43 Jahre lang arbeitete Benno Beran im Austrian-Airlines-Konzern – zunächst als Luftfahrzeugwart, später als technischer Pilot. Doch mit der Pensionierung endete seine Leidenschaft für die Luftfahrt keineswegs. Im Gegenteil: Beran erfüllte sich einen fliegerischen Traum und kaufte einen Boeing-Stearman-Doppeldecker. 20 Jahre lang restaurierte er die Maschine, um weiter das tun zu können, was er liebt: fliegen.
Fragt man den ehemaligen Austrian-Flugkapitän, wie er zur Luftfahrt gekommen ist, fällt seine Antwort so aus wie wahrscheinlich bei vielen seiner Kollegen: «Eigentlich über meinen Vater.» Dieser war ab 1960 bei der noch jungen Austrian Airlines als Luftfahrzeugwart und Prüfer angestellt. Manchmal durfte der Sohn seinen Vater in den AUA-Hangar am Flughafen Wien-Schwechat begleiten und ihm bei seiner Arbeit zusehen. Schnell entstand auch bei ihm der Wunsch, eines Tages selbst Luftfahrzeugwart zu werden.
Technischer Flugbegleiter auf der neuen Douglas DC-9-32
Benno Beran folgte dem Rat seines Vaters: «Mein Vater hat nie Druck ausgeübt, jedoch immer gemeint, dass es klug sei, zuerst einen bodenständigen Beruf zu erlernen.» Also begann auch er 1968 eine Ausbildung zum Luftfahrzeugwart bei Austrian Airlines und schloss sie 1972 mit Auszeichnung ab.
Zu Beginn seiner elfjährigen Karriere als Luftfahrzeugwart arbeitete Beran, wie er im aeroTELEGRAPH-Gespräch erzählt, noch an der viermotorigen Vickers Viscount, dem damaligen Arbeitstier der Austrian Airlines. Später wurde er Luftfahrzeugwart 1. Klasse und technischer Flugbegleiter auf der neuen Douglas DC-9-32. Gerade diese Aufgabe brachte Beran, der bereits als Jugendlicher den Segelflugschein gemacht und später die Privatpilotenberechtigung erworben hatte, regelmäßig ins Cockpit der AUA-Maschinen.
Pilot tritt mit Angebot an jungen Techniker heran
Der junge Austrian-Techniker erweiterte während seiner Zeit als Luftfahrzeugwart sein Fachwissen auch auf Flugzeugtypen anderer Airlines. Weil die österreichische Staatsfluglinie damals wie heute auch die Betreuung von Fremdairlines übernahm, die den Flughafen Wien ansteuerten, bot sich ihm die Gelegenheit, an zahlreichen weiteren Verkehrsflugzeugen zu arbeiten. «Ich habe an der BAC 1-11, Trident oder Vanguard von British Airways, aber auch auf der Boeing 707 von PIA und El Al sowie auf der Pan-Am-Boeing 747 gearbeitet, wenn unsere technische Assistenz gefragt war», erzählt Beran.
1977 brachte ihn ein ungewöhnliches Angebot seinem späteren Beruf noch näher. Ein Austrian-Pilot fragte den jungen Techniker, ob er nicht in seiner Freizeit eine zweimotorige Cessna 320 restaurieren wolle, das Privatflugzeug eines Bekannten. «Ich war eigentlich bis zu diesem Zeitpunkt auf Flugzeugen über 40 Tonnen tätig und hatte keine Erfahrung auf Kleinflugzeugen, doch ich fand es interessant und machte die notwendige Einweisung samt Prüfung.»
Möglichkeit, privat ein zweimotoriges Flugzeug zu nutzen
Der Deal: Die Reparatur sollte ohne Zeitdruck erfolgen, dafür würde Beran die Maschine anschließend persönlich nutzen können. Dabei entdeckte er eine andere Seite seines Berufes. «Die Arbeit hat mir dann gezeigt, wie umfangreich und vielfältig die Tätigkeit an einem Kleinflugzeug sein kann, denn als Luftfahrzeugwart für große Flugzeuge spezialisiert man sich auf Systeme, während man an Kleinflugzeugen fast alle Bereiche der Wartung selbst abdeckt.»
