Mike Lomberg (links) and Guillaume Feral: Kämpfen für eine bessere Integration Behinderter.

Behinderte Piloten«Können uns im Flug kaum bewegen»

Drei querschnittgelähmte Piloten umrunden für einen guten Zweck die Welt. Im Interview sprechen Sie über Überraschungen, Risiken und Vorurteile.

Top-Jobs

Hahnair

Kapitän C680A (all genders) mit Zusatzaufgaben

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Hahnair

Deputy Continuing Airworthiness Manager (all genders)

Düsseldorf
Feste Anstellung
Hahn Air Lines GmbH
Deutschland
Vollzeit
Top jobs
Aero Bildungs Logo

Ausbilder / Technischer Trainer (m/w/d) für Fluggerätelektronik / Avionik / Cat B2 – Luftfahrttechnik

AERO-Bildungs GmbH
Oberpfaffenhofen
Feste Anstellung
Deutschland
Vollzeit
Top jobs

Sechs Kontinente, 40 Länder, 80.000 Kilometer - das ist der Reiseplan von Paolo Pocobelli, Mike Lomberg und Guillaume Féral bis kommenden August. Mit zwei Leichtbauflugzeugen vom Typ Flight Design CTLS umrunden der Italiener, der Südafrikaner und der Franzose die Welt.

Am 18. November sind die drei Männer in Genf gestartet. Über Verona, Athen, Heraklion, Hurghada und Riyadh sind sie nach Dubai geflogen, wo sie am 4. Dezember gelandet sind und fünf Tage Pause machen. Pocobelli, Lomberg und Féral reisen nicht aus Vergnügen. Sie wollen mit ihrer Reise, an dem ein ganzes Team im Hintergrund mitwirkt, auf Handiflight aufmerksam machen, die weltgrößte Vereinigung behinderter Piloten.

Auf Probleme Behinderter hinweisen

Die Organisation bietet behinderten Piloten eine Möglichkeit, sich zu treffen, Erfahrungen auszutauschen und die Freude am Fliegen zu teilen. Pocobelli, Lomberg und Féral sind erfahrene Piloten und seit Unfällen beim Fallschirmspringen, Segelflug und im Straßenverkehr querschnittgelähmt. Mit ihrer Reise will das Trio zudem allgemein auf Probleme behinderter Menschen hinweisen und ihre Integration ins tägliche Leben mit Spenden von Gönnern an den Zielorten unterstützen.

Was treibt Sie an, was ist ihr Ziel? aeroTELEGRAPH hat sich mit Lomberg und Féral unterhalten.

Sie haben nun die ersten Etappen hinter sich. Was waren die größten Überraschungen?

Mike Lomberg: Zum einen merkten wir, wie flexibel wir sein müssen. Wetter, betriebliche Punkte, lokale Verhältnisse, Routen - alles kann sich kann sich ändern, wenn wir in der Luft sind. Dafür braucht es eine gute Planung und viel Flexibilität. Zudem überraschten mich die vielen interessierten Leute, die wir kennenlernten.

Guillaume Féral: Vergiss nicht den sturen Wind - er blies ständig in Gegenrichtung. Aber das hat ja einen Vorteil... wir sammeln so mehr Flugstunden.

Und was waren die größten Herausforderungen?

Féral: Auf der dritten Etappe erlebten wir sehr schwierige Wetterverhältnisse. Dazu kamen Engpässe bei der Flugsicherung. Beide Dinge werden wohl weiterhin eine Herausforderung bleiben.

Lomberg: .. und die Ruhezeiten einzuhalten. Wir treffen uns an jedem Ort mit Menschen und Organisationen, die sich mit den gleichen Themen wie unsere Organisation befassen. Das unter einen Hut zu bringen, ist eine Herausforderung. Es erfordert ganz genaue Planung.

Gehen Sie als Paraplegiker auf einer solchen Flugreise nicht große Risiken ein?

