B737-700 von Luxair: Zu teure Tickets, zu wenig Ziele.

Easyjet bringt Luxair ins Grübeln

Die nationale Airline schreibt seit Jahren Verluste. Nun will sie die Strategie überdenken, um trotz Konkurrenz zu bestehen.

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«Wenn wir so weiter machen, stehen wir vor einem riesigen Sozialplan», warnt Etienne Schneider. Die Luftfahrt seines Landes brauche dringend eine Generalüberholung, meint Luxemburgs Wirtschaftsminister im Interview mit der Zeitung Tageblatt weiter. Mit dieser Aussage dürfte er sich nicht nur Freunde eingehandelt haben. Die Branche in dem kleinen Land ist ein heiß diskutiertes Thema. Seitdem der britische Billigflieger Easyjet angekündigt hat, ab Oktober vier mal wöchentlich von Luxemburg Findel nach London Gatwick zu fliegen, gehen Politik und Gewerkschaften auf die Barrikaden.

Der erste Lowcost-Anbieter auf Findel konkurrenziert die Nationalairline. Luxair fliegt bereits vom Großherzogtum nach London City. Easyjet will nun neben dem preissensitiven Freizeitpublikum vor allem auch Geschäftsreisende ansprechen, welche nicht mehr bereit sind, die hohen Preise der Liniengesellschaft zahlen. Die neue Strecke «zeigt klar unsere Absicht, eine stattliche Anzahl an zentralen Businessrouten anzubieten», erklärt auch Easyjet-Manager Paul Simmons.

Vom neuen Angebot bedroht

In Luxemburg fühlt man sich von dem neuen Angebot so bedroht, dass es sogar die Forderung gab, die Flüge von Easyjet ganz zu verbieten. Für Wirtschaftminster Schneider ist das keine Option. «Ich habe mich sofort dagegen gewendet. Man kann so etwas nicht verbieten», erklärt er. Man habe ohnehin zu wenig Verbindungen ab Luxemburg, es brauche daher sogar neue Anbieter. In die USA gebe es gar kein Angebot. Darüber habe sich der Botschafter der Vereinigten Staaten beklagt. Auch nach Russland fliegt keine Airline ab Luxemburg. Das müsse sich ändern. Daher befindet sich die Regierung offenbar schon in Gesprächen mit Aeroflot, wie Schneider erklärt. Die russische Airline könnte mit dem Sukhoi Superjet nach Findel fliegen. Und eine türkische Airline überlegt sich offenbar, von Istanbul via Luxemburg in die USA zu fliegen.

Der Minister sieht die Luftfahrtbranche im Land aber generell als Sanierungsfall an. Vor allem die Nationalairline habe eine Generalüberholung nötig. «Luxair hat eine finanzielle Rücklage. Aus ihr werden Jahr für Jahr die Verluste ausgeglichen, die durch den Flugverkehr entstehen», so Schneider. «Die Gewerkschaften glauben, dass man das immer so weiter machen kann». Aber das sei ein Irrtum. Zumindest bei der nationalen Frachtgesellschaft Cargolux steht schon einmal eine große Veränderung an. Bis Ende Juni will die Airline eine neue Strategie vorlegen, mit der sie wieder erfolgreich operieren kann.

Handlungsbedarf sehen alle

Bei Luxair ist kein Plan dieser Art bekannt. Aber selbst bei den Arbeitnehmervertretern sieht man nun Handlungsbedarf. «Auch die Luxair muss sich neu orientieren, denn sonst wird die Gesellschaft innerhalb von zwei Jahren gegen die Wand fahren», warnt Gewerkschaftsvertreter Aloyse Kapweiler in der Zeitung Luxemburger Wort. Durch die Ankunft von Easyjet habe sich die Lage extrem verschlimmert, man müsse die gesamte Strategie neu überdenken. Für den Wirtschaftsminister ist klar: «Wir müssen hier gestalterisch tätig werden.»

Das bedeutet zum Einen, das Streckenetz zu überdenken. Ein Teil davon sei einfach nicht rentabel. Außerdem seien die Preise bei der Airline viel zu hoch. «Man kann nicht 800 Euro für einen Flug nach München bezahlen, wenn man kurzfristig in die bayerische Hauptstadt fliegen will. Das bezahlt heutzutage niemand mehr», nennt er sein Beispiel. Der Grund für diese hohen Preise seien aber auch die hohen Kosten. Und die seien strukturell bedingt. Lösungen für diese tief sitzenden Probleme will die Regierung gemeinsam mit den nationalen Fluggesellschaften finden. An einem «Runden Tisch» sollen Vertreter der Airlines Cargolux und Luxair, sowie der Regierung und der Logistikbranche gemeinsam erörtern, wie man die Luftfahrt des Landes wieder erfolgreich zum Fliegen bringen kann - mit oder trotz wachsender Konkurrenz durch Billigflieger.

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