Man nannte es das Kaspische Seemonster: Als der Geheimdienst der USA 1967 auf Satellitenbildern ein riesiges, mit KM beschriftetes Fluggerät entdeckten, war völlig unklar, worum es sich handelte. Entwickelt hatte es der sowjetische Ingenieur Rostislav Alexeyev im Auftrag von Staatschef Nikita Khrushchev. Das 92 Meter lange Fluggerät mit zehn Triebwerken diente als Testplattform für sogenannte Bodeneffektfahrzeuge – Ekranoplane –, mit denen die UdSSR Truppen und Waffen schnell transportieren wollte.
Ekranoplane nutzen ein Luftpolster nahe der Oberfläche, um mit hoher Geschwindigkeit wenige Meter über Wasser oder Eis zu gleiten. Das macht sie effizienter als klassische Flugzeuge. Zwar entwickelte die Sowjetunion weitere Modelle, doch die Technik geriet später weitgehend in Vergessenheit. Doch sie fasziniert weiterhin - und schafft es jetzt in den kommerziellen Betrieb.
Mini-Ekranoplan Airfish bald in Singapur im Einsatz
In Singapur sollen schon bald Bodeneffektfahrzeuge Reisende transportieren, wenngleich die von ST Engineering entwickelten Gefährte auch deutlich kleiner sind. Zwischen Flugzeug und Fähre will der singapurische Rüstungs- und Technologiekonzern mit dem sogenannten Airfish Voyager eine neue Form des Reisens etablieren.
Ab dem dritten Quartal 2026 sollen erstmals Passagiere von Singapur aus zu nahegelegenen Zielen befördert werden. Das Fluggerät nutzt den Bodeneffekt, gleitet wenige Meter über der Wasseroberfläche und soll damit deutlich schneller unterwegs sein als klassische Schnellfähren.
Platz für acht Reisende und zwei Crewmitglieder
Konkret plant ST Engineering Air X, eine Tochter des Konzerns, den kommerziellen Start mit dem Airfish Voyager, der Platz für acht Passagiere und zwei Crewmitglieder bietet. Mit einer Reisegeschwindigkeit von bis zu 100 Knoten – rund 185 Kilometer pro Stunde – bewegt sich das Gefährt in einer ganz eigenen Kategorie zwischen Schiff und Flugzeug. Distanzen von bis zu 555 Kilometern sind möglich.
Als erste Route ist eine Verbindung von Singapur zu einem nahegelegenen Ziel, etwa nach Batam oder Bintan in Indonesien im Gespräch, berichtet die Zeitung The Straits Times. Offiziell bestätigt ist das Ziel bislang nicht.
Erprobungsflüge im zweiten Quartal
Der Zeitplan ist ambitioniert. Bereits im zweiten Quartal 2026 sollen die entscheidenden Flug- und Erprobungsflüge im Rahmen des Zertifizierungsprozesses stattfinden. Die Airfish Voyager wird dabei nicht als Flugzeug, sondern als maritimes Fahrzeug zugelassen. Die Zertifizierung soll bis Mitte 2026 abgeschlossen sein, kurz darauf soll der Linienbetrieb beginnen.
Parallel treibt der Konzern die internationale Vermarktung voran. Neben Südostasien gibt es konkrete Pläne für Indien, wo der Betreiber Wings Over Water Ferries bis zu vier Airfish Voyager einsetzen will. Auch lokale Montage-, Wartungs- und Trainingsstrukturen sind vorgesehen.
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