Benno Beran Patrick Huber / www.der-rasende-reporter.info
Mit der Möglichkeit, privat ein zweimotoriges Flugzeug zu nutzen, entstand schließlich die Idee, eine Ausbildung zum Berufspiloten zu absolvieren. Beran setzte sie rasch um.
Unerwartetes Jobangebot bei Austrian Air Service
1979 folgte dann eine erfreuliche Wendung in seinem Berufsleben, mit der Beran gar nicht mehr gerechnet hatte. Wieder einmal begleitete er als technischer Flugbegleiter einen DC-9-Charterflug, diesmal auf dem Weg ins portugiesische Faro. Dort wies ihn der Pilot darauf hin, dass er bei der neu gegründeten Austrian-Regionaltochter Austrian Air Service (AAS) eingeplant sei - als Co-Pilot auf der Swearingen Metro.
«Während des Fluges hat sich der Austrian-Pilot, der auch in der Schulung tätig war, zu mir umgedreht und gemeint: Wissen Sie schon, Herr Beran, dass Sie als Pilot bei unserer neugegründeten AAS beginnen werden?»
Schneller als erhofft Kopilot in einem Metroliner
Seine Bewerbung für einen Pilotenjob bei Austrian Airlines lag zu diesem Zeitpunkt bereits einige Zeit zurück und war fast in Vergessenheit geraten. Doch als das Unternehmen von der zusätzlichen Qualifikation seines Mitarbeiters Wind bekam, saß Beran schneller als erhofft als Kopilot in einem Metroliner der neuen AUA-Tochter.
Ein gemütlicher Einstieg war das nicht. Das 18-sitzige Flugzeug, von manchen auch «Angströhre» genannt, forderte den jungen Piloten mit seinen schwierigen Flugeigenschaften und den kräfteraubenden vier bis sechs täglichen Inlands-Rotationen. Für den Flugzeugtyp gab es damals nur einen Simulator in San Antonio in den USA, wo die AAS-Crews ihre Typeratings gemacht hatten. Die Checks hingegen fanden, wie Benno Beran erklärt, mit Flügen am Gerät in Österreich statt.
Einige drehten um und sagten: «Mit dem fliege ich nicht»
«Wenn bei den Checkflügen zum Beispiel die Leistung der Motoren reduziert wurde, dann war dies für alle Beteiligten real. Natürlich wurden diese Checks immer mit genügend Sicherheitsreserven geflogen, doch die Anspannung war immer groß.»
Auch so mancher Passagier fasste beim Anblick der kleinen Propellermaschine auf dem Vorfeld nicht allzu viel Vertrauen. Einige drehten mit den Worten «Mit dem fliege ich nicht» wieder um, schildert Beran. Ein weiteres Problem war die fehlende Toilette. «Obwohl die durchschnittliche Flugzeit auf den innerösterreichischen Flügen der AAS gerade einmal 33 Minuten betrug und alle Passagiere im Vorfeld des Fluges auf den Umstand der fehlenden Toilette am Gate hingewiesen wurden, kam es immer wieder zu kniffligen Situationen.»
Austrian Airlines hatte sechs neue Fokker 50 bestellt
Zwischen 1980 und 1988 wurde die Swearingen Metro zum täglichen Arbeitsgerät von Benno Beran. Aufgrund seiner Vorbildung als Luftfahrzeugwart wurde er bereits nach kurzer Zeit zum technischen Piloten ernannt und absolvierte ein vollständiges typenbezogenes Techniker-Type-Rating. Dieser Ablauf sollte sich später bei allen von ihm geflogenen Flugzeugmustern wiederholen.
1988 stand das nächste Upgrade an: Austrian Airlines hatte sechs neue Fokker 50 für ihre Regionaltochter bestellt. Der Wechsel auf den Kapitänssitz ließ nicht lange auf sich warten und erfolgte 1989 - ebenso wie die neuerliche Ernennung zum technischen Piloten der Fokker-50-Flotte.
