ATR 72 von Chalair: Die erste von vielen Fluglinien, die Green Airlines beauftragte.

Virtuelle AirlinesGreen Airlines ist aufgelöst - Ermittlungen der Staatsanwaltschaft dauern an

Nach nur rund einem Jahr stellte Green Airlines im Frühjahr 2022 die Flüge ein. Zwar verschwand die virtuelle Fluglinie von der Bildfläche, doch eine offizielle Pleite-Meldung blieb lange aus. Nun wurde die Firma liquidiert. Die Staatsanwaltschaft beschäftigt sich derweil immer noch mit ihr.

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Im März 2021, mitten in der Corona-Pandemie, startete der Erstflug von Green Airlines. Die virtuelle Fluglinie schickte eine ATR 72 der französischen Partnerin Chalair auf die Strecke Paderborn - Sylt. Diese Route sollte die einzige bleiben, die Green Airlines regelmäßig bediente, wenn auch mit ständig wechselnden Airline-Partnern.

Große Pläne und Intermezzi gab es derweil zuhauf. So hatte Green Airlines schon zu Beginn Zürich als Ziel im Visier, woraus nie etwas wurde. Es gab kurze Gastspiele in Köln/Bonn und im niederländischen Groningen. Im April 2022 flog Itzehoer Airservice mit einer Cessna Grand Caravan für Green Airlines von Weeze nach Sylt - aber nur an einem Wochenende. Etliche weitere Start- und Zielflughäfen, Städte- und Tourismusrouten waren im Gespräch. Doch noch im April 2022 stellte die Firma den Flugbetrieb ein.

Green Airlines und ihre Chefs tauchten komplett ab

Ende Juni 2022 war Green Airlines abgetaucht. Ihre Webseite verschwand, die Gründer und Firmenchefs Stefan Auwetter und Daniel Sander waren nicht mehr erreichbar. Allerdings gab es keine Insolvenz-Bekanntmachung. Und das blieb für lange Zeit so.

Wer sich in den folgenden Jahren in der Branche umhörte, erfuhr abenteuerliche Geschichten rund um Green Airlines. Über Büros, die über Nacht leergeräumt wurden. Über Angebote an Reiseveranstalter, die sich im letzten Moment als völlig falsch kalkuliert herausstellten. Über Hochstapler und Erben. Der Wahrheitsgehalt all dieser Geschichten lässt sich kaum noch nachvollziehen. Dagegen geschah in diesem Sommer wieder etwas Offizielles.

Unternehmen Green Airlines im Herbst 2025 liquidiert

Im August 2025 wies das Amtsgerichts Karlsruhe die Eröffnung eines Insolvenzverfahrens über das Vermögen der Firma ab - «mangels einer den Kosten des Verfahrens entsprechenden Masse». Sprich: Es war nicht mal genug Geld da, um die Kosten eines Verfahrens zu decken. Zuerst berichtete das Portal verbraucherschutzforum.berlin darüber.

Damals gab es noch die Option zur Beschwerde. Am 16. Oktober vermerkte das Amtsgericht Mannheim aber im Handelsregister mit Verweis auf den Beschluss des Amtsgerichts Karlsruhe aus dem August: «Die Gesellschaft ist hierdurch aufgelöst.»

Staatsanwaltschaft erklärt, «dass die Ermittlungen andauern»

Damit ist das Kapitel Green Airlines als Unternehmen nun endgültig beendet. Die Aufarbeitung der Pleite läuft aber weiter. Schon im Sommer 2021 hatte das Portal Aviation Direct berichtet, die Staatsanwaltschaft Karlsruhe führe im Zusammenhang mit den Aktivitäten von Green Airlines ein Ermittlungsverfahren gegen den Geschäftsführer.

Anfang November 2025 fragte aeroTELEGRAPH bei der Staatsanwaltschaft Karlsruhe nach. Deren Sprecher erklärte, dass «ein Ermittlungsverfahren wegen des Tatvorwurfs der Insolvenzverschleppung geführt worden ist». Es sei als Wirtschaftsstrafsache aber an die Schwerpunktstaatsanwaltschaft Mannheim abgegeben worden. Deren Sprecherin erklärte, «dass die Ermittlungen andauern», nannte aber keine Details.

Green Airlines erhielt 1,8 Millionen Euro staatliche Hilfen

Derweil wurde auf anderem Wege ein Detail über Green Airlines bekannt - und zwar über die Beihilfe-Transparenz-Datenbank der EU-Kommission. Dort lässt sich mittlerweile nachlesen, dass Green Airlines Covid-Hilfen erhalten hat von der L-Bank Baden-Württemberg. Im Detail: «Ziel der Beihilfe: Behebung einer beträchtlichen Störung im Wirtschaftsleben. Tag der Gewährung: 08/06/2021. Beihilfeelement, in voller Höhe: 1,800,000.00 EUR».

Green-Airlines-Kuchen beim Erstflug: Vielen verging in den folgenden Monaten der Appetit.

Die Gewährung der Staatshilfe in Höhe von 1,8 Millionen Euro im Juni sorgte aber nicht für Ruhe bei Green Airlines. So sollte Alk Airlines vom 1. bis zum 8. Juli 2021 für Green Airlines ab Rostock und Paderborn Ziele am Mittelmeer anfliegen. Doch schon am 5. Juli war Schluss. «Green Airlines hat die vertragsgemäße Zahlung für die Flüge nicht eingehalten und der Chartervertrag wurde beendet», erklärte der bulgarische Charteranbieter damals gegenüber aeroTELEGRAPH. Green Airlines stritt die Vorwürfe ab. Derweil kündigte sie auch die rumänische Just Us Air als Partner-Fluglinie an - die sich davon aber überrascht zeigte.

Auch German Airways verging die Lust auf Green Airlines

Mitte Juli 2021 stellte auch German Airways die Kooperation mit der virtuellen Fluglinie größtenteils ein. Anfang August kappte sie die Partnerschaft mit Green Airlines ganz. «German Airways beendet mit sofortiger Wirkung die Kooperation mit Green Airlines für Strecken von und nach Sylt», teilte die Fluggesellschaft damals mit. «Der Grund hierfür sind unterschiedliche Auffassungen zu dem gemeinsam geschlossenen Kooperationsvertrag.»

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