Letzte Aktualisierung: um 19:28 Uhr
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Regierung soll Geldspritze geben

Air Namibia in schweren Turbulenzen

Der Nationalairline des afrikanischen Landes im südlichen Afrika ist finanziell angeschlagen. Air Namibia verlangt deshalb von der Regierung eine Kapitalspritze.

Air Namibia

Startender Airbus A319 von Air Namibia: Die Airline steckt in Turbulenzen.

Anfang September traten Aufsichtsratspäsidentin Deidré Sauls-Deckenbrock und ihre Stellvertreterin Nangula Kauluma zurück. Umgehend wurde der Anwalt Escher Luanda zum neuen Vorsitzenden des obersten Gremiums von Air Namibia ernannt. Er hat keine leichte Aufgabe vor sich.

Die Nationalairline des Landes im südlichen Afrika ist angeschlagen. Wie schlecht es um die Finanzen steht, zeigt ein Brief der zurückgetretenen Aufsichtsratspäsidentin an die Regierung. Air Namibia brauche dringend eine Kapitalspritze, so Sauls-Deckenbrock. Bis zum 30. September benötige man 1,6 Milliarden Namibia-Dollar oder umgerechnet 99 Millionen Euro, zitiert die Zeitung The Namibian aus dem Schreiben.

Alter Rechtsstreit belastet

Schon seit vielen Jahren überlebt Air Namibia nur durch regelmäßige Zuschüsse der Regierung. In den letzten sieben Jahren summierten sie sich gemäß dem Blatt auf vier Milliarden Dollar oder 270 Millionen Euro. Schuld daran ist auch ein jahrealter Rechtsstreit, den die Airline verlor.

Mehrere Richter verpflichteten Air Namibia 2011 und 2015, 25 Millionen Euro an die Insolvenzverwalter der belgischen Challenge Air zu zahlen. Dabei ging es um eine frühzeitig aufgelöste Leasingvereinbarung für ein Langstreckenflugzeug. Doch die Fluggesellschaft kann den Betrag nicht zahlen. Inzwischen wurden deshalb ihre Konten in Europa eingefroren, was die Liquiditätskrise verschärft.

Kein Geld mehr für Airbus A319

In der Folge konnte Air Namibia auch das Unternehmen nicht mehr bezahlen, das die Wartung ihrer Airbus A319 durchführt. Die Flieger fehlen jetzt im täglichen Betrieb. Und so musste die Fluggesellschaft vor einigen Wochen Strecken im südlichen Afrika ganz einstellen oder die Frequenzen verringern. Darum verlangt die Staatsairline jetzt ultimativ Geld – auch weil sie den Rechtsstreit ein für alle Mal mit einer Einmalzahlung aus der Welt schaffen will.

Fließe das Geld nicht, drohe das Grounding, so Sauls-Deckenbrock gemäß dem Bericht. Das stellt Air Namibia in Abrede. «Wir werden unseren Auftrag weiter ausführen», schreibt die Fluggesellschaft in einer Stellungnahme und meint damit, den Tourismus im Land zu fördern. Zusammen mit der Regierung arbeite man an einer neuen Strategie um die Kosten zu senken und effizienter zu werden. Der Flugbetrieb werde aufrecht erhalten.

Suche nach Investoren

Finanzminister Calle Schlettwein bestätigte, den Brief erhalten zu haben, erklärte aber, es hätten Begründungen gefehlt, wofür genau das Geld verwendet werde. Er habe mehr Informationen verlangt und man prüfe das Ansinnen. Die Regierung in Windhoek sei auf der Suche nach einer Strategie für Air Namibia, so Schlettwein.

Schon zuvor hat die Regierung aktiv versucht, ausländische Investoren für ihre Fluglinie zu finden. Sie schrieb deshalb Ethiopian Airlines und South African Airways an. Am meisten Hoffnungen machte sie sich aber bei Lufthansa. In Frankfurt reagierte man gemäß The Namibian freundlich, aber zurückhaltend auf das Ansinnen.

Konkurrenz mit Condor und Eurowings

Die Flotte von Air Namibia besteht aus zwei Airbus A330-200, vier A319, vier Embraer ERJ 135 und einer ERJ 145, wovon zwei Flieger stillgelegt sind. Die Fluggesellschaft bedient neben regionalen Zielen in Europa Frankfurt. Auf der Strecke steht sie allerdings in Konkurrenz zu Condor und Eurowings.



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