Die Luftfahrtbranche unterliegt strengen Sicherheitsvorschriften, um die Sicherheit von Passagieren und Crew zu gewährleisten. Besonders im Umgang mit Drogen setzt zum Beispiel die US-amerikanische Luftfahrtbehörde Federal Aviation Administration FAA klare Grenzen, die für alle Mitarbeitenden in sicherheitsrelevanten Positionen gelten, von Pilotinnen über Flugbegleiter bis hin zu Wartungstechniker:innen.
So erlaubt die FAA einen maximalen Blutalkoholgehalt von 0,4 Promille. Mitarbeitende müssen nach dem Trinken von Alkohol mindestens acht Stunden, in manchen Fällen vier Stunden, warten, bevor sie wieder sicherheitsrelevante Aufgaben übernehmen dürfen. Um die Einhaltung zu kontrollieren, führt die FAA regelmäßig zufällige Tests durch, bei denen mindestens 10 Prozent der Belegschaft pro Jahr überprüft werden, und ordnet zusätzliche Tests an, wenn es Hinweise auf Alkoholkonsum gibt. Immer wieder werden dabei trinkende Mitarbeitende entdeckt.
FAA fordert Nachprüfungen bei Alkohol- und Drogenvergehen
Wer bei den speziellen Wiedereinstellungstests durchfällt, muss diese bestehen und sich anschließend weiteren Nachkontrollen unterziehen. Nun hat die US-Luftfahrtbehörde zwei Airlines im Visier, die gegen die Wiedereinstellungsvorschriften verstoßen haben sollen. Den Fluglinien wird vorgeworfen, betroffenen Mitarbeitenden erlaubt zu haben, ihre sicherheitsrelevanten Tätigkeiten wieder aufzunehmen, obwohl nicht alle erforderlichen Folgetests durchgeführt worden waren, schreibt die Nachrichtenagentur Reuters.
Die US-Luftfahrtbehörde FAA hat am Mittwoch (8. April) eine Geldstrafe von 255.000 Dollar (knapp 218.000 Euro) gegen American Airlines vorgeschlagen, teilte die Behörde mit. Der Vorwurf lautet, dass die Fluggesellschaft zwölf Flugbegleitenden, die zwischen Mai 2019 und Dezember 2023 positiv auf Substanzen wie Alkohol, Amphetamine, Kokain, Marihuana und Methamphetamin getestet worden waren, die Rückkehr an ihren Arbeitsplatz ermöglichte, ohne die vorgeschriebenen Nachuntersuchungen durchzuführen.
Auch Southwest soll knapp über 300.000 Dollar zahlen
Die Airline erklärte, dass sie die Mitteilung der FAA prüfe. «Die Sicherheit unserer Kunden und Mitarbeiter hat für uns oberste Priorität. Wir nehmen Drogen- und Alkoholtests sehr ernst und arbeiten mit der FAA zusammen, um etwaige Probleme zu beheben», so die Fluggesellschaft in einer Stellungnahme. American Airlines hat nun 30 Tage Zeit, auf das Schreiben der FAA zu reagieren.
Schon am vergangenen Freitag (3. April) hatte die FAA eine noch höhere Strafe gegen Southwest Airlines angekündigt: Die Billigairline soll 304.000 US-Dollar, rund 260.000 Euro, zahlen, weil elf Mitarbeitende, darunter Cockpitpersonal, Flugbegleiter und Flugzeugmechaniker, zwischen 2021 und 2024 positiv auf Marihuana, Kokain und Amphetamine getestet worden und auch Southwest die vorgeschriebenen Nachuntersuchungen nicht durchgeführt haben soll.
Beide Airlines haben 30 Tage Zeit
«Wir haben bereits vor mehr als zwei Jahren umgehend Maßnahmen ergriffen, um unsere Verfahren zu verbessern und die Aufsicht und Verantwortlichkeit zu stärken» so die Fluggesellschaft, und erklärte, sie nehme ihre Verantwortung für Drogen- und Alkoholtests sehr ernst und stehe weiterhin im Austausch mit der FAA. Auch Southwest hat nun 30 Tage Zeit, der FAA zu antworten.
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