Lufthansa-Flieger: Ein Jet der deutschen Airline stieß in Dallas mit einem von United Express zusammen.

«Mehr Verkehr, mehr Zusammenstöße»

Immer wieder kommt es zu Kollisionen am Boden. Markus Wahl von der Pilotenvereinigung Cockpit analysiert.

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Immer wieder kommt es zu Zwischenfällen wie dem kürzlich in Dallas/Fort Worth, als ein Lufthansa-Jet und einer von United Express sich an den Tragflächen berührten. Sind solche Zwischenfälle gefährlich für Passagiere?

Markus Wahl: Grundsätzlich ist es natürlich so, dass jegliche Berührung zu vermeiden ist. Gefahr für die Passagiere besteht keine, solange sich nur die Tragflächenspitzen der jeweiligen Flugzeuge touchieren. Auch sind die betroffenen Flugzeuge am Boden mit nicht allzu hoher Geschwindigkeit unterwegs, so dass kein übermäßiger Schaden entsteht, durch den eine Gefährdung auftreten könnte. Im Prinzip kann man so einen Zusammenprall der Tragflächenspitzen mit einem «Zusammenstoß» zweier langsam fahrender Lastwagen mit Anhängern vergleichen: Hier kommt es zwar zu Sachschaden, aber der Fahrer bleibt für gewöhnlich unverletzt.

Kann es vorkommen, dass dabei ein Flugzeug beschädigt wird, das aber unbemerkt bleibt?

Wahl: Es ist nicht auf jedem Flugzeugtyp möglich, aus dem Cockpit die Tragflächenspitzen zu sehen. So ist es durchaus vorstellbar, dass eine leichte Berührung der Tragflächenspitze unbemerkt bliebe. Allerdings ist auf dem Rollfeld eines Flughafens immer so viel los, dass auch ein solcher Kontakt von jemand anderem am Boden gesehen und gemeldet würde. So ist es also eigentlich nur theoretisch möglich, dass ein solcher Vorfall unbemerkt bleibt, praktisch nicht.

Wie kommt es, dass es immer wieder zu solchen Kollisionen kommt?

Wahl: Leider haben wir dazu keine Zahlen. Allerdings kann man davon ausgehen, dass mit steigendem Verkehrsaufkommen auch die Anzahl der Rollbewegungen auf den Flughäfen steigt. Gerade an den großen Flughäfen wie Frankfurt, London, New York und Tokio geht es durch den dichten Verkehr manchmal recht eng zu. Mit steigender Anzahl von Rollbewegungen steigt natürlich auch die Gefahr von Zusammenstößen.

Wer trägt die Schuld, wenn es am Boden schiefgeht?

Wahl: Nach einem Zusammenstoß am Boden nimmt die Behörde wie nach einem Verkehrsunfall auf der Straße Ermittlungen auf. Auch hier können es unterschiedliche Gründe sein, die zu dem Zusammenstoß geführt haben: Das kann technische Gründe haben oder der Zusammenstoß kann wetterbedingt sei, etwa wegen Glatteis oder ähnlichem. Vielleicht wurden auch einfach nur die Vorfahrtsregeln missachtet.

Immer wieder hört man Kritik an den Dienstzeiten in den Jobs der Luftfahrtbranche. Sehen Sie einen Zusammenhang?

Wahl: Beim Fliegen ist es wie beim Autofahren auch: Durch Müdigkeit sinkt die Aufmerksamkeit. So erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass Fehler gemacht werden. So steigt natürlich auch das Risiko, beim Rollen mit einem anderen Flugzeug oder anderem Objekt zusammenzustoßen.

Was fordern Sie, um das Risiko zu senken?

Wahl: Die aktuell möglichen Flugdienstzeiten orientieren sich nicht an wissenschaftlichen Forschungsergebnissen über die menschliche Leistungsfähigkeit, so dass es möglich ist, dass Flüge auch in ermüdetem Zustand durchgeführt werden. In Zukunft ist es sogar geplant, diese bereits jetzt schon sehr weit gefassten Regeln noch weiter zu verschlimmern, unter anderem eine Dienstdauer aktuell bis zu 15 Stunden am Stück bei einem Zwei-Mann-Cockpit. Die Vereinigung Cockpit fordert daher seit geraumer Zeit die Politiker auf, die seit Jahren existierenden wissenschaftlichen Erkenntnisse als Basis für jegliche Neuregelungen der Flugdienstzeiten zu verwenden. Wenn jederzeit die volle Aufmerksamkeit der Piloten durch verantwortungsvolle Flugdienst- und Ruhezeiten gewährleistet ist, kann das Risiko von Zwischenfällen in dieser Hinsicht verringert werden.

Als der A380 neu auf dem Markt war, hörte man immer von Zwischenfällen, in denen es zu Unfällen am Boden kam. Hat das Problem zum Teil auch mit der Erfahrung der Crew auf einem Flugzeugtypen zu tun?

Wahl: Generell werden Piloten auf jeden einzelnen Flugzeugtyp sehr ausgiebig geschult. Diese Schulung beinhaltet auch die Einweisung in die Rolleigenschaften des jeweiligen Typs und dessen Größe. Natürlich braucht man aber auch ein klein wenig Erfahrung, um mit einem neuen Flugzeugtypen noch besser zurechtzukommen. Das ist wie bei einem neuen Auto: Sicher fahren kann man es jederzeit, aber man muss sich erst noch an die Abmessungen des neuen Gefährts gewöhnen.

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