Die Privatluftfahrt boomt. Erst im vergangenen September hat das Beratungsunternehmen Jetnet die Auslieferungsprognose für die kommenden zehn Jahre angepasst und von 8644 Jets auf 9700 Jets erhöht. Jetnet-Chef Roland Vincent schätzt, dass im Jahr 2035 rund 30.400 Business-Jets unterwegs sein werden.
Dabei hat sich die Käuferstruktur stark verändert. Schon 2024 sagte der wohl bekannteste Flugzeugverkäufer und Social-Media-Star Steve Varsano, dass man nicht am Aussehen nicht mehr ablesen könne, wer der Käufer ist und wer nicht: „«Früher war klar, dass der Mann im Anzug und mit Krawatte der Käufer war. Heute ist es der Typ in abgerockten Jeans und T-Shirt». Und eines fällt noch auf: Die Nutzenden werden immer jünger.
Generation Y hat den Kauf für sich entdeckt
Wer heute auf einen eigenen Jet zurückgreifen möchte, dem stehen mittlerweile verschiedene Wege offen. Neben dem klassischen Kauf eines Flugzeugs und dem Chartern eines Jets für bestimmte Strecken hat sich seit den 1980er-Jahren mit dem sogenannten Fractional Jet Ownership eine weitere Option etabliert: eine Art Teilbesitz an Privatjets. Jeder Eigentümer erwirbt dabei einen Anteil und erhält dafür das Recht auf eine bestimmte Anzahl an Flugstunden pro Jahr.
Wertverlust, Hangarmiete, Personalkosten: Die versteckten Kosten eines Privatjets
Doch ab welchem Zeitpunkt lohnt es sich, mehr Teilbesitzer oder Eigentümer eines Privatjet zu werden? Das Portal Fractionaljetownership hat die realen Kosten beider Modelle berechnet, um festzustellen, unter welchen Voraussetzungen sich welches Modell besser rechnet.
Laut Analysen des Portals spielt der Anschaffungspreis bei der Kaufentscheidung für Businessjets eine untergeordnete Rolle. Kevin O’Leary, Präsident von Jet Advisors, schätzt den jährlichen Wertverlust eines Businessjets auf fünf bis sieben Prozent – unabhängig davon, ob es sich um einen Cirrus Vision Jet oder eine Boeing 747-8 BBJ handelt. Entscheidend ist: Der Wertverlust hängt nicht maßgeblich von der Flugstundenzahl ab, sondern tritt auch dann ein, wenn das Flugzeug selten genutzt wird.
Ab 400 Flugstunden pro Jahr lohnt sich der eigene Businessjet
Neben dem Kaufpreis entstehen jährliche Fixkosten – von der Hangarmiete über Versicherungen bis hin zu Personalkosten. Diese fallen an, unabhängig davon, ob das Flugzeug 10 oder 500 Stunden pro Jahr fliegt. Aus der Summe aller Fixkosten ergibt sich der Preis pro Flugstunde, der je nach Größe und Komplexität des Flugzeugs stark variiert.
In der Analyse kommt fractionaljetownership.com auf einen ähnlichen Wert, wie die National Business Aviation Association, kurz NBAA. Ein eigener Businessjet wird wirtschaftlich attraktiv, sobald er mehr als 400 Flugstunden pro Jahr absolviert. Grund: Die Fixkosten verteilen sich auf mehr Flugstunden und die Betriebskosten pro Stunde sinken entsprechend.
Privat genutzter Businessjets nicht viel in der Luft
Für Vielflieger, die jährlich zwischen fünfzig und zweihundert Stunden unterwegs sind, lohnt sich der vollständige Besitz eines Businessjets oft nicht. In diesem Nutzungsbereich übersteigen die Kapitalkosten und die Abschreibung den tatsächlichen Komfortgewinn.
Laut NBAA sind Flugzeuge in Fractional-Fleet-Flotten im Schnitt etwa 1200 Flugstunden pro Jahr in der Luft, während ein durchschnittlicher, privat genutzter Businessjet meist weniger als 400 Stunden fliegt und den Großteil der Zeit ungenutzt im Hangar steht.
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