Szene aus Porco Rosso: Der Kriegsverweigerer legt lieber Luftpiraten das Handwerk.

FilmtippWenn Schweine fliegen können

Es braucht nicht immer teure Luftaufnahmen oder Grafikeffekte, um Flugzeuge schön in Szene zu setzen. Dies zeigt der Zeichentrickfilm Porco Rosso.

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Wer die Filme von Hayao Miyazaki kennt weiß, dass der japanische Regisseur ein Faible für alles hat, was sich der Schwerkraft widersetzen kann. Sei es im Oscar-prämierten «Chihiros Reise ins Zauberland», oder in «Kikis kleiner Lieferservice» oder in «Das Schloss im Himmel»: Fast keiner seiner Anime-Klassiker kommt ohne einen magisch in Szene gesetzten Flug aus.

Ganz ohne Zauberkraft - zumindest in Sachen Fluggeräte - geht es im 1992 veröffentlichten «Porco Rosso» zu. Seit vergangenem Monat ist der Film auf dem Streamingportal Netflix zu sehen. Dort schickt Miyazaki den schweinsköpfigen Piloten Marco Rossellini in einem roten Wasserflugzeug in die Luft. Um dem faschistischen Italien der späten 1920er-Jahre zu entfliehen, macht der ehemalige Weltkriegspilot über dem Mittelmeer Jagd auf Luftpiraten. Dabei muss er lernen, sich der jungen und ehrgeizigen Flugzeugkonstrukteurin Fio anzuvertrauen.

Oldtimer als Vorbilder

Das klingt insgesamt ein wenig verrückt und ist es auch. Doch wer sich auf den Film einlässt, wird schnell merken, dass Porco Rosso allen voran eine liebevoll gezeichnete Hommage an den frühen Flugzeugbau ist - sowie an den italienischen Lebensstil. Dies wird vor allem in einer Szene deutlich: Bevor sich die Mitarbeiterinnen einer kleinen Flugzeugmanufaktur in Mailand an ihre Arbeit machen, wird in der Hinterhofwerkstatt in aller Selbstverständlichkeit Pasta und Rotwein aufgetischt.

Zuschauer dürfen sich vor allem über schön in Szene gesetzte Flugzeuge freuen. Viele der gezeigten Flieger sind von historischen Flugzeugen inspiriert. Rossellinis roter Wasserflieger lässt sich beispielsweise als eine Mischung aus Savoia S.21 und Macchi M.33 beschreiben. In einer Curtiss R3C ist währenddessen sein Erzrivale unterwegs. Der Name des Gegenspielers ist klar eine Hommage an den früheren Flugzeughersteller aus Amerika: Glenn Curtiss.

«Lieber Schwein als Faschist»

Porco Rosso war ursprünglich als Kurzfilm für das Bordunterhaltungsprogramm von JAL Japan Airlines gedacht. Obwohl aus dem Anime trotzdem ein Kinofilm in voller Länge wurde, zeigte die Fluglinie als Hauptgeldgeber den Film dennoch auf ihren Flügen.

Die Handlung des Films sollte eigentlich in Kroatien stattfinden. Aufgrund des Ausbruchs des Jugoslawienkrieges 1991 verlegte Miyazaki die Geschichte nach Italien. Der Regisseur distanziert sich mit dem Film nicht nur deshalb vom Krieg (die Hauptfigur schießt etwa nur auf Gegenstände, nicht auf Menschen), sondern auch vom Faschismus: «Ich bin lieber ein Schwein als ein Faschist», erklärt die Hauptfigur an einer Stelle.

Verarbeitung der Familiengeschichte

Für den Filmemacher hat diese Haltung einen sehr persönlichen Hintergrund. Der Vater Miyazakis war Luftfahrtingenieur. Dessen eigenes Unternehmen stellte während des Zweiten Weltkrieges Teile für japanische Kampfflugzeuge her. Dies beflügelte zwar Miyazakis Faszination für das Fliegen, brachte den erklärten Pazifisten wegen seiner Abscheu gegen das damalige faschistische Kaiserreich Japans aber auch moralische Bedenken.

Sein zwiespältiges Verhältnis zum Flugzeugbau verarbeitete Miyazaki 2013 nochmals in einem Film. In «Wie der Wind sich hebt» porträtiert der Regisseur das Leben des japanischen Flugzeugkonstrukteurs Jirō Horikoshi. Als Entwickler der Jagdflugzeuge Mitsubishi A5M und A6M prägte dieser während des Zweiten Weltkrieges maßgebend die Aufrüstung der kaiserlichen Streitkräfte Japans mit.

Sehen Sie in der oben stehenden Bildergalerie Aufnahmen aus dem Film Porco Rosso, der derzeit auf dem Streamingportal Netflix zu sehen ist.

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