Lomberg: Wir sind zuerst einmal Piloten. Unsere Planung und unser Risikomanagement ist genau gleich wie bei jedem anderen Piloten, der eine solche Reise macht.

Féral: Wir haben sehr lange für diese Reise trainiert. Und wir haben uns sehr intensiv vorbereitet. Daher sind die Risiken nicht größer.

Was ist denn für einen behinderten Piloten die größte Schwierigkeit beim Fliegen?

Lomberg: Es sind psychologische Faktoren. Wir können uns im Flug kaum bewegen. Wir haben dafür das Cockpit angepasst. Bisher flogen wir bis zu sieben Stunden nonstop, das ging problemlos. Die Steuerung des Flugzeuges dagegen ist nicht schwierig, nachdem man sie mal gelernt hat. Das Seitenruder steuern wir von Hand. In gewissen Flugphasen muss man da besondere Fertigkeiten haben, weil wir die rechte Hand auch für die Schubregelung und die Bremsen brauchen.

Gibt es Grenzen in Bezug auf Dinge, die Sie als Pilot tun können?

Féral: Nicht mehr, als wir schon im täglichen Leben haben...

Lomberg: Flugtechnisch sind wir gegenüber einem nicht-behinderten Piloten aber im gleichen Flugzeug überhaupt nicht eingeschränkt.

Wie genau musste Sie Ihr Flugzeug präparieren?

Lomberg: Die einzige technische Anpassung ist der Einbau einer Handsteuerung für das Seitenruder. Dann mussten wir wegen besonders langer Strecken natürlich Zusatztanks im Flügel und auf dem Nebensitz einbauen.

Haben Sie als behinderter Pilot schon Vorurteile erlebt?

Lomberg: Ich persönlich nicht. Manchmal bin ich aber vielleicht ob gewisser Reaktionen überrascht.

Was raten Sie jungen Behinderten, die gerne fliegen würden?

Féral: Mach es! Finde eine Flugschule, die dich aufnimmt und lebe deinen Traum. Es gibt keinen Grund, es nicht zu tun!

Mehr über das Projekt Handiflight können Sie hier nachlesen.

Mehr zum Thema

Cockpitpersonal bei der Arbeit: Wo verdient man in Europa am meisten?

So viel verdienen Pilotinnen und Piloten in Europa

ticker-usa

Druck auf Donald Trump steigt, das Rentenalter für Pilotinnen und Piloten auf 67 Jahre zu erhöhen

Cockpit in der Nacht: Wie sind Pilotinnen und Piloten angestellt?

Ein Urteil mit Folgen: Scheinselbstständigkeit bringt Luftfahrt in Bedrängnis

Helvetic Airways Bern-Monastir-27

Was Pilotinnen und Piloten beim Anflug auf Bern alles beachten müssen

Video

Moment der Kollision: Zum Glück verletzte sich der Fahrer nur leicht.
Eine Boeing 767 von United Airlines berührte beim Anflug in Newark einen Lastwagen und einen Lichtmast. Flug UA169 landete dennoch sicher. Brisant: Weder Cockpit noch Flugsicherung registrieren die Kollision zunächst.
Laura Frommberg
Laura Frommberg
Rundflug zur Aero Friredrichshafen: Blick auf die Insel Mainau
Auf der Aero Friedrichshafen wurden die Flugzeuge ausgestellt und bewegten sich nicht – außer das von Alpen Air. Die kleine deutsche Airline hobab und zeigt, wie sich die Allgemeine Luftfahrt wirklich anfühlt. Ein kurzer Flug, der lange im Kopf bleibt.
Benjamin Recklies
Benjamin Recklies
TV-Bericht über den Zwischenfall: Drei Verletzte.
Flughafen Araxos
Die Taufe einer Boeing 737 Max von Tuifly wird jäh unterbrochen: Kurz vor Beginn der Zeremonie bricht eine Treppe am griechischen Flughafen Araxos zusammen. Mehrere Menschen stürzen, drei von ihnen müssen ins Krankenhaus.
Stefan Eiselin
Stefan Eiselin