil der Flotte von Helvetic ist eigentlich für die Schweizer Lufthansa-Tochter unterwegs. Eigentlich. Man spüre den Rückgang der Flüge von Swiss «deutlich», so ein Sprecher der Fluggesellschaft. Geparkt werden derzeit aber noch keine Helvetic-Jets. Die kleine Fluggesellschaft versucht, den geringeren Bedarf über die Flottenplanung aufzufangen. Denn sie befindet sich mitten in einer Erneuerung des Flugzeugparks mit Embraer E190-E2.

Weniger Flugzeuge im Sommer

Zwölf Flieger aus Brasilien haben die Schweizer in Brasilien bestellt. Nummer vier bis sieben sollten eigentlich in diesem Frühjahr in Zürich eintreffen. Das will Helvetic Airways wegen der Corona-Krise über eine längere Zeit verteilen. Man befinde sich deswegen in Gesprächen mit Embraer, so der Sprecher.

Gleichzeitig wird eine Embraer E190, deren Rückgabe ohnehin geplant war, etwas früher ausgeflottet. Damit will Helvetic es schaffen, dass statt wie bisher geplant 15 bis 16 in diesem Sommer nur 13 Flugzeuge im Einsatz sind. Das sind aber immer noch zwei mehr als vor Jahresfrist.

Auch Kündigungen

Auf den noch durchgeführten Flügen reduziert die Fluglinie zudem die Anzahl der buchbaren Sitze auf 100. So ist es möglich, mit zwei statt drei Flugbegleitern in der Kabine auszukommen. So könne man «weiterhin wettbewerbsfähige Preise anbieten», so der Helvetic-Sprecher. Er sei überzeugt, dass man auch in den nächsten Monaten im Geschäftsfeld Wet-Lease Erfolg haben werde.

Dennoch habe man derzeit «massive Überkapazitäten beim fliegenden Personal». Daher hat Helvetic einen Einstellungsstopp verhängt. Grundkurse für neues Kabinenpersonal wurden ab Mai ausgesetzt. «Leider mussten wir im Cockpit auch Entlassungen vornehmen», so der Helvetic-Sprecher. Rund zehn Angestellte von der Entscheidung betroffen.

Mehr Anfragen für Charterflüge

Ein Effekt, den Helvetic wegen ihres Geschäftsmodells spürt, ist aber auch positiv: Die kurzfristigen Anfragen nach Charterflügen haben zugenommen. «Es handelt sich primär um Gruppen und Geschäftsreisende, die nicht mehr zurück in ihre Heimat kommen», so der Sprecher. Diese Woche habe man etwa eine Gruppe von 35 Personen aus Palermo nach Zürich ausgeflogen. «Wir sind überzeugt, dass diese Art von Aufträgen in den kommenden Wochen zunehmen wird.»



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