Benno Beran vor seinen Metroliner und der ersten Fokker 50. Sammlung Benno Beran
«Ich wurde auch auf der Fokker 70 zum technischen Piloten»
Mit dem größeren Fluggerät und der Ausweitung des AAS-Angebotes standen plötzlich europäische Flüge mit bis zu vier Stunden im täglichen Flugprogramm. 1994 folgte die nächste berufliche Wende: Die Austrian-Regionaltochter AAS wurde in den Flugbetrieb von Tyrolean Airways integriert und aufgelöst. Die Piloten standen vor der Wahl, zu einer der neuen AUA-Beteiligungen Lauda Air oder Tyrolean Airways zu wechseln. Beran entschied sich gemeinsam mit seinem langjährigen Pilotenfreund Franz List dafür, seiner Fokker 50 treu zu bleiben, und wechselte zu Tyrolean Airways.
Nur kurze Zeit flogen die Fokker 50 noch in der damaligen Tyrolean-Dash-7/8-Flotte, bevor sie 1995 von den größeren Fokker 70 abgelöst wurden. «Ich wurde auch auf der Fokker 70 zum technischen Piloten, inzwischen wurde ich aufgrund meines Vorwissens schon mehr oder weniger automatisch zur Ausbildung geschickt», bestätigt Beran.
«Wir haben es geliebt, diese Strecke zu fliegen»
Die Fokker 70 wurde zum Lieblingsfluggerät des Wieners mit Wohnsitz in Schwechat. Besonders eine Strecke ist ihm in Erinnerung geblieben: «Mit der Maschine sind wir einige Jahre zwei Mal täglich zwischen Wien und London City geflogen. Wir haben es geliebt, diese Strecke zu fliegen. Der Anflug auf den Londoner Stadtflughafen mit seiner nur rund 1200 Meter langen Piste und dem steilen Anflug hat uns immer viel Spaß gemacht», schwärmt Beran.
Um genau diesen anspruchsvollen Anflug zu trainieren, wurde mit Unterstützung des österreichischen Bundesheeres am Militärflugplatz Zeltweg ein Anflugszenario des Londoner Stadtflughafens nachgestellt. Damit bekamen die AUA-Piloten eine hervorragende Möglichkeit, den schwierigen Anflug auf LCY zu üben.
Die gebrauchten Fokker 100 aus der Mojave-Wüste
2004 wartete eine besondere Aufgabe auf Benno Beran. Gemeinsam mit dem Flottenchef sollte er die Fokker 100 in die Flotte von Tyrolean Airways implementieren. Unterstützt von VO- und OS-Technikern sollte der erfahrene Fokker-Pilot eine Vorauswahl aus mehreren gebrauchten Fokker 100 treffen. Die Maschinen waren zuvor bei American Airlines geflogen und seit Längerem in der Mojave-Wüste in den USA abgestellt.
Auf der Suche nach der passenden Fokker 100 in der Mojave-Wüste. Sammlung Benno Beran
Anschließend wurden die Flugzeuge nach Woensdrecht in den Niederlanden überstellt und von Fokker einem Service unterzogen. Die erste Maschine überführten schließlich Benno Beran und der damalige Tyrolean-Fokker-Flottenchef an die neue Basis nach Innsbruck.
Ankunft der ersten Fokker 100 in Innsbruck. Sammlung Benno Beran
Ende der Pilotenlaufbahn mit 18.000 Flugstunden
Bevor sie erstmals auf dem Alpenflughafen landete, erhielten die beiden allerdings noch einen besonderen Auftrag: Sie sollten einen Low-Pass, also einen Tiefflug, entlang der Landebahn in Innsbruck hinlegen. Der zog in weiterer Folge nicht nur die Aufmerksamkeit der wartenden Festgäste am Flughafen auf sich.
Tyrolean Airways wurde später in den Austrian-Flugbetrieb eingegliedert. 2011 endete schließlich die Pilotenlaufbahn von Benno Beran - nach 32 Jahren im Flugbetrieb und rund 18.000 Flugstunden. Seine große Leidenschaft während der aktiven Karriere waren die Fokker-Flugzeuge 50, 70 und 100. «Mit denen bin ich groß und alt geworden, auch weil ich als technischer Pilot einen ganz anderen Einblick in die Flugzeuge hatte.»
