Nur 53 Tage vor dem geplanten Start am 2. Juni hat der europäische Verband für die Geschäftsluftfahrt EBAA die Ebace 2026 überraschend abgesagt. Die Veranstalter begründen dies damit, dass die Ausgabe 2026 letztlich nicht genug Unterstützung erhalten habe, um eine Durchführung zu rechtfertigen, trotz «bedeutender Änderungen am Ebace-Konzept für 2026». Eine kleinere Version der Messe lehnen die Veranstalter ab, weil sie damit hinter den gewohnten Standards, der Relevanz und dem Markenvertrauen zurückbleiben würden.
Mit der endgültigen Absage der Ebace 2026 stellt der Veranstalter, die EBAA, Ausstellende und Besuchende innerhalb weniger Monate bereits zum zweiten Mal vor große Herausforderungen. Ursprünglich sollte die einst größte und wichtigste Messe für die Geschäftsluftfahrt in Europa vom 27. bis 29. Mai stattfinden. Doch kurz nach dem Jahreswechsel teilte der Ausrichter mit, dass die Messe um eine Woche auf Anfang Juni verschoben werde.
Keine pauschale Entschädigung
Die Absage der Messe hat erhebliche Auswirkungen auf Ausstellende, Teilnehmende und Medienpartner. Die EBAA teilt mit, dass sie jede ausstellende Firma direkt kontaktieren wolle, um die nächsten Schritte individuell zu klären. Für Teilnehmende, die bereits eine Registrierungsgebühr gezahlt haben, wird eine Rückerstattung gewährt. Werbeanzeigen wurden storniert. Alle, die schon Reise und Unterkünfte gebucht haben, müssen sich selbst um Stornierungen kümmern. Eine pauschale Entschädigung ist nicht vorgesehen, heißt es in den FAQ auf der Internetseite der NBAA.
Aero Friedrichshafen günstiger und früher
Gleichzeitig hatte die EBAA angekündigt, die Messe für Aussteller attraktiver zu gestalten: Die Preise für Indoor-Ausstellungsflächen blieben zum zweiten Mal in Folge auf dem Niveau von 2024. Noch auffälliger war die geplante Senkung der Kosten für die Flugzeugausstellung, die nur noch etwa 20 Prozent der Ausgaben früherer Ebace-Ausgaben betragen sollten.
So wird das neue Static Display aussehen: Neuer Ort, neue Aufstellung. Ebace
Die hohen Preise der Ebace als auch die hohen Kosten in Genf sind schon lange ein starker Kritikpunkt der Branche. Gleichzeitig hat sich die Messe Aero Friedrichshafen in den letzten Jahren zu einer ernsthaften Konkurrenz entwickelt. In der Branche wird offen gemunkelt, dass die Preise in Friedrichshafen nur einen Bruchteil der Genfer Kosten betragen. Zudem findet die Messe dort nur wenige Wochen früher statt. «Die Kosten sind zu hoch. Und die Kunden kommen nicht mehr», sagte 2025 ein Insider, der anonym bleiben wollte.
Immer weniger ausstellende Firmen
Der Niedergang zeigt sich besonders an den sinkenden Ausstellerzahlen. Während im Jahr 2023 noch 400 Firmen vor Ort waren, sank die Zahl ein Jahr später auf rund 260 Hersteller, Händler und Zulieferer. 2025 waren es dann nur noch etwa 100 Aussteller, obwohl immerhin 4.000 Besucher registriert waren. Ein besonders schwerer Schlag war, dass 2024 mit Bombardier und Gulfstream bereits zwei entscheidende Player auf ihre Teilnahme verzichteten. Im vergangenen Jahr war keiner der großen Hersteller mehr auf der Messe vertreten.
Die schönsten Bilder der Ebace 2023
Ein Airbus ACJ Two Twenty - die Businessjet-Version des A220 bei der Landung in Genf.
Robert Erenstein/aeroTELEGRAPH
Ein AIrbus A319 in der VIP-Version ACJ319.
Robert Erenstein/aeroTELEGRAPH
Die Falcon 6X von Dassault.
Robert Erenstein/aeroTELEGRAPH
Pilatus Aircraft zeigt ihren PC-24.
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Piaggio flog die P180 Avanti Evo 2 nach Genf.
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Gulfstrem ließ eine G650 ER ...
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... und eine IV einfliegen.
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Cirrus mit der Vision SF50
Robert Erenstein/aeroTELEGRAPH
Eine Embraer Praetor 500.
Eine Agusta Westland AW109.
Robert Erenstein/aeroTELEGRAPH
2001 fand die Ebace zum ersten Mal statt. Ausrichtende waren immer die amerikanische National Business Aviation Association NBAA und die European Business Aviation Association EBAA ausgerichtet. Im September 2024 wurde öffentlich, dass die Amerikaner ihre Anteile an die Europäer verkauft hatten. Der europäische Verband war seitdem allein für die Messe verantwortlich und wollte eine Neuausrichtung finden.
Zukunft der Ebcae ist ungewiss
Wie geht es weiter? Die EBAA betont, dass die Absage ausschließlich die Ebace 2026 betrifft. Zukünftige Veranstaltungen sind nicht ausgeschlossen, müssen sich jedoch stärker an den Bedürfnissen der Branche orientieren. Der Verband wird nun prüfen, wie diese aussehen könnten. Ob es 2027 eine Ausgabe der Messe geben wird, steht derzeit noch nicht fest.
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