Letzte Aktualisierung: um 7:11 Uhr

Virtuelle Fluglinie

Green Airlines ist komplett abgetaucht

Die Webseite ist verschwunden, Telefonnummern sind nicht mehr aktiv: Die virtuelle Green Airlines taucht komplett unter. Wer noch Geld von ihr fordert, hat laut Experten schlechte Chancen.

aeroTELEGRAPH

Chartermaschine, die für Green Airlines flog: Wenig übrig von der virtuellen Fluglinie.

Sie fliegt schon seit Monaten nicht mehr. «Green Airlines setzt ihren Linienflugbetrieb ab sofort auf unbestimmte Zeit aus», teilte die virtuelle Airline Anfang April mit. Der Grund: fehlende Buchungen. Dennoch gab man sich kämpferisch und erklärte, man konzentriere sich nun auf die Beantragung eines Luftverkehrsbetreiberzeugnisses (im Englischen Air Operator Certificate oder kurz AOC), um eine vollwertige Fluglinie zu werden.

Nun ist aber genau das Gegenteil passiert. Green Airlines ist komplett untergetaucht. Die Webseite des Unternehmens ist verschwunden. Stattdessen ist nun zu lesen: «Diese Präsenz ist derzeit nicht verfügbar». Lediglich eine verbliebene Green-Airlines-Seite beim Ticketsystem Worldticket ist noch aufzufinden, aber nutzlos.

Auch Chefetage nicht mehr erreichbar

Wer eine E-Mail an Green Airlines schreibt, erhält automatisch die Antwort: «Ihre Nachricht konnte nicht zugestellt werden.» Das gilt auch für die Mail-Adressen des Managements. Die Presseagentur, die Green Airlines einst engagiert hatte, teilt mit, nicht mehr für die Firma zu arbeiten. Geschäftsführer Stefan Auwetter ist weder über Festnetz-, noch Handynummer erreichbar. Wer die Mobilnummer von Finanzchef Daniel Sander anruft, hört sogar: «Die gewählte Rufnummer ist nicht vergeben.»

Ein Facebook- und ein Instagram-Profil sind noch vorhanden. Doch die einzigen aktuellen Beiträge sind Kommentare. Bei Instagram lautet der neueste: «Bucht nicht bei dieser Airline!!!! Ich warte seit 3 Monaten auf mein Geld und werde immer wieder vertröstet!»

Zweifel an Zahlungsfähigkeit

Mancher Enttäuschte wird sich fragen: Ist Green Airlines pleite? Wohl nicht. Es wurde bisher keine Insolvenzbekanntmachung veröffentlicht. Im Gespräch mit aeroTELEGRAPH äußern sich zwei Juristen, die namentlich nicht genannt werden wollen, dennoch skeptisch dazu, wie lange das Unternehmen noch zahlungsfähig sein wird.

Reisenden, die Rückerstattungen für bezahlte, aber ausgefallene Flüge fordern, räumen die Experten schlechte Chance ein. Viel werde wohl nicht zu holen sein, zudem gebe es wahrscheinlich größere Gläubiger. Wer über einen Reiseveranstalter gebucht hat, kann sich an diesen wenden. Wer direkt bei Green Airlines Tickets gekauft und per Kreditkarte bezahlt hat, kann versuchen, die Zahlung rückgängig zu machen. Für alle anderen gilt: «Ich rate davon ab, das Geld zu investieren, um einen Anwalt zu beauftragen» – sagt ein Anwalt.