Letzte Aktualisierung: um 22:35 Uhr

Birgir Jonsson, Play

«Der Airbus A321 XLR ist für Play hochinteressant»

Erst war das neue Modell von Airbus kein Thema für die isländische Airline, jetzt ist es interessant. Play-Chef Birgir Jonsson erklärt im Interview, warum er den A321 XLR anschaut, wie es mit den USA-Flügen läuft und was er in Deutschland vorhat.

Play/aeroTELEGRAPH

Birgir Jonsson: «Bevor wir zum Beispiel etwas wie Wien in den Flugplan aufnehmen, schauen wir lieber andere Destinationen an»

Play ist mit einem Alter von 15 Monaten jung – und ein Corona-Baby. Wie lief der Start? Sind Sie da, wo Sie hinwollten?
Birgir Jonsson: Uns geht es ziemlich gut. Covid hat uns länger beschäftigt, als wir erwartet hatten. Und dann kam die Invasion der Ukraine mit den Folgen für den Ölpreis. Es war sicherlich ein holpriger Start, aber das haben wir auch antizipiert, als wir unsere Finanzplanung erstellt haben und an die Börse gingen.

Läuft es besser oder schlechter als erwartet?
Ich kann nicht unbedingt sagen, dass es besser läuft. Aber es ist zumindest auch nicht schlechter. Und das ist im aktuellen Umfeld ziemlich gut. Wir haben ein großes Ziel erreicht, nämlich ein Drehkreuzmodell für USA-Flüge aufzubauen. Unser Ladefaktor dort beträgt fast 90 Prozent, die Pünktlichkeit hat einen ähnlich hohen Wert. Das ist fantastisch. Wir erwarten, in der zweiten Jahreshälfte in die schwarzen Zahlen zu kommen.

Und das trotz des hohen Kerosinpreises?
Wir verfolgen eine Hedging-Strategie. Allerdings noch nicht so lange. In den ersten 12 Monaten waren Nachfrage und Ölpreis so volatil, dass es keinen Sinn gemacht hätte. Wir wollten keinen Treibstoff kaufen, den wir dann nicht nutzen. Seit es etwas stabiler ist, haben wir mit dem Hedging begonnen, auch wenn der Preis schon hoch war.

Für wie viel Treibstoff haben Sie denn frühzeitig Optionen gekauft?
Es ist beim Hedging immer so: Entweder sind Sie ein Idiot oder ein Gewinner. Wir sind daher sehr vorsichtig. Kurzfristig sind 30 Prozent unseres Bedarfs über Optionen gedeckt. In ein paar Monaten sind es dann noch 15.

Island ist ein kleines Land. Und dafür haben wir eine gar nicht so kleine Firma.

Können Sie als Fluggesellschaft mit Ihrer Größe überhaupt mehr machen? Gerade wenn es um den Kauf von Treibstoff geht, hilft es, zu einer großen Gruppe zu gehören.
Vergessen Sie nicht: Island ist ein kleines Land. Und dafür haben wir eine gar nicht so kleine Firma. Hier am Flughafen sind wir nicht unwichtig. Wir sind Abnehmer von einer ziemlich substanziellen Menge Treibstoff.

Aktuell gehören drei Airbus A320 Neo und drei Airbus A321 Neo zu Ihrer Flotte. Ihr Ziel war, 2025 15 Flugzeuge zu zählen. Und dann nicht mehr zu wachsen. Bleibt es dabei?
Noch arbeiten wir immer noch nach diesem Businessplan. Vier weitere Flugzeuge kommen noch diesen Winter an, wir werden sie aber erst ab dem Frühjahr nutzen. Dann wird unsere Flotte zehn Flugzeuge groß sein. 15 im Jahr 2025 ist weiterhin der Plan. Und dann müssen wir uns alles ansehen und entscheiden, ob wir einen größeren Schritt machen oder nicht.

Wie viele Flieger mehr könnten Sie sich vorstellen?
Bei unserem Drehkreuzmodell in Island dreht sich alles darum, wie viele Flugzeuge wir am Morgen hier abfertigen können. Wenn wir eine zweite Reihe Verbindungen einführen wollen, brauchen wir also mehr als ein oder zwei zusätzliche Flugzeuge. Eher fünf oder sechs. Und dann müssen wir schauen: Wollen wir mehr vom selben Modell? Oder schauen wir uns den Airbus A321 XLR an?

Und – schauen Sie ihn sich an?
Der A321 XLR würde uns eine ganze Reihe interessanter Märkte eröffnen – zum Beispiel Los Angeles. Das wurde ab Island zwar schonmal angeflogen, aber halt mit einem Langstreckenflugzeug. Das war wenig ertragreich. Der A321 XLR ist dafür hochinteressant.


Airbus A321 von Play. Bild: aeroTELEGRAPH

Das heißt, er wäre eine Option, aber erst nach 2025?
Ja. Und um ehrlich zu sein glaube ich auch nicht, dass man vorher die nötige Anzahl der Flieger bekommen könnte.

Sie könnten mit den A321 Neo schon jetzt weiter westlich kommen, als sie aktuell fliegen. Kommt da noch was?
Die Reichweite ist da – etwa für Ziele wie Chicago. Aber es gibt auch eine Zeitkomponente zu beachten. Wir nutzen die Flieger in 24-Stunden-Zyklen. Und in dieser Zeit können wir Chicago nicht bedienen.

