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Stelios Haji-Ioannou

Fehde zwischen Easyjet und Gründer eskaliert

Rücktrittsforderungen, Kritik an einer Bestellung, Dividendenforderung: Easyjet hat es mit ihrem Gründer nicht leicht. Um den Druck zu lindern, beschafft sich die Billigairline Geld.

Easy Group

Easyjet-Gründer Stelios im Jahr 1995: Inzwischen ist er nur noch Großaktionär.

Ein angenehmer Teilhaber ist Stelios Haji-Ioannou nicht. Das hat man bei Easyjet im Laufe der Jahre immer wieder bemerkt. Der britische Unternehmer und Spross einer griechisch-zypriotischen Reederfamilie äußerte sich immer wieder, wenn die Billigairline wichtige Entscheidungen treffen musste. Und das medienwirksam.

Dass er Großaktionär der Airline ist, ist wenig verwunderlich: Immerhin hat er sie 1995 selbst gegründet. Mittlerweile ist Stelios, wie es sich selbst nennen lässt, mit 34 Prozent größter Einzelaktionär von Easyjet. Und in den vergangenen Wochen schaffte er es im Vereinigten Königreich fast täglich mit markigen Aussagen in die Medien.

Eine Rücktrittsforderung nach der nächsten

So forderte er etwa den Rücktritt von Finanzchef Andrew Findlay und den Rauswurf des deutschen Aufsichtsratsmitgliedes Andreas Bierwirth. Easyjet ging auf die Forderungen nicht ein, was Stelios zu mutigen Aussagen zur finanziellen Lage des Unternehmens bewegte. Dass man nicht über Bierwirths Posten abstimme, sei ein «schmutziger Trick».

Er werde jedes Mal, wenn eine Abstimmung verhindert wird, den Rücktritt eines weiteren Aufsichtsratsmitgliedes fordern, sagte er laut der Zeitung Financial Times. Und dann schob er in einem offenen Brief Anfang der Woche nach, dass Easyjet im August das Geld ausgehen dürfte – eine Aussage, den Kurs der Aktien nicht gerade befeuerte.

Airbus-Bestellung ist Stelios Dorn im Auge

Hintergrund der Fehde des Gründers mit der Airline ist eine Bestellung bei Airbus im Wert von 4,5 Milliarden Euro. Stelios fordert, dass Easyjet diese jetzt annulliert. Airbus hatte bereits erklärt, dass man daran arbeite, die Zahlungen für die Bestellung zu verschieben und zu reduzieren. Doch das ist dem Gründer nicht genug. Er will, dass Easyjet ganz verzichtet.

Ohne die Verbindlichkeiten durch die Order könne die Airline auch ganz ohne Staatshilfen überleben, so der Investor. Easyjet argumentierte stets, dass man bei den Plänen die langfristige Strategie im Blick behalte. Eine außerordentliche Aktionärsversammlung lehnt die Airline ab, weil sie verhindere, dass man sich auf derzeit dringlichere Dinge konzentrieren könne.

Easyjet hat sich Geld beschafft

Um den Druck durch  Stelios zu mildern, hat Easyjet gehandelt und sich Liquidität beschafft. 600 Millionen Pfund erhält die Fluggesellschaft aus einem Corona-Krisenfonds des Vereinigten Königreichs. Zudem holt sie sich weitere 500 Millionen Dollar von Banken.

Damit hat Easyjet nun 2,3 Milliarden Pfund an Liquidität- mehr als viele andere Fluggesellschaften. Stelios kann sich erst einmal nicht mehr beschweren. Die Situation sehe nun natürlich anders aus, erklärte ein Sprecher von Stelios der Financial Times denn auch. Dennoch halte man daran fest, dass die Airbus-Order nicht gut für die Unternehmensstrategie sei und gecancelt werden müsse.

Gewinn stetig gestiegen

Es ist nicht das erste Mal, dass ein Streit über eine Airbus-Bestellung eskaliert. Schon 2010 wetterte Stelios gegen eine Bestellung von 59 Flugzeugen von Airbus. Das Management halte daran fest, die Flotte immer weiter mit neuen Fliegern zu vergrößern, so Stelios damals. Dabei führe das nicht zu mehr Gewinnen oder mehr Wert für die Aktionäre.

Doch die Mehrheit des Aufsichtsrats stand hinter der Strategie des Managements. Stelios zog sich aus dem Gremium zurück und war von da an nur noch Aktionär.  Ob der Geschäftsmann mit seiner Kritik an Easyjets Wachstumsstrategie recht hatte, sei dahin gestellt. 2010 erwirtschaftete die Airline einen Vorsteuergewinn von rund 154 Millionen Pfund. 2019 waren es 430 Millionen.

Scharf auf Dividende

Das zeigt auch: Haji-Ioannou tut all das nicht nur, weil ihm «seine» Easyjet und deren gesundes Wachstum am Herzen liegt. Wichtig ist ihm vor allem auch die Ausschüttung der Dividenden, das machte er bereits in der Vergangenheit klar. Immer wieder pöbelte er an Hauptversammlungen gegen deren Expansionspläne und forderte stattdessen höhere Ausschüttungen.

Damit hatte er irgendwann Erfolg, die Ausschüttungsquote wurde auf 50 Prozent erhöht. In der Regel liegt sie in der Branche zwischen 20 und 30 Prozent. Für 2019 schüttete die Airline Stelios 60 Millionen Pfund an Dividenden aus. Insgesamt gab es für die Aktionäre 174 Millionen Pfund.

Auch in Afrika Streit mit der eigenen Airline

Auf die Dividende angesichts der Krise zu verzichten, sei überhaupt keine Option, so der Gründer. Er werde sicherlich nicht 60 Millionen an Easyjet spenden, damit die dann an Airbus weitergegeben würden. «Ich spende viel an wohltätige Organisationen, aber sicher nicht an Airbus», wetterte er.

Easyjet ist übrigens nicht die einzige Fluggesellschaft, die mit Aktionär Stelios zu kämpfen hat. 2012 gründete er die panafrikanische Billigairlinegruppe Fastjet. Bei der lief es allerdings nicht wirklich gut, zeigt ein Blick auf die Schlagzeilen von aeroTELEGRAPH der vergangenen Jahre: «Fastjet braucht mehr Geld», «Fastjet rettet sich in letzter Sekunde», «Fastjet braucht schon wieder Geld» – das ist nur eine Auswahl. Und dazwischen meldete sich immer wieder auch Großaktionär und Gründer Stelios zu Wort.

Immer hart an der Pleite vorbei

In offenen Briefen wetterte er gegen das Management und bezeichnete es als unfähig – mit der Folge, dass es mit dem Aktienkurs der Fluggesellschaft immer weiter bergab ging. Ob und wie Stelios‘ zweites Airline-Baby die aktuelle Krise überlebt, ist unklar. Schon vor dem Ausbruch der Pandemie wurde bekannt, dass Fastjet sich erneut in Finanznot befindet und die Tochter in Zimbabwe verkaufen möchte.

Sollte es nicht gelingen, mithilfe des Verkaufes die Finanzen aufzubessern, würden die Reserven nur bis Ende März reichen. Dann müsse Fastjet den Betrieb einstellen. Dieses Ultimatum ist mittlerweile verstrichen.



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