In der Luft bis zum Crash

Schon wieder ein Flugzeugabsturz in Russland. Wieder war es ein sowjetischer Flugzeugtyp. Und wieder ein Flugverbot - nun für die An-12.

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Zwei Unfälle in zwei Tagen - und beide mit Maschinen des Flugzeugbauers Antonow. Erst am Montag hatte die Bruchlandung einer An-24 in der Region Amur nahe der chinesischen Grenze noch glimpflich geendet. 12 Menschen wurden bei dem Zwischenfall verletzt.

Am Dienstag nahm der Unfall einer An-12 kein so gutes Ende. Etwa eine Stunde nach dem Start war in einem der Motoren Feuer ausgebrochen, zuvor hatte die Crew austretenden Treibstoff bemerkt. Mit mehreren Tonnen Lebensmitteln beladen war die Maschine auf dem Weg nach Tschukotka im fernen Osten Russlands. Das Flugzeug stürzte ab, alle Insassen kamen dabei wahrscheinlich ums Leben.

Die russische Verkehrsbehörde hat nun erklärt, dass man alle Flüge der An-12-Maschinen von russischen Fluggesellschaften aussetze, «bis die Unternehmen Massnahmen zur Verringerung der Risiken ergriffen haben». Bisher waren noch landesweit zwölf Antonow-12 im Einsatz.

18 Unfälle in fünf Jahren

Es ist bereits der 18. Unfall mit einer An-12 in fünf Jahren. Und mit dem Crash endet auch der Service der ältesten in der Zivilluftfahrt Russlands eingesetzten Maschine, wie russische Medien berichten. 48 Jahre hatte die An-12 auf dem Buckel. Aber auch andere Flugzeugtypen der russischen Hersteller sind in die Jahre gekommen und machen Russlands Luftfahrt Probleme. Allein in diesem Jahr gab es schon acht Zwischenfälle mit Tupolew- Antonow- und Yakowlew-Maschinen, fünf davon mit tödlichem Ausgang.

Nach dem schlimmsten der Unfälle, der Bruchlandung einer Tu-134 der RusAir am 20. Juni, bei der 47 Menschen ums Leben kamen, fingen im Kreml die Überlegungen über ein großes Reinemachen in der Luftfahrt an. Am 23. Juni gab Präsident Medwedew bekannt, er wolle eine komplette Stilllegung der Tu134's beantragen (aeroTELEGRAPH berichtete). Keinen Monat später gab es den nächsten tödlichen Unfall: Bei der Notwasserung einer An-24 auf dem Fluss Ob starben sieben Menschen. Nach dem Unfall sprach sich der russische Präsident für eine Stilllegung auch dieser in die Jahre gekommenen Maschinen aus (aeroTELEGRAPH berichtete).

Flugverbot für kleine Airlines

Die Maßnahmen dürften erst der Anfang gewesen sein. Und auch für die kleinen Airlines in Russland sieht es daher düster aus. Diese fliegen hauptsächlich mit russischen, oft veralteten Maschinen. Der stellvertretende russische Premierminister Sergei Ivanow sprach sich am Dienstag dafür aus, dass Airlines mit nur kleinen Flotten ein Flugverbot erteilt bekommen. Schon am 29. Juli hatte das Transportministerium angekündigt, dass Airlines, die weniger als 20 Maschinen des gleichen Typen besitzen, ein Grounding drohe (aeroTELEGRAPH berichtete).

Ivanow begründete das Drängen der Regierung auf eine Rundumerneuerung der russischen Luftfahrt: Zehn russische Airlines würden, so der Minister, 98 Prozent der Passagiere transportieren. Die restlichen zwei Prozent teilen sich rund 120 kleine Fluggesellschaften. Diese könnten es sich nicht leisten, alte Flugzeuge zu ersetzen. «Also fliegen sie bis zum Crash».

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