Produktion bei Boeing: Etliche Abgänge.

FlugzeugbauBoeing verzichtet auf russisches Titan, Airbus nicht

Der amerikanische Flugzeugbauer bezieht vorerst kein russisches Titan mehr. Der europäische Konkurrent kauft das Metall weiterhin in Russland ein.

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Öl und Gas. Um diese beiden Rohstoffe dreht sich meist die Debatte, wenn es um Sanktionen und Boykotte gegen Russland und russische Gegenmaßnahmen geht. Doch die russische Invasion der Ukraine und der folgende politisch-wirtschaftliche Konflikt betrifft auch andere Rohstoffe, beispielsweise das für den Flugzeugbau wichtige Titan.

Das Metall ist leicht, widerstandsfähig und gut mit Verbundwerkstoffen kombinierbar, etwa beim Bau von Boeing 787 und Airbus A350. Kevin Michaels, Direktor der Beratungsfirma Aero Dynamic Advisory erklärte dem Magazin Flight Global, Titan mache etwa 15 Prozent des Leergewichtes einer Boeing 787 aus, ein höherer Anteil als bei anderen Modellen.

Airbus mit höherem Anteil aus Russland

35 bis 40 Prozent des von Boeing verwendeten Titans kommen laut Michaels bisher vom russischen Zulieferer VSMPO-Avisma, der zu ein Viertel dem staatlichen Rüstungskonzern Rostec gehört. Bei Airbus strammen rund 50 Prozent des Titans aus Russland.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters und die Zeitung Wall Street Journal berichten, hat der amerikanische Flugzeugbauer nun jedoch den Kauf von Titan aus Russland ausgesetzt, während der europäische Konkurrent den Rohstoff weiterhin aus Russland bezieht.

Eigentlich wollte Boeing Zusammenarbeit ausbauen

Boeing erklärte, man verfüge über «beträchtliche» Bestände des Metalls. «Wir haben den Kauf von Titan aus Russland eingestellt», so der Flugzeugbauer. «Unser Bestand und die Vielfalt der Titanquellen reichen für die Produktion von Flugzeugen aus.» Erst im November 2021 bei der Dubai Airshow hatten Boeing und VSMPO noch vereinbart, ihre Zusammenarbeit zu verlängern und auszubauen, unter anderem über ihr Gemeinschaftsunternehmen namens Ural Boeing Manufacturing.

Airbus verwies darauf, dass man die Hälfte des eigenen Titanbedarfs durch Lieferungen aus Russland abdecke, während Boeing nur bei etwas einem Drittel auf VSMPO angewiesen sei. Laut Reuters-Informationen stammt der größte Teil von Airbus’ Titan von VSMPO, einige Titanbauteile für Fahrwerke aber auch von Hydromash aus Nischni Nowgorod.

Angespannte Lage am Markt

In jedem Fall gibt es Vorräte. «Geopolitische Risiken sind in unsere Titan-Beschaffungspolitik integriert», so Airbus zu Flight Global. «Wir sind daher kurz- und mittelfristig geschützt.» Experte Kevin Michaels erklärt: «Es gibt keinen einzigen Rest Titan mehr auf dem Markt, es wurde alles aufgekauft.» Solange der Konflikt nicht bis ins Jahr 2023 andauere, dürften sich die Folgen für die Luftfahrt noch in Grenzen halten.

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