Die große Liebe: ein Doppeldecker aus dem Jahr 1940
Nach dem Ende seiner Karriere folgten noch viele Jahre als Ausbilder und Prüfer von Fokker-70/100-Piloten am Simulator. Doch für den heute 73-jährigen Benno Beran sollte ein ganz anderes Flugzeug zur großen aviatischen Liebe werden: eine Boeing Stearman, ein Doppeldecker aus dem Jahr 1940.
Mit seiner Pensionierung konnte sich Beran verstärkt einem Hobby widmen, das ihn bereits lange begleitete: dem Austrian Aviation Museum. Gemeinsam mit seinem Pilotenfreund Franz List hatte er es bereits 1996 in Schwechat nahe dem Flughafen Wien gegründet.
Die Restaurierung einer Boeing Stearman
Auf die Frage nach dem Warum muss Beran lachen: «Weil wir immer schon verrückt waren - Franz List und ich haben immer schon Dinge zusammengetragen, mit der Idee, diese einmal in einem Museum präsentieren zu können. Im Laufe der Jahre kamen dann immer mehr Ausstellungsstücke hinzu.»Das Ziel des Vereins war von Beginn an, historische Flugzeuge wieder in einen flugfähigen Zustand zu bringen. Mit seiner jahrzehntelangen Erfahrung als Luftfahrzeugwart und technischer Pilot war Beran genau der Richtige für einige der ganz großen Projekte - darunter die Restaurierung einer Boeing Stearman.
«Die erste Boeing Stearman habe ich aus Hamburg»
Zum 30-jährigen Vereinsbestehen 2026 besteht die Flotte aus zwei flugfähigen Boeing Stearman, einem Bücker-131-Doppeldecker, einem Schulgleiter SG 38, einem Experimentalflugzeug und zahlreichen weiteren Flugzeugen zusammen, die nur darauf warten, wieder flugfähig zu werden.
«Die erste Boeing Stearman habe ich aus Hamburg in einem nicht flugfähigen Zustand übernommen. Die Maschine kam zuvor aus den USA (Great Lake Area), doch der deutsche Eigentümer hat aus den verschiedensten Gründen die Instandsetzung nicht fortgesetzt, weshalb er die Maschine schlussendlich an uns verkaufte.»
Boeing Stearman Anton Wildberger
Weitere 20 Jahre für die vollständige Instandsetzung
Die vollständige Instandsetzung der Boeing Stearman dauerte - mit vielen Unterbrechungen - weitere 20 Jahre. Beran und sein Kollege flogen schließlich noch lange hauptberuflich bei Austrian Airlines. Der Wiederaufbau der Maschine musste deshalb in der Freizeit erfolgen, zudem mussten zuvor die notwendigen Lizenzen erworben werden.
Im Mai dieses Jahres war es dann so weit: Am Heimatflugplatz des Vereins in Bad Vöslau fand der offizielle Abnahmeflug des zweiten Boeing-Stearman-Doppeldeckers OE-ABS statt.
«Jüngere Piloten finden, die mich dann mitnehmen»
Der Verein lebt vom Enthusiasmus seiner rund 40 Mitglieder, Interessenten seien immer herzlich willkommen, schildert Beran. Vor allem eine Aufgabe beschäftigt ihn dabei mit Blick in die Zukunft: Jüngere Menschen, Techniker und Piloten sollen dafür gewonnen werden, die Luftfahrtklassiker des Vereins auch für kommende Generationen zu erhalten.
Denn Benno Beran weiß, dass selbst eine außergewöhnlich lange Fliegerkarriere irgendwann an ihre Grenzen stößt. Seinen Wunsch für diesen Moment formuliert er mit einem Augenzwinkern: «Der Tag wird kommen, wo mir der Fliegerarzt kein Medical mehr ausstellen kann. Bis dahin hoffe ich dann natürlich, dass sich jüngere Piloten finden, die mich dann mit 90 Jahren zu einer Flugplatzrunde in meiner Boeing Stearman mitnehmen, sowie jüngere Techniker, die das AAM weiter am Leben erhalten.»
Bis dahin aber bleibt noch Zeit zum Fliegen.
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