Brünn ist nach Prag die zweitgrößte Metropolregion Tschechiens. Im Zentrum Südmährens leben rund 800.000 Menschen. Auch der Flughafen Brünn-Tuřany ist mit knapp 740.000 abgefertigten Passagieren im Rekordjahr 2025 der zweitgrößte des Landes. Das Problem: Rund 80 Prozent der Reisenden gehen auf Charterpassagiere zurück. Nur etwa 20 Prozent entfallen auf den Linienverkehr, und hier dominiert eine Airline: Ryanair. Die Iren sind die einzige Airline, die ganzjährig Linienverbindungen ab Brünn anbietet, schreibt das Portal novinykraje.cz.
Zehn Direktziele werden zur Bedingung
Nun starten die Stadt Brünn und die Region Südmähren einen neuen Versuch. Favorisiert wird jetzt Frankfurt und nicht mehr Amsterdam. Am 27. Juli haben beide eine Ausschreibung veröffentlicht: Gesucht wird eine EU-Fluggesellschaft mit gültigem Luftverkehrsbetreiberzeugnis (AOC) und eigener oder vertraglich gesicherter Wartungsorganisation, die die Strecke nach Frankfurt mindestens viermal pro Woche bedient.
Zudem ist Bedingung, um den Zuschlag zu bekommen, dass die künftige Partnerfluglinie ab Frankfurt Umsteigemöglichkeiten zu mindestens zehn von 15 Zielen anbietet: Amsterdam, Brüssel, Düsseldorf, Hamburg, Hannover, Stuttgart, Zürich, Mailand, Paris, Madrid, Barcelona, Bilbao, Kopenhagen, London und Dublin. Die Städte müssen entweder aus dem eigenen Streckennetz stammen oder per Codeshare mit Durchgangs-Check-in angeboten werden.
Region zahlt bis zu 15.000 Euro pro Rotation
Was bekommt die siegreiche Airline? Zum einen das exklusive Recht auf der Strecke für drei Jahre. Der größte Pluspunkt ist sicher die Förderung: eine finanzielle Kompensation pro Rotation, also pro Hin- und Rückflug, mit der die sonst unrentable Strecke wirtschaftlich gemacht werden soll. Die Höhe dieser Kompensation bestimmt jede Airline in ihrem Angebot selbst, darf dabei aber maximal 15.000 Euro pro Rotation verlangen.
Wer mehr fordert, wird automatisch aus dem Verfahren ausgeschlossen. Unter den verbleibenden Angeboten gewinnt am Ende, wer die niedrigste Summe verlangt, die 15.000 Euro sind also nur die Zulassungsgrenze, kein garantierter Betrag. Sollte in drei Jahren eine andere Airline die Strecke auf eigenes Risiko aufnehmen, endet die Vereinbarung mit der Region Brünn.
Ausschreibung läuft bis Ende September
Die Ausschreibung läuft bis zum 29. September 2026, 10:00 Uhr, danach muss der Flugbetrieb spätestens sechs Monate nach Vertragsunterzeichnung starten. Ein festes Datum nennt die Ausschreibung nicht, das hängt von der Dauer der anschließenden Vertragsverhandlungen ab. Möglich ist das Ganze nur, weil es sich um eine sogenannte Public Service Obligation (PSO) handelt: Die EU erlaubt es Regionen, eine Strecke staatlich zu fördern, wenn sie für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung wichtig ist, sich kommerziell aber allein nicht trägt.
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