Kontrollturm des Croydon Airports: 1920 wurde der erste Kontrollturm der Welt aufgestellt.

Erster Tower der WeltDer Geburtsort der Flugsicherung

Der Flughafen Croydon existiert nicht mehr. Im Londoner Bezirk lassen sich aber noch Überreste des Airports finden, der den ersten Kontrollturm der Welt besaß.

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Wie muss ein Kontrollturm auf einem Flughafen aussehen? Architekten, die das nicht wissen sollten, stehen heute vor keinem all zu großem Problem. Beispiele finden sich auf der ganzen Welt genügend. Vor 100 Jahren war das anders.

Die Passagierluftfahrt steckte 1920 in ihren Kinderschuhen. Erst 17 Jahre zuvor war der Wright Flyer als erster Motorflieger der Welt nur wenige Meter über den Boden gehoppelt. Nun galt es, im britischen Croydon einen der ersten internationalen Flughäfen zu errichten. Auf dem Flughafen bei London entstand damals nicht nur der erste Kontrollturm der Welt, sondern mit ihm auch die erste Flugsicherung.

Passagierluftfahrt noch ganz am Anfang

Bereits zuvor besaßen einige Flugplätze Mittel zur Leitung ihres Flugverkehrs. Mit Funkbüros oder kleinen Leuchttürmen kommunizierten Bodenstellen etwa mit Flugzeugen in der Luft. Mit einer «ausdrücklichen Absicht, technische Flugverkehrsdienste für Flugzeuge anzubieten», wurden diese Mittel jedoch nicht eingeführt, sagt Ian Walker.

Der Brite ist Vorsitzender eines Historikvereins, der sich dem Andenken des Croydon Airports widmet. Bei der Planung stand bereits fest, dass es für die künftige Organisation des Flugverkehrs bessere Mittel brauchte. Kurz nach Ende des Ersten Weltkriegs wurden Flugreisen innerhalb Europas immer gefragter.

Regierung um mehr Organisation bemüht

Nicht nur war ein neuer Flughafen für London in Planung, sondern auch eines der ersten großen Luftfahrtdrehkreuze der Welt. Einen Monat vor der Eröffnung legte die britische Regierung im Februar 1920 fest, dass künftiger Flugverkehr besser geregelt werden muss. Es folgte die Geburtsstunde des Kontrollturms: Croydon wurde als erster Flughafen mit einem Gebäude ausgestattet, von dem aus der Flugverkehr um den Airport geleitet werden sollte.

Von einem klassischen «Tower», wie er heute bekannt ist, war das Gebäude aber noch weit entfernt. Eine auf Masten etwa viereinhalb Meter hochgebockte Hütte diente den ersten Fluglotsen der Welt als Arbeitsplatz, berichtet der britische Flugsicherungsdienst NATS. Auch die Ausrüstung unterschied sich grundlegend von der heutigen.

Wichtige Hilfe von unten

Radargeräte sollten im Vereinigten Königreich erst zwei Jahrzehnte später erfunden werden. Im Zweiten Weltkrieg galt es in der Luftschlacht in aller Eile ein Mittel zu finden, um deutsche Jäger und Bomber über dem Ärmelkanal zu finden. Wo sich Anfang der 1920er-Jahre Flugzeuge genau befanden, konnte am Boden also noch niemand wissen.

Doch die sogenannten Civil Aviation Traffic Officers (zu Deutsch: Zivile Luftverkehrs-Offiziere) oder kurz CATO konnten sehr behilflich sein. So informierten sie Piloten über Radio oder Morsefunk etwa über andere Flugzeuge. Diese waren im Flugplan eingetragen oder wurden vom Boden aus beobachtet.

Pinnadeln statt Radarschirme

Ebenso versuchten die CATOs, die Flugwege von Flugzeugen nachzuverfolgen. Anhand von Positionsmeldungen von Piloten wurden die Flugwege auf Karten mit Pinnadeln nach und nach markiert. Ebenso lieferten die Pioniere der Fluglotsen auch Wetterinformationen.

Ab Ende der 1950er-Jahre lösten die Flughäfen Heathrow und Gatwick den ersten Hauptflughafen Londons ab. Etwa 15 Kilometer südlich von Londons Stadtzentrum, nahe der Schnellstraße A23, finden sich heute aber noch immer Überreste des historischen Ortes. Zwar wurde der erste Flugkontrollturm der Welt längst abgerissen, doch noch immer steht dessen Nachfolger da - dieser ist zwar bereits höher, erinnert aber dennoch immer noch eher an eine Burg als an einen Tower.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen des Croydon Airports und seiner Kontrolltürme.

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