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Flughafen Atlanta

Airlines und Flughäfen versuchen, Autisten zu helfen

Delta richtet am Flughafen Atlanta einen Raum für mit Autismus diagnostizierte Reisende ein. Auch andere Airlines und Flughäfen setzen sich langsam mit den besonderen Anforderungen autistischer Passagiere auseinander.

Delta

Autismus-Initiative von Delta Air Lines: Betroffene und ihre Familien erkunden ein Flugzeug von innen.

Ein Kasten voller bunter Bälle, eine sprudelnde Wasserskulptur und ein interaktives Bildschirmspiel – ein ganzer Raum voller Entspannungsmittel steht jetzt in Atlanta Hartsfield-Jackson International Airpot für von Autismus betroffene Passagiere bereit. Diese Stationen, vom Flughafen Atlanta gemeinsam mit der US-Airline Delta zur Verfügung gestellt, können Menschen mit Autismus helfen, ihr Gleichgewicht vor dem Abflug wiederzufinden.

Für Menschen, die wegen Autismus besonders auf Reize wie Lichter, Geräusche und Gerüche reagieren, sind Reisen im Flugzeug besonders stressig. «Wir wollen sicherstellen, dass unsere Kunden, die mit Kindern auf dem Autismus-Spektrum reisen, den Flughafen in einem angenehmen Umfeld erfahren können», sagt Jon Edwards, der für Delta am Flughafen Atlanta für den Kundenservice verantwortlich ist.

Autismus wird ein immer größeres Thema für Fluggesellschaften. Und es wurde zu lange ignoriert. United Airlines schrieb vor einem Jahr Schlagzeilen, als die Crew eines Fluges von Orlando nach Portland sich zur Notlandung in Salt Lake City entschloss, um die Familie eines 15jährigen autistischen Mädchens, das in Panik verfallen war, von Polizisten von Bord geleiten zu lassen. Für die Behandlung der Familie wurde die Airline heftig kritisiert.

«Noch immer verfügen die meisten Flughäfen und viele Fluggesellschaften nur über mangelhaftes Wissen über Autismus», so Jonah Weinberg, Direktor der Autism Society von Minnesota, der eine Initiative am Flughafen von Minneapolis gestartet hat. «Sie wissen nicht, wie man Familien mit einem autistischen Kind zur Seite stehen kann.»

Dankbare Passagiere

Ein positives Beispiel dafür, wie man mit autistischen Passagieren umgeht, ist die Airline Jetblue. Die Fluggesellschaft schult ihre Mitarbeiter und gibt betroffenen Familien schon bei der Buchung Gelegenheit, auf Autismus und spezifische Sonderwünsche hinzuweisen. «Danke von einer ohnehin überwältigten, müden und jeden Tag für ihren Sohn kämpfenden Mama», schrieb Shawna Wingert auf ihrem Blog – der Post wurde mehr als 8000 Mal geteilt und von Medien aufgegriffen.

Anders als bei anderen Fluggesellschaften habe sie mit ihrem elfjährigen Sohn das Flugzeug als erste betreten dürfen, so dass er keine Durchsagen anhören musste. Und als er einen Wutanfall zu bekommen drohte, weil sein gewünschtes Getränk nicht an Bord zu haben war, entgegnete der Steward gelassen, er könne sich ganz in Ruhe überlegen, was er sonst haben möchte – es gäbe keine Eile. «Ruhe und Freundlichkeit helfen meinem Sohn, gelassen zu bleiben», so Wingert.

Mitarbeiter mit autistischen Familienmitgliedern halfen bei Delta

Bei Delta halfen schon vor der Eröffnung der neuen Lounge Mitarbeiter, die autistische Familienmitglieder haben, ein entsprechendes Angebot zu schaffen. Delta-Pilotin Andrea Ratfield hat einen sechsjährigen Sohn, der vor vier Jahren mit Autismus diagnostiziert wurde. Sie hilft jetzt bei der Initiative «Navigating Autism» und zeigt Familien zur Vorbereitung eines Flugs das Cockpit, die Sitzreihen, den Sicherheitsprozess – und beantwortet geduldig alle Fragen: «Wir bringen die Familien durch den Flughafen in ein echtes Flugzeug, so dass sie sich ein ganz realistisches Bild machen können. Das nimmt viele Ängste.»

Die Organisation The Arc bringt solche Entdeckungstouren innerhalb der USA an verschiedene Flughäfen. Ähnliche Programme bieten die Flughäfen Newcastle und Manchester in Großbritannien.



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