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Flieger-Arzt

Dr. Airbus und seine Ordination

Martin Dichler zu Besuch in der wohl kuriosesten Arztpraxis Österreichs

Mit
Martin Dichler

Dr. Wolfgang Haberler

Ich spaziere vorbei an zahlreichen Flugzeugbildern, die die Wände der Räumlichkeiten schmücken. Beim Empfang werde ich von einer freundlichen Dame begrüßt und meine persönlichen Daten werden registriert. Nach dem Check-In nehme ich in einem der gemütlichen Flugzeugsessel Platz. Das Bordmagazin einer renommierten Fluggesellschaft verkürzt mir meine Wartezeit, bevor ich schlussendlich aufgerufen werde. Wer jetzt glaubt, dass ich mich zu Besuch bei einer Fluggesellschaft befinde, bzw. in Kürze irgendwo hin fliegen werde, der irrt! Ich sitze in der vermutlich kuriosesten und zugleich sympathischsten Arztpraxis Österreichs.

Dr. Wolfgang Haberler ist Facharzt für Innere Medizin und Flottenchef einer knapp 1.300 Stück umfassenden Flugzeug(modell)flotte, deren Heimatbasis  sich in den Ordinationsräumen im dritten Wiener Gemeindebezirk befindet. Martin Dichler sprach mit dem enthusiastischen Luftfahrtfreund über seine Leidenschaft zur Fliegerei und wie er auf die Idee kam, aus seiner Ordination ein Mekka für Luftfahrtfreunde zu machen.

Zu Beginn gleich einmal eine simple Einstiegsfrage: Airbus oder Boeing?

Ganz klar Airbus, weil ein Europäer!

Wie kam es zu ihrem Bezug zur Luftfahrt?

Es begann als kleines Kind, als mir mein Vater zur Belohnung für die verschiedenste Dinge, wie z.B. meine ersten selbst gebundenen Schuhe oder gute schulische Leistungen, einen Besuch am Flughafen Wien in Aussicht stellte. Die gemeinsamen Ausflüge und das Interesse an der Luftfahrt und dem Flughafen Wien wurden im Laufe der Zeit immer mehr.

Und trotzdem sind Sie Arzt und nicht Pilot geworden!

Ja das stimmt, ich bin Arzt für Interne Medizin geworden und war bis 1999 auch im Spital St. Elisabeth tätig. Seit 22 Jahren habe ich eine eigene Ordination und biete ein breit gefächertes Angebot der inneren Medizin an ohne Spezialisierung auf ein bestimmtes Thema.

Das Ambiente ihrer Ordination erinnert eher an einen Flughafen, als an eine Ordination. Wie kam es zu der Idee so viele Flugzeugmodelle auszustellen?

Ursprünglich habe ich gar keine Flugzeugmodelle gesammelt. Aber zu Beginn meiner Ordination habe ich als Luftfahrtbegeisterter von der Tochter eines ganz lieben Freundes ein AUA MD-80 Model geschenkt bekommen. Ich habe dieses dann auf meinen Schreibtisch gestellt und weil mir die Modelle so gut gefallen haben, kamen weitere hinzu. In den ersten Jahren hat sich die Zahl dann kontinuierlich vergrößert, bis meine Bedienerin gemeint hat, dass die Pflege der Modelle auf meinem Schreibtisch schön langsam zu viel Arbeit macht.

Währenddessen hatten aber auch meine Patienten die Veränderungen in meiner Ordination mitbekommen und mir von ihren Flugreisen immer wieder zusätzliche Exponate mitgebracht. So hat sich das mit den Modellen rumgesprochen und meine Sammlung ist immer größer und größer geworden.

Wie groß ist ihre Sammlung heute?

Inzwischen sind es in etwa 1.300 Modelle geworden, die ich nun in meinen Vitrinen ausstelle.

Und welches davon ist ihr persönliches Lieblingsmodell?

Zweifelsohne ist die Tupolev 154 mein Lieblingsflugzeug und da ich ein sehr farbenfroher Mensch bin, gefällt mir die russische S7 Airlines Tupolev mit ihrer knallgrünen Bemalung besonders gut. Ich liebe den Sound der TU-Motoren und erinnere mich noch gerne an meine Besuche in Salzburg zurück, wo ich die Tupolevs sehr oft bewundern durfte.

Was sagen ihre Patienten eigentlich zu den vielen Modellen und der einzigartigen Ausstattung ihrer Ordination?

Die meisten, die sich dazu äußern, finden es sehr witzig. Die, die es weniger gut finden, halten sich mit ihrer Meinung eher zurück. Es beginnt schon draußen im Wartebereich mit meinen Flugzeugsesseln. Viele meiner älteren Patienten sind noch nie mit einem Flugzeug geflogen und freuen sich, wenigstens einmal in einem Flugzeugsessel Platz genommen zu haben. Die Airbus-Sitzreihe habe ich zu meinen 50er bekommen und heute kann ich meinen Patienten das Service einer Billigfluggesellschaft anbieten: “ Ein kostenloses Glas Wasser aber mit bedeutend mehr Sitzabstand“.

Gab es schon lustige Patientengeschichten beim Thema ihrer Sammelleidenschaft?

Ja, ich sammle neben meinen Modellen ja auch noch Safety Cards! In den letzten Jahren habe ich so hunderte Karten von meinen Patienten bekommen, die ständig rund um die Welt fliegen. Einmal kam ein Patient zu mir und meinte, dass er wegen meiner Sammelleidenschaft fast in Haft gekommen wäre. Auf einem Flug nach Australien habe er von der Safety-Card-Leidenschaft seines Internisten einer Flugbegleiterin erzählt, worauf diese sich scherzhaft nach dem Namen des Doktors erkundigt hat, um ihn auf ihre Airline-Blacklist zu setzen. Ein anderes Mal hat eine Patientin davon gesprochen, dass Sie keine weiteren Karten mehr von ihren Urlaubsflügen mitnehmen darf, weil sich ihr Gatte jedes Mal so sehr für Sie geniere!

Ihre persönliche Lieblingsdestination, wenn Sie selbst auf Reisen gehen?

Zweifelsohne Griechenland! Ich habe schon alle möglichen Inseln bereist und bei jeder meiner Aufenthalte wie zuletzt in Korfu oder Santorini, genehmige ich mir in Absprache mit meiner Gattin einen Tag am Flughafen zum Fotografieren.

Abschließend noch eine medizinische Frage an Sie als Doktor meines Vertrauens: Wie behandle ich am besten ständiges Fernweh?

Bei Fernweh? Schnell ein Flugticket kaufen und am direkten Weg zum Wiener Flughafen fahren.

Dr. Haberler nimmt derzeit leider keine neuen PatientInnen auf.



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