Eigentlich sollte es bei der Veranstaltung um Maltas nächsten Staatshaushalt gehen. Doch Finanzminister Clyde Caruana nutzte die Gelegenheit für eine ungewöhnliche Abrechnung. Er sprach von versteckten Interessen, von Menschen, die im Hintergrund gegen die Nationalairline arbeiteten, und sogar von «Söldnern», die auf deren Scheitern hofften. Namen nannte er nicht.
Der Minister zeigte sich bei der Veranstaltung der Zeitung Times of Malta am Dienstag (6. Oktober) sichtlich verärgert. Kein anderes Thema habe ihn während seiner Amtszeit so viel Zeit gekostet wie die Fluggesellschaft, erklärte er. Und irgendwann werde er öffentlich machen, was er dabei erlebt habe und wer versucht habe, die Airline zu behindern. «Wenn die Zeit gekommen ist, werde ich niemanden und nichts verschonen», kündigte Caruana an.
Wollen Ex-Mitarbeiter KM Malta scheitern sehen?
Seine Vorwürfe richteten sich offenbar auch gegen Personen aus dem Umfeld der früheren Nationalairline. Caruana sprach von Menschen, die dort einst beschäftigt gewesen seien und inzwischen andere Positionen innehätten. Ihnen unterstellte er ein mögliches wirtschaftliches Interesse daran, dass KM Malta Airlines vom Markt verschwindet.
Die Überlegung dahinter: Die Fluggesellschaft hält nach Angaben des Ministers einen Marktanteil von rund 20 Prozent. Würde sie ihren Betrieb einstellen, müssten andere Anbieter diese Lücke füllen. Davon könnten bestimmte Akteure profitieren. Wer genau dahinterstecken soll, ließ Caruana offen. Belege für gezielte Sabotageversuche legte er bei der Veranstaltung nicht vor.
Regierung will KM Malta privatisieren
Die Vorwürfe fallen in eine entscheidende Phase für KM Malta Airlines. Die Regierung arbeitet daran, einen Teil des Unternehmens an einen privaten Investor zu verkaufen. Ein Drittel der Airline soll privatisiert werden. Das gehört laut Caruana zu den Bedingungen, die die Europäische Kommission Malta auferlegt hat.
Derzeit führe man Gespräche mit mehreren großen Fluggesellschaften, sagte der Minister. Um welche Unternehmen es sich handelt, wollte er nicht verraten. Er habe sowohl einen Plan A als auch einen Plan B. Beide würden sicherstellen, dass KM Malta Airlines eine Zukunft habe, versicherte er. Weitere Einzelheiten könnten die laufenden Verhandlungen gefährden und jenen in die Hände spielen, die der Fluggesellschaft schaden wollten.
Kein Geschäftsbericht seit 2023
Für zusätzliche Fragen sorgt derweil die finanzielle Lage der Fluggesellschaft. KM Malta Airlines wurde Ende 2023 gegründet, hat seitdem aber noch keinen Jahresabschluss veröffentlicht. Auch bei der Veranstaltung blieb Caruana eine konkrete Antwort schuldig, wann die Öffentlichkeit erstmals Einblick in die geprüften Zahlen erhalten wird.
Er versprach zwar vollständige Transparenz, allerdings erst, wenn der richtige Zeitpunkt gekommen sei. Bis dahin müssen sich Öffentlichkeit und mögliche Kritiker mit seinen Zusicherungen begnügen.
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