Die Sticheleien begannen wenige Tage nach seinem Amtsantritt. Am 1. Februar 2025 belegte Präsident Donald Trump Kanada mit Strafzöllen. Kanada tat es den USA gleich und reagierte mit Gegenzöllen. Mit dem Handelskrieg nicht genug. Der Präsident der Vereinigten Staaten sprach sogar öffentlich von einer Annexion des nördlichen Nachbarlandes. «Ehrlich gesagt sollte Kanada der 51. Bundesstaat sein, das sollte es wirklich. Da Kanada vollständig von den Vereinigten Staaten abhängig ist. Wir sind nicht von Kanada abhängig», sagte Trump beispielsweise in einem Fernsehinterview.
Fast ein Viertel weniger Reisende aus Kanada in den USA
Zwar waren das nur extremste Ausschläge auf dem Höhepunkt des Nachbarschaftsstreits. Doch die Bilanz bei den grenzüberschreitenden Reisen ist nach wie vor verheerend. Die Rückgänge nahmen im Sommer und Herbst sogar noch zu. Über die ersten zehn Monate beträgt das Minus bei den Reisenden aus Kanada in den Vereinigten Staaten 22 Prozent oder 3,8 Millionen Ankünfte weniger (siehe Grafik).
Und der Trend dürfte sich so schnell nicht umkehren. Mit der von Trump kürzlich angefachten Auseinandersetzung um eine Brücke zwischen den USA und Kanada dürfte sich die Lust der Kanadierinnen und Kanadier auf Reisen in die Vereinigten Staaten erneut abgekühlt haben. Darauf reagiert nun Air Transat. Der kanadische Ferienflieger streicht seine drei letzten USA-Strecken: Montreal - Orlando, Québec - Fort Lauderdale und Montreal - Fort Lauderdale. Der letzte Flug wird am 13. Juni durchgeführt.
Air Transat bot vor einem Jahr noch neun USA-Strecken an
Vergangenen Sommer bot Air Transat noch neun grenzüberschreitende Routen an. Mengenmäßig ist der Rückzug aus den Vereinigten Staaten für den Ferienflieger daher kein extremer Schritt. Er kann seine Flugzeuge schnell dorthin verlagern, wo er mehr Rendite sieht - anders als Netzwerkairlines.
Er zeigt aber einen Trend. Denn die Fluglinien aus Kanada und den USA hofften, dass sich die Nachfrage diesen Sommer erholen würde. Stattdessen liegt die Kapazität aktuell noch immer rund ein Zehntel unter der von vor einem Jahr.
365 Tage Luftfahrtjournalismus – fair, fundiert und unabhängig. Damit das so bleibt, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon für den Preis eines Getränks am Flughafen genießen Sie aeroTELEGRAPH werbefrei. Jetzt hier klicken und abonnieren