Zwischen Algier und Abu Dhabi herrscht dicke Luft. Als wichtiger Bruchpunkt gilt die Regionalpolitik nach den Abraham-Abkommen aus dem Jahr 2020: Die Vereinigten Arabischen Emirate und Marokko haben damals ihre Beziehungen zu Israel normalisiert. Algeriens Präsident Abdelmadjid Tebboune taxiert das als Abkehr von der traditionellen arabischen Linie und sagt, man wolle sein Land regional isolieren – vor allem seit Algerien und Marokko ihre Beziehungen 2021 abbrachen.
Besonders heikel sei aus algerischer Sicht der Sahel: Algerien teilt mit Mali eine rund 1400 Kilometer lange Grenze und wirft Marokko und den Vereinigten Arabischen Emiraten vor, dort gegen seine Interessen zu agieren. Ein weiteres Reizthema ist die Westsahara. Als die Emirate im Oktober 2020 in Laayoune ein Konsulat eröffneten, wertete Algerien das als Provokation und als Rückendeckung für Marokkos Souveränitätsanspruch – im Gegensatz zu Algeriens Unterstützung für die Befreiungsfront Polisario.
Luftverkehrsabkommen war 2014 ratifiziert worden
Diese und viele weitere kleine Verwerfungen haben nun Folgen. Algerien hat das Verfahren zur Beendigung des bilateralen Luftverkehrsabkommens mit den Vereinigten Arabischen Emiraten eingeleitet. Damit gerät die rechtliche Grundlage für die bestehenden Flugverbindungen ins Wanken. Zieht Algerien die Pläne durch, muss Emirates ihre Flüge einstellen.
Das Abkommen war 2013 in Abu Dhabi unterzeichnet und 2014 ratifiziert worden. Es regelt die kommerziellen Verkehrsrechte zwischen den beiden Staaten. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur APS erfolgt die Kündigung auf Basis von Artikel 22. Algerien hat die Emirate formell auf diplomatischem Weg informiert und zusätzlich den Generalsekretär der International Civil Aviation Organization Icao eingeschaltet, um die vorgesehenen Verfahren einzuleiten.
Emirates will vorerst weiter nach Algerien fliegen
Offiziell nennt die algerische Regierung keine Gründe für den Schritt. Aus den Emiraten kam aber bereits eine erste Reaktion. Die General Civil Aviation Authority erklärte, die Mitteilung entspreche den im Abkommen vorgesehenen rechtlichen Mechanismen. Es bleibe während der Kündigungsfrist in Kraft, der Flugbetrieb werde unverändert fortgesetzt. Man stehe mit allen relevanten Stellen in Kontakt.
Derzeit bestehen tägliche Verbindungen zwischen beiden Ländern. Emirates verbindet Algier mit Dubai, ebenso bietet Air Algérie eine tägliche Verbindung an. Die Golfairline kündigte an, sämtliche behördlichen Vorgaben zu befolgen und Passagiere sowie Partner rechtzeitig über mögliche Änderungen zu informieren. Als letzter geplanter Flug ab Algier ist der 3. Februar 2027 vorgesehen, sollte es bis dahin keine neue Vereinbarung geben.
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