Flugzeug von Alitalia spiegelt sich in einer Pfütze: Über die Verantwortlichkeiten für den Niedergang gab es Streit.

Es geht um Hunderte Millionen EuroGeheimes Kapitel zwischen Etihad und Alitalia öffentlich gemacht

Die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi investierte im großen Stil in die italienische Nationalairline. Doch Alitalia ging pleite. Danach brach ein Streit aus, der laut einem aktuellen Bericht mit mehreren hundert Millionen Dollar beigelegt wurde.

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Etihad Airways wollte keiner großen Allianz beitreten und dennoch international wachsen und ihr Zubringernetz vergrößern. Daher schwang sich die Fluggesellschaft aus Abu Dhabi im Jahr 2011 zur größten Einzelaktionärin von Air Berlin auf und übernahm 2014 auch 49 Prozent an Alitalia. Es waren keine Erfolge, beide Fluglinien gingen später pleite.

Im Falle von Alitalia gab es ein dramatisches Nachspiel, wie nun die Zeitung Corriere della Sera nach langer Recherche öffentlich macht. Demnach warfen die Sonderverwalter, die nach der Verstaatlichung der italienischen Airline im Jahr 2000 für Alitalia zuständig waren, Etihad vor, die Fluglinie faktisch geführt zu haben und für deren Niedergang verantwortlich zu sein. Und das, obwohl die Golf-Airline nur 49 Prozent der Anteile hielt. So habe Etihad etwa Cramer Ball als Alitalia-Chef und Duncan Naysmith als Finanzchef installiert.

Die große Frage: Wer hatte bei Alitalia das Sagen?

Im Rahmen der Insolvenz von Alitalia leitete die Staatsanwaltschaft in Civitavecchia Ermittlungen gegen die Alitalia-Geschäftsführung bis Februar 2017 ein. Es folgten Anklagen gegen verschiedene Führungskräfte. Zugleich erwog auch Etihad Airways, Schadensersatz zu fordern für ihre verlorenen Milliarden-Investitionen. Die Sonderverwalter Gabriele Fava, Giuseppe Leogrande und Daniele Santosuosso, schlossen sich derweil als Zivilkläger dem Strafverfahren gegen die ehemaligen Manager von Alitalia an, wie der Corriere nachzeichnet.

In Civitavecchia forderten die Alitalia-Verwalter, dass Etihad als faktische Muttergesellschaft für den Zusammenbruch von Alitalia verantwortlich gemacht wird. Etihad betonte daraufhin über ihre italienischen Anwälte, dass sie mit ihrem Anteil von 49 Prozent Alitalia nicht hätte führen können und dass sie im Gegenteil die Geschädigte in dieser Sache sei. Es herrschte eine Pattsituation, die auch die politischen Beziehungen zwischen den beiden Ländern belastete. Rom und Abu Dhabi kommunizierten zeitweise nicht mehr miteinander.

Offenbar flossen mehrere hundert Millionen Euro nach Rom

Ab 2022 gab es aber wieder diplomatische Gespräche. Einer der Verwalter, Daniele Santosuosso, reiste laut Corriere-Informationen mehrmals nach Abu Dhabi, um die Angelegenheit beizulegen. Schließlich wurde eine Vergleichsvereinbarung verfasst. Darin einigten sich beide Seiten laut der Zeitung auf den Verzicht auf rechtliche Schritte von italienischer Seite und im Gegenzug auf die Zahlung von mehreren hundert Millionen Euro von Etihad an Alitalia im Rahmen des außerordentlichen Insolvenzverfahrens. Der Corriere geht von mehr als 300 Millionen Euro aus. Im März 2023 sei die Vereinbarung nach dem Besuch von Italiens Ministerpräsidentin Giorgia Meloni in Abu Dhabi unterzeichnet worden.

Viele Details zu der Angelegenheit sind weiterhin unklar. Grund sei eine «Mauer der Vertraulichkeitsklauseln, die zum 'Schutz' der Vereinbarung vereinbart wurden», so die Zeitung. Die Verwalter reagierten auf Corriere-Anfrage nicht, Etihad wollte sich nicht äußern.

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