Von außen unterscheiden sich die Flugzeuge der fünf Fluggesellschaften von Tui nur durch die Kennzeichen und die Nationalflaggen am Heck. Intern sind die Airlines jedoch nach wie vor bei kommerziellen Themen noch nicht vereinheitlicht, obwohl der Reisekonzern bereits eine Angleichung auf operativer Ebene erreicht hat. So hat jede Tui-Airline beispielsweise noch immer ihr eigenes Netzplanungsteam beim jeweiligen Reiseveranstalter. Doch das soll sich endlich ändern. Tui stellt ihre Airline-Sparte neu auf.
Und das Ziel ist klar: Tui will mit den Fluggesellschaften endlich auf eigenen Füßen stehen. Um dieses Ziel zu erreichen, hat der Reisekonzern erfahrene Luftfahrtmanager verpflichtet. Seit Januar 2024 ist Christopher Grube Leiter der Flugbetriebe aller Tui-Airlines. Er bringt 18 Jahre Ryanair-Erfahrung in einer vergleichbaren Position mit.
Tui setzt auf Manager mit Airline-Erfahrung
Und seit November 2024 hat Tui erstmals mit Peter Glade einen eigenen Kommerzchef für die Fluglinien. Er war vorher in der gleichen Stellung bei Sun Express. Auch neu dabei ist Tilman Reinshagen als Operativchef, der im Sommer vergangenen Jahres von Brussels Airlines zum Ferienflieger gewechselt ist.
Kommerzchef Peter Glade will Auslastung im Winter steigern
Im Sommer ist die Welt für die Tui-Airlines einfach: Da sind die Flugzeuge voll ausgelastet. Das Problem ist der Winter: «Im Schnitt sind unsere Flugzeuge dann teilweise nur sechseinhalb bis sieben Stunden pro Tag in der Luft. Da gibt es noch viel Luft nach oben», betont Glade.
Peter Glade ist seit November 2024 Kommerzchef der bei Tui Airline. Tui
Eine Lösung sieht der Manager in einer verbesserten IT-Infrastruktur, um den Ticketkauf künftig einfacher zu gestalten. «Technologie wird die Auslastung der Flotte erhöhen. Das ist der Hauptantrieb und das Wichtigste, was wir tun müssen», so der Kommerzchef.
Größerer Fokus auf den Einzelplatzverkauf
Tui Airline setzt dabei als eine der ersten Fluglinien auf Navitaire Stratos von Amadeus. Eine cloud-basierte IT-Lösung, die den Ticketkauf so einfach und intuitiv wie einen Amazon-Einkauf machen soll: Dank KI-gestützter Personalisierung, einem digitalen Warenkorb und dynamischen Preisen können Kundinnen und Kunden und Reisebüro-Partner Buchungen flexibel planen, speichern und abschließen.
Davon sollen künftig sowohl andere Reiseanbieter als auch Privatkunden profitieren. «Wir wollen auch für andere Drittanbieter attraktiv sein und ihnen Kontingente anbieten», betont Glade. Künftig soll es möglich sein, dass die Tui-Partner sagen: «Wir benötigen auf der Strecke nur 120 Sitze». Die restlichen 69 Plätze auf einer 737 Max 8 verkauft dann Tui selbst. Entweder an andere Partner oder im Einzelplatzverkauf. Je nachdem, was sich mehr rechnet.
VFR-Verkehr als Wachstumsmarkt
Apropos Einzelplatzverkauf. Während Tuifly Belgium rund 60 Prozent der Tickets direkt an Kundinnen und Kunden verkauft, liegt der Anteil an Einzelplatzgeschäft in Großbritannien bei unter zehn Prozent. Hier will Tui sichtbarer und stärker werden. Künftig sollen auch Hausbesitzer auf Mallorca direkt zu ihren Fincas geflogen werden.
Und auch in einem weiteren Segment will Tui Airline künftig mitspielen: dem VFR-Verkehr. VFR steht für Visiting Friend and Relatives, also Flüge von Menschen, die Freunde und Familie in ihrer alten Heimat besuchen.
Interlining und Codeshares werden folgen
«Das ist ein Wachstumsmarkt, den wir systematisch ausbauen», so Glade. Tui fliegt heute schon zwischen Barcelona und Casablanca in Marokko. Auf diesem Flug gibt es in dem Sinne keine klassischen Pauschalreisetouristen. Es ist ausschließlich die marokkanische Gemeinschaft, die hin- und herfliegt. Künftig will Tui dieses Segment weiter ausbauen, welche Strecken als nächstes hinzukommen ließ der Manager offen.
Einen weiteren Hebel für den langfristigen finanziellen Erfolg von Tui Airline sieht Glade im Ausbau der Vertriebsstruktur und durch Partnerschaften. «Aktuell bieten wir Flüge von London und Manchester nach Cancún an, verkaufen die Tickets bisher aber nur im britischen Markt und nicht in Mexiko». Künftig wollen wir durch Interlining und Codeshares neue Märkte erschließen. «Wir setzen auch auf Partnerschaften mit anderen Fluggesellschaften», so Glade.
Mittelweg zwischen Netzwerk-Airline und Hotelzubringer
Um das zu ändern, was beispielsweise in Deutschland passiert. Tui verkauft ihren Gästen nach Cancun beispielsweise ein Flugticket nach München oder eine Bahnfahrkarte nach Frankfurt, um die Gäste dann mit einer Konkurrenzairline nach Cancun zu fliegen. Besser wäre es, durch Partnerschaften die Gäste nach Manchester zu bringen, um dann mit Tui nach Mexiko zu fliegen.
«Wir sind nicht die günstigste Airline und das ist auch nicht unser Ziel, aber wir verstehen die Bedürfnisse von Reiseveranstaltern besser als jeder andere und das müssen wir nutzen», verspricht Glade. Tui wird auch in Zukunft der wichtigste Kunde bleiben, aber die Airline öffnet sich. Tui Airline will keine klassische Netzwerk-Airline werden, aber reiner Hotelzubringer will die Airline auch nicht mehr sein.
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