Lufthansa: Es gibt laut dem neuen Aufsichtsratschef viel zu tun.

Johannes TeyssenNeuer Aufsichtsratschef von Lufthansa: «Der Konzern hat klare Schwachpunkte»

Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, ITA Airways und Lufthansa sollen enger zusammenspielen. Für den neuen Lufthansa-Group-Aufsichtsratschef Johannes Teyssen ist das angesichts der Größenverhältnisse in der Luftfahrt alternativlos. Zugleich fordert er vom Konzern deutliche Verbesserungen bei Wirtschaftlichkeit, Qualität und Kundenbindung.

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Luftfahrt

Seit Mai steht Johannes Teyssen an der Spitze des Aufsichtsrates von Lufthansa Group. Der frühere Eon-Chef sieht beim Luftfahrtkonzern durchaus Schwachstellen und will die angehen. Zugleich macht er deutlich, dass er wenig von Debatten über eine größere Eigenständigkeit einzelner Airlines hält.

Das gilt auch für Swiss. Die Schweizer Fluggesellschaft sei zwar eigenständig, aber zugleich Teil der Lufthansa-Gruppe, sagte Teyssen in einem Interview mit der Neuen Zürcher Zeitung. «Anders geht es nicht.» Er verweist dabei auf die Bedeutung der Größe im Luftfahrtgeschäft. Eine Fluggesellschaft mit gut 100 Flugzeugen könne in Europa oder Nordamerika kaum selbstständig überleben. «Das Fliegen ist ein Skalengeschäft.»

Lufthansa müsse «deutlich besser» werden

Deshalb hält der 67-Jährige auch wenig davon, zu viel über die Unterschiede zwischen den einzelnen Marken unter dem Dach von Lufthansa zu diskutieren. Für Swiss, Austrian Airlines, Brussels Airlines, ITA Airways und Lufthansa sieht er vor allem einen gemeinsamen Weg. «Es gibt für die Zukunft nur ein Miteinander und kein Entweder-oder. Alles andere ist Nostalgie.»

Johannes Teyssen

Dabei sieht Teyssen durchaus Handlungsbedarf. Die gesamte Lufthansa-Gruppe müsse wirtschaftlich wieder stärker werden, zugleich aber auch bei Qualität und Kundenbindung zulegen. «Der Lufthansa-Konzern hat klare Schwachpunkte, aber die leugnet ja auch niemand», so der Aufsichtsratschef. Diese Schwachstellen wolle er angehen.

Sorgen um Unabhängigkeit von Swiss «Phantomschmerzen»

Konkrete Maßnahmen nennt Teyssen noch nicht. Dafür sei es zu früh. Er verweist auf die Größe und Komplexität des Konzerns mit mehr als 100.000 Beschäftigten und rund 3000 Flügen pro Tag. Dem Aufsichtsratschef geht es dabei auch um die grundsätzliche Stellung von Lufthansa in Europa. Pandemie und Finanzkrise hätten gezeigt, wie problematisch es werden könne, wenn internationale Akteure plötzlich ausfielen. Europa müsse deshalb in der Lage sein, wichtige Infrastruktur selbst zu betreiben. Bei der Luftfahrt dürfe man sich nicht von chinesischen, amerikanischen oder anderen Akteuren abhängig machen.

Besonders deutlich wird der Aufsichtsratschef schließlich bei der immer wieder geäußerten Sorge, Swiss könne innerhalb des Konzerns schleichend an Eigenständigkeit verlieren. Er verstehe diese Bedenken zwar. Manchmal kämen sie ihm allerdings vor «wie Phantomschmerzen, die man noch Jahre nach einer Amputation empfindet». Stattdessen müsse es darum gehen, gemeinsam besser zu werden. Teyssens Ziel ist ein Konzern, auf den Schweizer, Österreicher, Belgier, Italiener und Deutsche gleichermaßen mit einem gewissen Stolz schauen können.

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