Die Regierung von Mauritius sieht in Qatar Airways einen möglichen Retter für die angeschlagene Nationalairline. Doch der Chef von Air Mauritius hält eine mögliche Übernahme für einen schweren Fehler.
Die Regierung von Mauritius sucht nach Wegen, die angeschlagene Nationalairline zu stabilisieren. Der Einstieg eines Investors ist aktuell die bevorzugte Option. Qatar Airways gilt dabei als Favorit für eine Beteiligung. Die Golfairline könnte nicht nur technisches Know-how und moderne Flugzeuge einbringen, sondern auch den Zugang zu ihrem Drehkreuz in Doha.
Doch bei Air Mauritius selbst stößt die Idee auf Skepsis. Airline-Chef Kishore Beegoo hält die Pläne für gefährlich. In einem Interview mit dem Portal Defi Media erklärte er, ein Verkauf an Qatar Airways wäre «ein strategischer Fehler mit schwerwiegenden Folgen».
Für Beegoo geht es um mehr als eine wirtschaftliche Transaktion. «Es ist eine Frage unserer wirtschaftlichen Souveränität, unserer Autonomie im Luftverkehr und unserer Fähigkeit, das Luftfahrtsystem als Instrument für die nationale Entwicklung zu steuern», sagte er. Wer die Airline unter den heutigen Bedingungen abgebe, «verpfändet unsere wirtschaftliche Zukunft».
Der Manager wirft einigen Befürwortern kurzfristiges Denken und politisch motivierte Schnellschüsse vor. Besser wäre es, wenn das Unternehmen auf Allianzen setze, nicht aber auf eine Abgabe der Kontrolle, argumentiert der Air-Mauritius-Chef.
Dennoch steht Air Mauritius mit dem Rücken gegen die Wand. Wegen technischer Probleme stand zeitweise bis zur Hälfte der Flotte still, vom Airbus A330-900 bis hin zu den ATR-Turboprops. Beegoo macht dafür vor allem Versäumnisse früherer Führungen verantwortlich, etwa fehlende Wartungsplanung oder fragwürdige Flottenentscheidungen.
Die aktuelle Führung versucht nun gegenzusteuern: mit einem neuen Wartungsprogramm, zusätzlichen Fachkräften und mehr Unterstützung durch Airbus. Auch Missstände wie die massenhafte Vergabe von Freitickets an Geschäftspartner und Freunde sollen beendet werden.
Für Beegoo steht fest: Reformen ja, Partnerschaften ja, aber keine vollständige Übergabe an einen ausländischen Investor. «Air Mauritius ist ein strategisches Gut, dessen Wert weit über der Bilanzsumme liegt», sagt er. Politischer Druck dürfe nicht darüber entscheiden, wie es mit der Airline weitergehe.