Während des Kriegs wuchs der Marktanteil der israelischen Nationalairline El Al binnen weniger Tage von rund 20 auf über 70 Prozent aller Passagiere von und nach Israel. In den ersten Monaten lag der Anteil dauerhaft bei mehr als der Hälfte. Die Airline erzielte in dieser Phase Rekordergebnisse. Genau das könnte ihr allerdings nun eine Rekordstrafe einbrocken.
Die Wettbewerbsbehörde wirft der Fluggesellschaft vor, während des Krieges ihre marktbeherrschende Stellung ausgenutzt und Ticketpreise in «exzessiver und unfairer» Weise erhöht zu haben. Im Raum steht ein Bußgeld von bis zu umgerechnet rund 40 Millionen Euro.
Behörde will El Al Maximalstrafe aufbrummen
Nach Angaben der Wettbewerbsbehörde Israels hat diese El Al darüber informiert, dass sie die maximal gesetzlich erlaubte Strafe verhängen will. Der Entscheid ist allerdings noch nicht rechtskräftig. Zunächst soll eine Anhörung stattfinden, bei der El Al Stellung beziehen kann.
Ausgangspunkt der Untersuchung ist der 7. Oktober 2023. Mit Beginn des Kriegs zwischen Israel und der Hamas stellten zahlreiche internationale Fluggesellschaften ihre Verbindungen nach Israel ein. In der Folge wurde El Al auf vielen Strecken faktisch zum Alleinanbieter. Laut den Ermittlern hatte die Airline in dem Zeitraum bis Ende Mai 2024 auf mindestens 38 von 53 bedienten Routen ein Monopol, darunter wichtige Ziele wie London, New York, Paris, Bangkok, Tokio oder Los Angeles.
Tarife von El Al stiegen um bis zu 31 Prozent
Die Behörde wertete Millionen von Tickets aus und verglich die Preise mit dem Zeitraum vor dem Krieg. Das Ergebnis: Im Durchschnitt stiegen die Tarife um rund 16 Prozent. Auf einzelnen Strecken lagen die Aufschläge demnach bei bis zu 31 Prozent. Auffällig sei zudem gewesen, dass El Al auch auf Flügen mit freien Sitzplätzen in der Economy Class die Preise deutlich anhob: Im Schnitt um etwa ein Viertel.
Die Wettbewerbshüter sehen darin einen Missbrauch der Marktmacht. Die Sicherheitslage habe für die reisende Bevölkerung eine extreme Situation geschaffen, erklärte Behördenchefin Michal Cohen. Viele Passagiere hätten keine Alternative gehabt, da sie aus Sorge vor weiteren Flugstreichungen auf El Al angewiesen gewesen seien. Andere hätten ganz auf Reisen verzichten müssen.
El Al weist die Vorwürfe zurück
El Al weist die Vorwürfe zurück. Selbst wenn man von einem durchschnittlichen Preisanstieg von 16 Prozent ausgehe, stelle dies keine exzessive Preisgestaltung dar, erklärte die Airline laut der Times of Israel. Man werde die eigene Position in der Anhörung und gegebenenfalls auch auf juristischem Weg darlegen.
Brisant ist der Fall auch mit Blick auf mögliche Zivilklagen. Ein Anwalt, der bereits eine Sammelklage gegen El Al wegen überhöhter Preise vertritt, erklärte, eine formelle Feststellung des Missbrauchs durch die Wettbewerbsbehörde könnte als Beweis dienen und den Weg für Schadenersatzforderungen ebnen.
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