Wie sind bei Ihnen die Anteile der Umsteigepassagiere und derjenigen die nach Island fliegen?
Etwa ein Drittel steigt um, ein Drittel fliegt nach und eines fliegt ab Island.

Ist das im Winter auch so? Dann kommen doch sicher nicht so viele Touristinnen und Touristen ins Land.
Dann ändert sich das. Aber das ist genau unsere Stärke. Wir können schnell reagieren die Destinationen anpassen.

Zum Beispiel mit Skidestinationen wie Genf und Salzburg?
Genau. Das sind für uns reine Winterziele, die hauptsächlich von Isländerinnen und Isländern gebucht werden, die Ski fahren wollen. Viele gute Skigebiete sind dort ganz in der Nähe und die Nachfrage ist groß. Wir bieten das eher kurz an, 6 bis acht Wochen, aber es ist eine Art, den Winter zu überbrücken.

Frankfurt ist ganz oben auf meiner Liste.

Nach Berlin sind Sie schon von Beginn an geflogen. Sie haben aber auch immer von Frankfurt gesprochen.
Berlin war immer sehr gut zu uns. Und Deutschland ist ein unglaublich wichtiger Markt. Touristen aus Deutschland waren schon immer eine der Hauptgruppen, die nach Island kamen. Wir werden also definitiv schon bald mehr Destinationen in Deutschland anbieten.

Das heißt, es geht nicht nur um Frankfurt?
Frankfurt ist ganz oben auf meiner Liste. Es ist ein großer Flughafen und da geht es hauptsächlich um Slots, und wie wir das zusammenpuzzeln können, um mit unserer Strategie vereinbar zu sein.

Und wie sieht es mit neuen Zielen in Österreich und der Schweiz aus?
Ganz ehrlich – das ist nicht so dringend wie Deutschland. Die Schweiz und Österreich sind als Skidestinationen interessant, aber bevor wir zum Beispiel etwas wie Wien in den Flugplan aufnehmen, schauen wir lieber andere Destinationen an.

Ihr Geschäftsmodell als Billigairline mit Umsteigeflügen zwischen Nordamerika und Europa ist nicht ganz neu. Wow Air hatte ein ziemlich ähnliches – und ist damit gescheitert.
Das stimmt genau – das Geschäftsmodell war dasselbe – das von Islandair gleicht dem übrigens auch. Viele von uns bei Play haben auch bei Wow Air gearbeitet. Ich etwa war stellvertretender Geschäftsführer. Und ganz ehrlich: Es ging bei Wow Air wirklich gut, bis man ein paar Fehler machte.

Haben Sie Tätowierungen? Dann zeigen Sie sie. Haben Sie lange Haare? Tragen Sie sie, wie Sie wollen.

Welche denn?
Sie haben angefangen, mit Großraumflugzeugen zu fliegen. Nach Los Angeles oder Indien zum Beispiel. Das werden wir nie machen, weil das eine ganz neue Komplexität ins Geschäft bringt. Außerdem gehörte die Firma einem Mann, war also weniger breit finanziert als wir, die an der Börse notiert sind. Zu unseren rund 3000 Eignern gehören Banken, Versicherungen, strategische Investoren. Wir sind Wow also sicher ähnlich. Aber wir feiern das, was dort toll war und versuchen, die Fehler zu vermeiden.

Play erregte viel Aufsehen mit den lockeren Uniformen. Auch die Cockpit-Crews tragen Sneaker und T-Shirts. Das lieben viele Leute – einige kritisieren es aber auch und wünschen sich mehr Seriosität. Was antworten Sie den Kritikern?
Es ist so eine kulturelle Sache: Island ist ein skandinavisches Land. Wir sind offen und wollen, dass alle die beste Version von sich selbst sein können: Haben Sie Tätowierungen? Dann zeigen Sie sie. Haben Sie lange Haare? Tragen Sie sie, wie Sie wollen. Wir schreiben das Jahr 2022. Natürlich muss man gepflegt sein. Aber wenn die Leute sich wohlfühlen und im Auftreten professionell sind, ist das alles, was zählt.

Meinen Sie, dass es jemals wieder eine Planungssicherheit geben wird wie vor der Pandemie?
In unserem Geschäft ist immer etwas los. Vielleicht ist es jetzt ein paar Monate stabil, aber dann passiert wieder irgendetwas. Sie gehen am Freitag heim, kommen am Montag ins Büro und alles ist anders. Das ist aber auch das schöne an der Luftfahrtbranche: Es gibt keine Planungssicherheit. Jeder der in der Branche arbeitet, ist eigentlich komplett verrückt.

* Birgir Jónsson sammelte vor seiner Ernennung zum Chef von Play in vielen Branchen Managementerfahrung. Er war Regionaldirektor des Orthopädiekonzerns Össur in Asien, Chef der Fluggesellschaft Iceland Express und später stellvertretender Chef von Wow Air. Er lebte und arbeitete zuvor in Rumänien, Bulgarien und Ungarn, wo er Chef des Druckunternehmens Infopress Group war. Er war auch Chef von Iceland Post. Er besitzt einen MBA der University of Westminster in London und einen BA (Hons) der University of the Arts London.