McDonnell Douglas MD-83 von Aeropostal: Der Ex-Chef will wieder ans Ruder.

AeropostalUmstrittener Ex-Chef will Venezuelas Traditionsairline wiederbeleben - mit Airbus A220

Gerichtsprozesse, Flottenabzug, Beschlagnahmung: Die erste Ära von Nelson Ramiz bei Aeropostal war turbulent. Nach Maduros Sturz will er die venezolanische Traditionsairline mit Airbus-Jets wiederbeleben. Sein Zeitplan ist ambitioniert.

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Heute ist Aeropostal nur noch ein Schatten ihrer selbst. 2017 stellte die venezolanische Fluggesellschaft den Betrieb ein, 2019 startete sie neu. Laut dem Luftfahrtdatenportal CH Aviation besteht ihre Flotte derzeit aus einer einzigen McDonnell Douglas MD-83, die fast nur noch im Inland unterwegs ist. Ihre beste Zeit erlebte die 1929 gegründete Airline in den Nullerjahren. Und diese Zeit ist maßgeblich mit einem Mann verbunden: Nelson Ramiz.

Schon sein Einstieg hatte etwas von Wilder Westen. 1994 hatte die Regierung die damalige Staatsairline gegroundet, wiel sie zu viel Geld verlor. 1997 ersteigerte Ramiz, ein gebürtiger Kubaner mit US-Pass, über seine Firma Corporación Alas de Venezuela die Reste. Das Geld stammte von der Investmentgesellschaft Alas International, der er Flugzeuge und Markenrechte hätte übergeben müssen, was er nicht tat. Stattdessen nahm er im Januar 1998 ohne deren Zustimmung den Flugbetrieb auf.

Neue Chance für Aeropostal nach Maduros Sturz

Ein Gericht in New York sprach Ramiz noch im selben Jahr alle Rechte an Flugzeugen und Marke ab. Ein Vergleich erlaubte Aeropostal ab 2000, die Jets gegen Zahlungen weiter zu nutzen, doch die Airline zahlte nicht. Ende 2007 zog Ramiz fast die ganze Flotte aus Venezuela ab. Staatliche Auflagen hätten ihn dazu gezwungen. 2008 verkaufte er laut Berichten an Investoren, gegen die bald wegen Drogenhandels ermittelt wurde.

Der Staat beschlagnahmte die Airline wirder. Beim Abschied aus Venezuela habe er versprochen: «Ich komme zurück». Nun heißt es tatsächlich: «I’ll be back». Der Zeitpunkt ist kein Zufall. Seit dem Sturz von Nicolás Maduro Anfang Januar öffnet sich Venezuela wieder. Ende April landete mit American Airlines der erste direkte Linienflug aus den USA seit sieben Jahren in Caracas, im August folgte United ab Houston.

Airbus-Flotte und Drehkreuz in Caracas

Das Projekt von Nelson Ramiz heißt Ifly Aeropostal und soll über fünf Jahre mehr als 350 Millionen Dollar kosten, wie er der Zeitung Curaçao Chronicle sagte. Er verfolgt zwei Pläne. Am liebsten würde er die bestehende Airline übernehmen, seine Anwälte haben in Caracas bereits Interesse angemeldet. Er geht von sechs Monaten aus. Eine Einigung gibt es aber nicht. Klappt es nicht, will er eine neue Fluggesellschaft gründen. Dafür rechnet er mit 12 bis 18 Monaten.

Vorerst plant Ramiz mit Airbus. Zunächst sollen 20 A220-300 mit rund 140 Sitzen kommen, zwei pro Monat, für Inlandsstrecken und die Karibik. Danach folgen 15 Airbus A320 mit rund 165 Sitzen für längere Routen, später eventuell Airbus A321. Drehkreuz wäre Maiquetía bei Caracas, von dort ginge es nach Mittel- und Südamerika. Flüge in die USA wären erst möglich, wenn Venezuela die Erlaubnis der US-Luftfahrtbehörde FAA bekommen würde.

Viele offene Fragen

Eine besondere Rolle spielt Curaçao. Die Insel soll mehrmals täglich angeflogen werden und könnte später ein zweites Drehkreuz werden. Dort kennt man Ramiz bereits. Er stand hinter Dutch Antilles Express, die 2013 pleiteging, nachdem Venezuela ihr die Verkehrsrechte entzogen hatte.

Viele Fragen bleiben offen. Wie die 350 Millionen finanziert werden sollen, sagt Ramiz nicht. Investieren will er ohnehin nur, wenn Venezuela Rechtssicherheit und unabhängige Gerichte garantiert. Und es ist nicht sein erstes Comeback-Versprechen. Schon 2007 wollte er mit Ufly Airways eine neue Airline in Miami gründen. 2017 kündigte er die Wiederbelebung von Dutch Antilles Express an. Daraus wurde nichts.

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