Zuletzt hatte die Kritik von Crews an einer Unterkunft in Miami Beach hohe Wellen geschlagen. Nun hat Lufthansa Konsequenzen gezogen. Auf Nachfrage teilt die Airline mit, ihre Hotelkommission habe bei einem Besuch festgestellt, «dass wesentliche vereinbarte Vertragskonditionen nicht eingehalten wurden». Daher finde nun «die Unterbringung der Lufthansa-Crews anderweitig statt», schreibt die Pressestelle. Damit wird aus dem bisherigen «Wir prüfen» ein faktischer Auszug – und ein deutliches Signal an den Hotelpartner.
Swiss hingegen hält am Hotel fest. Die Airline bestätigt, sie nutze das Haus «aktuell wieder seit Dezember 2025» und werde die Crewmitglieder «auch weiterhin dort unterbringen». Zudem verweist sie auf Erfahrung: Das Hotel sei «mit Unterbrechung bereits viele Jahre seit 2016» als Crewhotel ausgewählt gewesen. Auffällig ist der Kontrast zur öffentlichen Debatte: Swiss erklärt, man habe nach dem Wechsel «weniger Beschwerden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum» erhalten und zudem «mehrere positive Rückmeldungen», etwa zur Lage.
Gewerkschaft: Unterbringung aktuell nicht vertretbar
Teile des negativen Feedbacks führt Swiss «hauptsächlich auch auf hohe Auslastung und die vorhandene Kapazität» zurück – etwa längere Wartezeiten beim Check-in. Gleichzeitig betont die Fluggesellschaft, sämtliche Mängel und Vorschläge würden «bereits mit dem Hotel direkt besprochen» und man erwarte, «dass die Probleme behoben werden». Die zuständige Abteilung werde die Lage sehr genau verfolgen, Crews würden intern informiert. Der Hoteleinkauf stehe im regelmäßigen Austausch, der geforderte Standard sei «nach unserer Kenntnis» gewährleistet, so die Schweizer Lufthansa-Group-Tocher. Als Beispiel für eine Besserung nennt Swiss behobene Probleme mit der Wassertemperatur.
Deutlich kritischer klingt es bei der Kabinengewerkschaft Kapers. Eine Mail an alle Kapers-Mitglieder liegt aeroTELEGRAPH vor. Darin bedankt sich die Organisation für «zahlreiche Rückmeldungen» und schreibt, die Unterbringung sei für viele «mit erheblicher Belastung verbunden». Laut Einschätzung von Kapers sind «geltende Mindeststandards für die Crewunterbringung aktuell teilweise nicht eingehalten» – es gehe «nicht um Komfortfragen, sondern zentrale Aspekte der Sicherheit, Hygiene, Ruhe und Prozesszuverlässigkeit», heißt es. Man habe die Situation «formell auf Management-Stufe» eskaliert und bewerte eine weitere Unterbringung im Hotel «aktuell als nicht vertretbar». Damit ist auch klar: Die Hoffnung, dass der Lufthansa-Auszug die Lage substanziell ändert, hat sich nicht erfüllt.
Warum zieht Lufthansa aus, aber Swiss bleibt?
Brisant ist der Fall auch gruppenintern: Swiss betont zwar, ihre Hotelauswahl erfolge grundsätzlich eigenständig, die Standards seien jedoch «vergleichbar» mit jenen anderer Fluglinien der Lufthansa-Gruppe. Gerade deshalb wirft der Lufthansa-Auszug Fragen auf: Wenn Vertragskonditionen «wesentlich» nicht eingehalten wurden – weshalb bleibt Swiss?
Bis sich die Lage vor Ort messbar beruhigt oder die Kritik erneut eskaliert, dürfte Miami Beach damit ein Thema bleiben, das nicht nur Crews, sondern auch Management-Etagen und Sozialpartner weiter beschäftigt.
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