Spitzbergen gehört seit dem Spitzbergenvertrag von 1920 zu Norwegen. Der Vertrag räumt allen Unterzeichnerstaaten wirtschaftliche Aktivitäten und Rohstoffabbau ein. Russland nutzt das aus: Bis heute fördert das Land in Barentsburg Kohle. Die Förderung ist zwar seit Jahren unrentabel, doch für Russland hat sie vor allem symbolischen Wert. Immer wieder wirft Moskau Norwegen vor, die Inselgruppe entgegen dem Vertrag zu militarisieren und die russische Präsenz dort zu behindern, etwa durch Sanktionen bei der Versorgung Barentsburgs.
Anfang September eskalierte der Streit weiter. Norwegische Behörden setzten am 2. September das russische Expeditionsschiff Professor Molchanov im Hafen von Barentsburg fest. Den Antrag dazu stellte der ukrainische Energiekonzern Naftogaz. Ein norwegisches Gericht ordnete die Festsetzung an. Hintergrund ist ein Schiedsspruch aus Den Haag. Russland schuldet Naftogaz rund 4,2 Milliarden Dollar (etwa 3,6 Milliarden Euro). Das Unternehmen hatte 2014 bei der Krim-Annexion Vermögenswerte verloren.
69 Russinnen und Russen saßen plötzlich in Spitzbergen fest
Putin warf Norwegen Piraterie und staatlichen Terrorismus vor, wie die norwegische Zeitung Dagbladet berichtete. Betroffen waren 71 Personen an Bord, darunter 69 russische Staatsbürger, von Künstlern bis Wissenschaftlern, die plötzlich festsaßen. Das norwegische Außenministerium erklärte, man kümmere sich um die betroffenen Russen, die sich nun in einer schwierigen Lage in Spitzbergen befänden, und komme damit seinen internationalen Verpflichtungen nach.
Flugverlauf von Spitzbergen nach Norwegen. Screenshot Flightradar24
Und das hat Norwegen getan, aber nicht allein. Die Norweger arbeiteten dabei mit Vertretern des russischen Bergbauunternehmens Trust Arktikugol zusammen. Am 8. September startete um 10:29 Uhr eine Embraer E190 der norwegischen Airline Widerøe. Unter der Flugnummer WIF7610 wurden die russischen Staatsbürger vom Flughafen Longyearbyen auf Spitzbergen nach Kirkenes geflogen. Die Embraer mit der Kennung LN-WEB landete um 11:57 Uhr auf dem Flughafen Kirkenes, der nur 15 Minuten von der russischen Grenze entfernt liegt.
Kein Linienflug
Bei dem Flug muss es sich um einen extra gecharterten Flug gehandelt haben, die norwegische Airline bietet die Verbindung nicht regulär an. Die russischen Staatsbürger erreichten anschließend über den Grenzübergang Storskog wieder russisches Staatsgebiet. «Nach konstruktivem Dialog mit dem Generalkonsul der Russischen Föderation in Barentsburg und Vertretern von Trust Arktikugol hat der Gouverneur von Spitzbergen heute 69 russischen Staatsbürgern bei der Rückkehr nach Russland geholfen», teilte der Gouverneur von Spitzbergen mit.
Bemerkenswert ist der Vorgang auch, weil Norwegen und Russland auf Spitzbergen sonst kaum zusammenarbeiten, sich eher als Kontrahenten begegnen. Dass norwegische Behörden nun mit dem russischen Generalkonsul und Trust Arktikugol kooperierten, zeigt, wie sehr derSpitzbergenvertrag beide Seiten trotz aller Spannungen offenbar zu einem Mindestmaß an Kooperation verpflichtet.
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