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Airline-Chef auf der Flucht

Der Krimi um Air Baltic wird immer mysteriöser. Der Chef der Fluglinie will nicht mehr an den Firmensitz zurückkehren - aus Angst.

Air Baltic

Maschine von Air Baltic: Tragikomödie um die lettische Airline.

[image1] Sie wollen dringend miteinander sprechen, aber unter keinen Umständen unter vier Augen. Zumindest die eine Partie in dieser Tragikomödie hat riesige Angst, vor einer Sitzung im Heimatstaat der Air Baltic. Bertolt Flick, Grossaktionär und Chef der lettischen Airline liess den Premierminister Valdis Dombrovskis in Riga via seinen Anwalt in Deutschland wissen, dass er zu einem Treffen bereit sei. Dies allerdings nur, wenn er eine Garantie bekomme, bei seiner Rückkehr nach Lettland nicht verhaftet werde. Das berichtet die lettische Tageszeitung Diena.

Der deutsche Geschäftsmann Flick, der seit Mitte der Neunzigerjahre in Lettland lebt, sieht sich als Opfer eines Komplotts. In den Medien wurden verschiedentlich Korruptionsvorwürfe laut. Selbst Ministerpräsident Dombrovskis sprach kürzlich öffentlich von Intransparenz bei Air Baltic. Und gemäss der nationalen Nachrichtenagentur Leta wurden Anfang Juli die Büros von Air Baltic und Flicks Privatresidenz durch Agenten der Anti-Korruptionseinheit durchsucht. Eine offizielle Untersuchung gegen Flick läuft allerdings bis anhin nicht.

Zwei Hüte

Nun hat die Regierung Flick aufgefordert, ihr die unklare finanzielle Situation von Air Baltic darzulegen. Von einer Garantie, wie sie Flick verlangt, hält man in Riga aber nichts. «Ich glaube, das steht in scharfem Kontrast zu einem demokratischen Rechtsstaat, wo Politiker nicht in die Strafverfolgung eingreifen», sagte Dombrovskis in einem Statement.

Flick glaubt, dass die Regierung ihre Anteile an der Fluggesellschaft von rund 53 Prozent vor den Wahlen im Herbst verkaufen wolle. Flick besitzt die restlichen 47 Prozent und wäre dabei störend. Die Regierung wolle wohl Leute mit einem Verkauf belohnen, die sich am Wahlkampf beteiligten. Riga dagegen erklärt, Flick habe zwei Hüte auf, er verhalte sich nicht wie ein Konzernchef und Grossaktionär, sondern ein Aufsichtsratspräsident und Mehrheitseigentümer.

Die Air Baltic entstand 1995. Sie betreibt heute ab Riga eine Flotte von 36 Flugzeugen (Boeing 757-200, B737-300 und B737-500, Bombardier Dash 8Q-400 und Fokker 50). Die Letten fliegen vor allem Destinationen innerhalb des Baltikums und Skandinaviens an, bedienen aber auch einige Ziele in Europa und in der ehemaligen Sowjetunion. Seit 1999 sind Flick und der Staat die einzigen Anteilseigner.

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