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Das Ende der kleinen Billigflieger

Billiganbieter machen vor allem auch dank schlauer Flottenpolitik Gewinn. Doch Ryanair und Co. haben gegenüber den kleinen Anbietern massive Vorteile.

Easyjet

Easyjet-Flieger: Wird die Kleinen übertrumpfen.

Lufthansa und Co. fluchen über sie. Auf der ganzen Welt entstehen immer mehr Billiganbieter und machen das Reisen per Flugzeug für neue Passagiergruppen möglich. Vor allem aber schnappen sie den etablierten Fluggesellschaften die Kunden weg – zumindest die sparsamen. Die Voraussetzung für die billigen Tickets sind niedrige Kosten. Und die können nicht alle der neuen Airlines erreichen. Eine neue Studie zeigt: Die kleinen Anbieter auf dem Lowcost-Markt stehen vor einem harten Überlebenskampf. Der Grund ist die einzigartige Flottenstrategie großer Billigairlines wie Ryanair, Indigo oder Easyjet, schreiben die Autoren von der Luftfahrt-Datenbank CH Aviation. Die Fluglinien kaufen neue Flugzeuge in großen Mengen und nutzen diese dann verhältnismäßig kurz. Auf diese Weise können sie die Kosten sehr gering halten.

Zum einen liegt das daran, dass Großbestellungen einen großen Rabatt auf den Listenpreis bedeuten. Die Studien-Autoren schätzen etwa, dass Ryanair bei den B737-Orders nur etwa die Hälfte des Listenpreises zahlt. So erhält der irische Billigflieger ein neues Flugzeug schon für rund 42 Millionen Dollar. Zudem nutzen sie die Jets oft nur kurz. So erzielen sie beim Wiederverkauft oft sehr gute Preise. Ein weiterer Vorteil, der die Flugzeuge im Betrieb billiger macht.

Massive Kostenvorteile

Derartige Großbestellungen können sich die kleinen Anbieter nicht leisten. Sie starten mit sehr kleinen Flotten und greifen entweder auf gebrauchte Flieger zurück oder leasen – ebenfalls ältere – Jets. Ein Beispiel zeigt, warum sich damit nicht immer profitabel arbeiten lässt: Eine 2005 gekaufte Boeing B737 kostet heute etwa 26 Millionen Dollar. Das sind fast drei Viertel des Preises, den Ryanair für einen neuen Jet bezahlt. Die älteren Flugzeuge verursachen aber höhere Wartungs- und Reparaturkosten. Dass auch Leasing das Problem nicht löst, zeigt ein anderes Beispiel: Eine 1998 gebaute B737 kostet im Leasing 2,3 Millionen Dollar im Jahr.

Langfristig werden laut der Studie also nicht viele der kleinen Billigflieger überleben. Wenn Lowcost-Anbieter mit jungen und preiswerten Flotten im Wettbewerb dominieren, hat die Konkurrenz mit kleineren und älteren Flugzeugparks schlechte Karten. Ein Beispiel, so CH Aviation, sei der indische Inlandsmarkt, auf dem Anbieter wie Indigo oder Spicejet die etablierten Airlines mit älteren Flotten vom Markt verdrängen.

Kein Todesurteil, aber…

Kleine Billigairlines, die nun am Markt überleben wollen, brauchen ein einzigartiges Streckennetz. Das kann sie von den großen Konkurrenten unterscheiden. «Es ist nicht direkt ein Todesurteil, wenn man ein kleiner Lowcost-Anbieter ist», schreiben die Autoren. «Doch die Zeit der vielen kleinen Billiganbieter ist definitiv vorbei.»



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