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Streit um neue GDS-Buchungsgebühr

«Gibt genügend Alternativen zu Lufthansa»

Die Reisebüros akzeptieren die neue Buchungsgebühr von Lufthansa nicht. Walter Kunz vom Schweizer Reisebüro-Verband erklärt, weshalb Europas Dachverband klagt und was Lufthansa riskiert.

Ticketbuchung: Lufthansa belastet die Reisebüros stärker.

Der Verband der europäischen Reisebüros und Reiseveranstalter ETCAA hat Klage eingereicht. Denn Lufthansa und ihre Töchter und Beteiligungen Austrian Airlines, Brussels Airlines und Swiss verrechnen ab dem 1. September Reisebüros eine Gebühr von 16 Euro, wenn diese für Kunden einen Flug über eines der globalen Vertriebssysteme (Englisch: Global Distribution System oder GDS) buchen. Das wollen diese nicht akzeptieren. Sie gelangten deshalb an die EU-Kommission. Walter Kunz ist Präsident des Schweizer Reise-Verbands, der Branchenorganisation der Reisebüros und Reiseveranstalter in der Schweiz. Er trägt die Klage gegen den deutschen Luftfahrtkonzern mit. Im Interview mit aeroTELEGRAPH erklärt er die Hinter- und Beweggründe.

Warum klagt Europas Reisebüroverband ETCAA gegen Lufthansa?
Das ist ganz einfach: Weil die Lufthansa-Gruppe mit der angekündigten neuen Gebühr, der sogenannten Distribution Cost Charge, ihren größten Vertriebspartner diskriminiert.

Riskieren Sie damit nicht, Austrian Airlines, Brussels Airlines, Lufthansa und Swiss als wichtige Partner vor den Kopf zu stoßen?
Ich weiss nicht wer da wen vor den Kopf gestoßen hat…

Die Strategie ist aber risikoreich. Verlieren Sie, müssen Sie die Gebühr schlucken, gewinnen Sie, ist die Stimmung vergiftet.
Wenn eine Strategie risikoreich ist, dann die der Lufthansa-Gruppe. Ich weiß von vielen Unternehmen die bereits begonnen haben, Aufträge wegzusteuern – selbstverständlich ohne dabei den Kundenfokus zu verlieren.

Warum erachten Sie die beiden Lösungswege von Lufthansa – Buchung über die Webseite oder über das Gruppen-Buchungsportal – nicht für hilfreich?
Weil dies ein Schritt in die Steinzeit ist und eine Anbindung zu einer einzelnen Airline nur Komplexität schafft. Die Lufthansa-Gruppe will mit der Direktanbindung sich nicht mehr der Preisvergleichbarkeit stellen. Das kann nicht im Interesse des Konsumenten sein.

Legten auch die Reisebüros einen Alternativvorschlag vor? Welche?
Selbstverständlich haben wir verschiedene Lösungen und Vorschläge aufgezeigt. Aber dazu äußern wir uns nicht in der Öffentlichkeit. Lufthansa-IT-Vorstand Harry Hohmeister wurden diese Ende Juni von einem Gremium der fünf, sechs größten Marktteilnehmer persönlich präsentiert. Er hat alle ausgeschlagen.

Können die Reisebüros die Preiserhöhung nicht einfach an die Passagiere weitergeben?
Selbstverständlich – der Aufschlag wird auch im Ticketpreis integriert sein. Aber wir kämpfen ja im Interessen unserer Kunden gegen diese unsägliche Auslagerung von Kosten. Und Hand aufs Herz – kennen Sie eine Unternehmung die ein Produkt vertreibt und die einen Aufschlag für die Informatik-Kosten verlangt?

Und könnten sie nicht auch einfach nicht mehr Lufthansa-Gruppe buchen?
Das könnten die Reisebüros theoretisch. Aber der Kundenwunsch hat für uns immer oberste Priorität. Aber es werden dem Kunden sicherlich immer Alternativen aufgezeigt und da gibt es nicht nur in preislicher-, sondern auch in qualitativer Hinsicht mehr als genügend.

Was passiert, wenn die Klage abgelehnt wird?
Dann werden wir weitersehen. Aber ich denke, dass nur Umsatzeinbussen dieses Management zur Vernunft bringen kann.



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