Flughafen Graz«Es fehlt das Kerosin in der Luft»

Für den Flughafen Graz folgte auf das beste Jahr der Geschichte 2020 gleich das schlechteste. Trotzdem blickt das neue Führungsduo optimistisch in die Zukunft nach Corona.

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Laufend steigende Zahlen hätten den Flughafen Graz erfolgsverwöhnt gemacht. Das sagt kein Kritiker, sondern Jürgen Löschnig, im Vorstand für die Finanzen zuständig. Jetzt regiere Krisenmanagement, es gebe Kurzarbeit für alle und eine Ausgabenbremse. Und das schmerze an Corona auch meisten, dass er einen Flughafen managt, der wenig bis keine Passagiere abfertige. «Es fehlt das Kerosin in der Luft.»

Gab es 2019 einen Gewinn von rund sieben Millionen Euro, rechnet Löschnig für 2020 mit einem Verlust von rund vier Millionen Euro. «Trotzdem werden wir keine Gebühren oder Mieten erhöhen, es geht jetzt darum, partnerschaftlich die Krise zu bewältigen». Die Liquidität sei bis Ende 2021 gesichert, betont der Finanzchef des Flughafens Graz weiter. An Staatshilfe für Kurzarbeit, Fixkostenzuschuss und Umsatzersatz rechnet er in Summe mit etwa sechs Millionen Euro. Die Anträge werden erst gestellt.

Flüge in Autostadt Stuttgart

Die Hoffnung liegt jetzt auf dem zweiten Halbjahr. Man sei vorsichtig optimistisch, sagt Löschnigs Vorstandskollege Wolfgang Grimus. Der Sommerflugplan sei mehr oder weniger fixiert. Zumindest was die Ziele betrifft, bei den Frequenzen gebe es noch Fragezeichen.

Linienflüge gibt es in Graz derzeit lediglich nach Wien und Amsterdam. Ab dem Sommerflugplan stehen zusätzlich Frankfurt, München, Zürich und Düsseldorf auf dem Programm. Stuttgart wird von Pro Sky geflogen werden, ein deutsches Bedarfsflugunternehmen, das die Landeshauptstadt Baden-Württembergs zwei Mal wöchentlich mit Graz verbinden wird. Organisiert vor allem für große steirische Industrieunternehmen wie Magna und AVL List, aber auch buchbar für private Reisende.

Klagenfurt, Maribor oder Ljubljana schwächeln

«Stuttgart und Düsseldorf sind wichtig für den Autocluster Steiermark, denn dort sitzen wichtige Kunden und Abnehmer», so Grimus. Auf der Wunschliste des Flughafen Graz stehen London und Paris. Fixiert sei da noch nichts, sagt Grimus, es sei aber wichtig, dass Graz mit den größten Drehkreuzen in Europa verbunden sei. Denn «die Steiermark und die gesunde Industrie seien ein attraktives Ziel mit einer kaufkräftigen Klientel». Einen Vorteil für den Flughafen Graz ortet Grimus auch im Umstand, dass einige Flughäfen im Einzugsgebiet derzeit nicht so gut aufgestellt seien. Wie Klagenfurt, Maribor oder Ljubljana.

Charterdestinationen wird im Sommer in Graz es 15 geben, und zwar nach Griechenland, in die Türkei, nach Mallorca, sowie Korsika, Ägypten, Bulgarien und Kroatien. Die Destinationen sind buchbar, Flughafen-Ko-Chef Grimus rechnet damit, dass Ende Mai, Anfang Juni die Nachfrage wieder anziehen wird. Unvermeidlicher Zusatz: wenn es Corona erlaubt. Ob man nur mit gültigen Corona-Tests oder nur mit Vorweis einer Impfung fliegen können soll oder wird, will Grimus nicht sagen. Das sei Sache der Behörden und der Fluglinien.

2024 zurück auf Vorkrisenniveau

Graz sei aber gerüstet, um das auch umsetzen zu können. Für 2021 erwartet Grimus an die 350.000 Passagiere. Nach 200.000 im Vorjahr, und einer Million 2019. Er hofft, dass 2024 das Vorkrisenniveau wieder erreicht wird.

Die Zeit bis dahin will der Flughafen Graz trotz rigider Ausgabenpolitik nutzen, um zum einen weitere Schritte in Richtung Klimaneutralität zu erreichen, erklärt Löschnig. «Auch bei der Digitalisierung gibt es Luft nach oben», vor allem beim Check-in. Dass die neue, in Bau befindliche Koralmbahn von Graz nach Klagenfurt und Italien zwar am Flughafen vorbeiführt, aber keine Haltestelle vorgesehen ist, will das neue Vorstandsduo nicht einfach hinnehmen. «Dass der Bahnhof Flughafen kommt, betreiben wir ganz intensiv.»

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