Letzte Aktualisierung: 23:43 Uhr

Pleite mit Airline in Schottland

Das Pech des Gründers von Virgin

Am Anfang von Virgin Atlantic stand nicht Richard Branson. Er kaufte die Airline vom Gründer. Der gründete in Schottland eine neue: Highland Express. Ein Fehler.

Gary Watt

Boeing 747-100 von Highland Express: Die Airline hatte ein kurzes Leben.

Randolph Fields war Anwalt und ein virtuoser Pokerspieler, der in seinem Leben diverse Turniere gewann. Doch als Unternehmer hatte der Angloamerikaner keine glückliche Hand. Nach dem Ende des Falkland-Kriegs 1982 wollte er eine Fluggesellschaft für Flüge auf die britischen Inseln vor Argentinien starten. Zusammen mit seinem Freund und ehemaligen Piloten Alan Hellary gründete er dazu British Atlantic Airways. Doch der Plan scheiterte.

Fields mischte die Karten neu und brachte eine neue Idee ins Spiel. Er sah richtig, dass es einen riesigen Bedarf für billigere Flüge über den Nordatlantik gibt. Auch er pendelte selbst oft zwischen den USA und Großbritannien. Nun sollte British Atlantic von London Gatwick nach New York JFK fliegen. Doch die Airline bekam die Flugrechte nicht. Fields verwarf das Blatt und mischte neu. Der neue Plan: Von Gatwick nach Newark. Diese Partie gewann er.

Bald gab es Streit zwischen Gründer und Geldgeber

Doch um eine dickere Kapitaldecke zu haben, sprach Fields auf einer Party Richard Branson an. Der charismatische Milliardär sah die Gelegenheit. Er stieg bei British Atlantic ein. Er übernahm gleich 75 Prozent des Kapitals und verlangte die Umbenennung in Virgin Atlantic. Fields wurde Aufsichtsratspräsident. 1984 startete Virgin den Betrieb. Doch schon bald lagen sich der Gründer und Branson in den Haaren.

Fields ließ sich für eine Million Pfund ausbezahlen. Er wollte aber kein Bargeld, sondern ein lebenslanges Privileg für sich, seine Mutter, eine mögliche spätere Ehefrau und Kinder sowie zwei seiner Freunde. Er wollte für alle Freiflüge in der First Class. Branson sagte Ja.

Eine Konkurrenzairline in Schottland

Pokerspieler Fields konnte es aber nicht lassen. Wie Buchautor Anthony Holden in seinem Buch «Bigger Deal: A Year Inside The Poker Room» schreibt, soll der Angloamerikaner mal einen Therapeuten gefragt haben: «Bin ich süchtig nach Poker?» Die Antwort: «Nein, Sie sind süchtig nach 747.» Fields wollte es Branson zeigen und gründete wieder eine Fluggesellschaft, dieses Mal in Schottland. Highland Express hieß sie.

Die schottische Fluglinie bot mit einer Boeing 747-100 ab Juni 1987 Flüge von London Stansted über die eigene Basis in Glasgow Prestwick nach Newark an. Die Passagierzahlen blieben jedoch unter den Erwartungen. Fünf Monate später stellte die schottische Airline ihren Betrieb ein.

Richard Branson bricht sein Versprechen

Fields flog weiter mit Virgin zu Casinos in den USA und Pokerturnieren. Doch 1994 ließ Branson das Privileg stoppen – angeblich weil Fields zu viele First-Class-Passagiere beim Pokern ausnahm. Er gewährte seinem ehemaligen Partner nur noch Economy-Flüge. Fields ging vor Gericht. Und er bekam Recht. Doch sechs Monate später starb er – im Alter von 44 Jahren.

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