Letzte Aktualisierung: um 21:51 Uhr

Abkommen geplant

Bekommt Russland Ersatzteile aus dem Iran?

Russland und der Iran stärken ihre Zusammenarbeit in der Luftfahrt. Dabei soll der Iran auch mit Teilen und Reparaturdiensten helfen. Ob das realistisch ist, bleibt zweifelhaft.

Airbus/Christian Brinkmann

Airbus A320 von Aeroflot: Woher kommen die Ersatzteile?

Durch den russischen Angriffskriegs auf die Ukraine und die folgenden westlichen Sanktionen haben russische Airlines ein Problem: Sie sind von der Luftfahrtindustrie in Europa und den USA abgeschnitten. Zwar haben sie Hunderte im Westen geleaste Airbus- und Boeing-Jets gegen den Willen der Eigentümer behalten und illegal in Russland angemeldet. Doch neue Ersatzteile und technische Unterstützungen gibt es nicht mehr.

Um das Problem mittelfristig zu lösen, hat die russische Regierung Unternehmen bereits erlaubt, Ersatzteile zu kopieren. Doch kurzfristig? Aufgrund fehlender Ersatzteile hat etwa Aeroflot-Tochter Pobeda schon 16 ihrer 41 Boeing 737-800 außer Betrieb genommen.

Abkommen über Teile und Wartungsdienste

Unklar ist nach einem mehrfachen Hin und Her, inwieweit Russland auf Hilfe aus China zählen kann. Derweil gibt es Berichte über eine neue Alternative. So schreibt die iranische Nachrichtenagentur Mehr am 26. Juli, Russland und der Iran hätten beschlossen, ein Kooperationsabkommen zu unterzeichnen.

Ein Sprecher der iranischen Luftfahrtbehörde erklärte gegenüber der Agentur, das Abkommen werde die Möglichkeit bieten, im Iran hergestellte Teile nach Russland zu exportieren. Zudem sollten iranische Einrichtungen Reparatur- und Wartungsdienste sowie technische Unterstützung für Flugzeuge aus Russland bieten.

Was kann der Iran überhaupt bieten?

Weiter unterzeichneten die beiden Ländern eine Absichtserklärung, um die Zahl der wöchentlichen Passagierflüge zwischen Russland und dem Iran auf 35 anzuheben. Ebenfalls sind demnach Frachtflüge zwischen den Staaten ohne Begrenzung gestattet.

Unklar ist, was der Iran Russland tatsächlich bieten kann. Zwar hat das Land im Angesicht von jahrelangen Sanktionen eigene Reparatur- und Wartungskompetenz aufgebaut. Immer wieder gibt es auch Spekulationen über die mögliche Eigenproduktion von Ersatzteilen.

Selber Probleme mit Ersatzteilen

Allerdings beklagte der iranische Airline-Verband Ende 2021, dass rund die Hälfte der Passagierflieger im Land nicht betriebsbereit sei, da es an Ersatzteilen fehle, besonders bei den Triebwerken. Im Januar 2022 drohte der Chef der iranischen Luftfahrtbehörde, Mohammad Mohammadi Bakhsh, dann damit, Airbus und ATR zu verklagen. Er warf den Flugzeugbauern vor, keine Ersatzteile an iranischen Fluglinien zu liefern, obwohl dies vor der erneuten Verhängung der US-Sanktionen 2018 vertraglich vereinbart worden sei.