Es klingt wie ein Begriff aus Margaret Atwoods dystopischem Roman The Handmaids Tale, doch ist in den USA inzwischen Realität. Sogenannte Sanctuary Cities (Zufluchtsstädte) sind Städte und Gemeinden in den USA, die nur eingeschränkt mit der Einwanderungsbehörde ICE zusammenarbeiten. Sie verweigern etwa die Unterstützung bei Abschiebungen oder geben Migrantinnen und Migranten unabhängig vom Aufenthaltsstatus Zugang zu bestimmten öffentlichen Dienstleistungen.
Rund 200 Städte und Gemeinden gelten in den USA als Sanctuary Cities, darunter auch viele große Metropolen. Genau diese Städte geraten nun erneut ins Visier der Regierung von Donald Trump. Jetzt auch mit möglichen Folgen für den internationalen Luftverkehr.
Weniger Zoll- und Grenzschutzpersonal für Flughäfen
Wie das Magazin The Atlantic berichtet, soll Heimatschutzminister Markwayne Mullin Airline- und Reisevertreter darüber informiert haben, dass die Regierung den Einsatz von Zoll- und Grenzschutzpersonal an Flughäfen in solchen Städten reduzieren könnte. Betroffen wären demnach unter anderem Flughäfen im Großraum New York wie JFK und Newark, aber auch Washington-Dulles oder Portland. Doch auch Chicago, Los Angeles und San Francisco stehen wird. Der Plan soll laut dem Bericht nach der Fußball-Weltmeisterschaft 2026 umgesetzt werden könnten.
Die Folgen wären gravierend. Ohne ausreichend Personal der Zoll- und Grenzschutzbehörden können internationale Flüge an vielen Flughäfen nicht mehr regulär abgefertigt werden. Fluggesellschaften müssten Verbindungen streichen oder auf andere Flughäfen ausweichen.
Der komplette Luftverkehr wäre durcheinandergewirbelt
Besonders kompliziert: Internationale Reisende landen in den USA oft nicht an ihrem endgültigen Zielort. Wer etwa aus Europa nach New York fliegt, reist möglicherweise weiter nach Cincinnati, Orlando oder Las Vegas. Eine Verlagerung internationaler Flüge würde deshalb nicht nur einzelne Städte treffen, sondern das gesamte Netzwerk der Luftfahrt in den USA. Zudem verfügen viele alternative Flughäfen gar nicht über ausreichend Gates, Personal oder Infrastruktur, um zusätzliche Langstreckenflüge aufzunehmen.
Die Regierung von Donald Trump versucht seit Langem, den Druck auf Sanctuary Cities zu erhöhen. Bereits während seiner ersten Amtszeit hatte Trump versucht, Fördergelder für Städte zu streichen, die sich weigern, enger mit ICE zusammenzuarbeiten. Gerichte stoppten damals allerdings mehrere Maßnahmen.
Ministerium argumentiert mit mangelnder Kooperation
Jetzt könnte erstmals auch die Luftfahrt direkt zum politischen Druckmittel werden. Laut dem Bericht argumentiert Heimatschutzminister Mullin, dass es widersprüchlich sei, wenn Städte internationale Flüge abfertigten, gleichzeitig aber bei der Durchsetzung von Einwanderungsregeln nicht mit den Bundesbehörden kooperierten.
In der Reise- und Luftfahrtbranche sorgt die Idee offenbar für große Nervosität. Vertreter von Airlines sollen die Regierung bereits davor gewarnt haben, dass internationale Verkehrsströme nicht einfach kurzfristig umgeleitet werden können. Gerade Flughäfen wie JFK oder Los Angeles sind zentrale Drehkreuze für Transatlantik- und Pazifikverbindungen.
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